Schlüsselwörter Übergewicht - Adipositas - Schwangerschaft - Ernährungsberatung - neonatale Makrosomie
Einleitung
Die mit Übergewicht (Body-Mass-Index [BMI] 25–29,9 kg/m2 ) und Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2 ) einhergehenden Gesundheitsrisiken sind aufgrund steigender Prävalenzen von hoher
gesellschaftlicher Bedeutung [1 ]. In Deutschland lag der Anteil übergewichtiger und adipöser Erwachsener 2021 bei
53% [2 ]. Gemäß der deutschen Perinatalstatistik erhöhte sich der Anteil auch bei schwangeren
Frauen kontinuierlich von 35,0% im Jahr 2013 über 38,2% in 2019 auf 43,82% in 2022
[3 ]
[4 ]
[5 ]. Maternales Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft führen zu erhöhten
Geburtsgewichten und bedingen einen Anstieg der Rate neonataler Makrosomien [6 ]
[7 ]
[8 ]
[9 ]. Diese ist mit einem lebenslang erhöhten Risiko für Übergewicht, Adipositas, Erkrankungen
des Herz-Kreislauf-Systems und metabolische Erkrankungen wie Diabetes mellitus assoziiert
[10 ]
[11 ]. Neben postnatalen Lebensstilfaktoren wird eine pränatale Prägung infolge einer
„fetalen Programmierung“ als bedeutsamer Risikofaktor angenommen [12 ]
[13 ]. Begünstigende Faktoren einer neonatalen Makrosomie und/oder Übergewicht bzw. Adipositas
im Kindesalter sind nicht nur ein erhöhter maternaler BMI, sondern auch Bewegungsmangel
sowie kohlenhydratreiche Ernährung mit übermäßiger Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
sowie Entwicklung eines Gestationsdiabetes [1 ]
[14 ]
[15 ]
[16 ]
[17 ]. Entsteht ein glukosereiches intrauterines Milieu durch eine hohe Gesamtenergiezufuhr
und den Verzehr überwiegend energiedichter, industriell gefertigter Nahrung, kann
dies nicht nur zur Geburt deutlich zu schwerer Kinder führen, sondern auch langfristig
in einer neuroendokrinen „Fehlprogrammierung“ der kindlichen Körpergewichts- und Stoffwechselregulation
resultieren [18 ]
[19 ]. Darüber hinaus erhöht eine fetale Makrosomie die Rate geburtshilflicher Komplikationen
wie Schulterdystokie, höhergradige maternale Geburtsverletzungen und postnatale Anpassungsstörungen,
insbesondere, wenn sie mit einem Gestationsdiabetes mellitus (GDM) assoziiert ist
[20 ]
[21 ].
Die Definition einer neonatalen Makrosomie ist international uneinheitlich, der Begriff
einer Neugeborenenadipositas nicht etabliert. Verwendet werden absolute Geburtsgewichte
von 4000 g sowie 4500 g als Grenze [1 ]
[3 ]
[4 ]
[5 ]. Diese Definition berücksichtigt jedoch weder regionale Unterschiede [22 ], das Gestationsalter noch das Geschlecht, sodass die Verwendung populationsbasierter
Normwerte anstelle fester Geburtsgewichte naheliegend ist. Als Large for Gestational
Age (LGA) oder auch hypertroph gelten Neonaten mit einem Geburtsgewicht über der 90.
Perzentile. Beide Definitionen werden sowohl in der deutschsprachigen Leitlinie zum
GDM (seit 2018) als auch in der Perinatalstatistik berücksichtigt [3 ]
[21 ].
Darüber hinaus existieren BMI-ähnliche, proportionsbezogene Klassifikationen unter
Berücksichtigung der Geburtslänge des Kindes (> 90. längenbezogene Gewichtsperzentile)
sowie individualisierte Perzentilkurven, welche das mütterliche Gewicht einbeziehen.
Diese werden jedoch bisher nicht bundesweit erfasst [23 ]. Aufgrund der Uneinheitlichkeit der Definitionen wurden in der vorliegenden Arbeit
alle möglichen Definitionen einer Makrosomie in Form einer Gesamtmakrosomierate berücksichtigt.
Der BMI, die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und letztlich auch die Makrosomierate
sind prinzipiell durch Lebensstilveränderungen modifizierbar. Der Zeitpunkt des Interventionsbeginns,
die Motivation und Intensität der Interventionen sind für den Erfolg dieser Maßnahmen
bedeutsam [8 ]. Ziel ist es, eine physiologisch ausgerichtete Veränderung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten
bereits in der Frühschwangerschaft zu etablieren. Gesunde Nahrungsmittel mit einem
hohen Ballaststoffanteil reduzieren das Risiko für eine übermäßige Gewichtszunahme
in der Schwangerschaft und helfen, ein übermäßiges Wachstum des Kindes in utero im Sinne einer primären Adipositasprävention zu verhindern. Eine qualifizierte Ernährungsberatung
ist bisher nicht Bestandteil der Schwangerenvorsorge, dagegen ist die Motivation der
Frauen, sich mit der Thematik gesunder Ernährung zu beschäftigen, in diesem Lebensabschnitt
besonders hoch [24 ].
Ziel dieser Pilotstudie war es, Machbarkeit und Umsetzbarkeit von Methoden und Abläufen
bei einer schwangerschaftsbegleitenden Ernährungsberatung zu testen. Es sollte untersucht
werden, ob die Makrosomierate reifer Neugeborener in der Studie gegenüber Vergleichszahlen
der Universitätsfrauenklinik (UFK) Rostock von 2020 effektiv gesenkt werden kann.
Methoden
Studiendesign und Teilnehmerinnen
Die „Gesund mal Zwei“-(GemaZ-)Studie wurde als unizentrische, einarmige interventionelle
Pilotstudie zwischen Oktober 2018 und Dezember 2021 durchgeführt. Eingeschlossen werden
konnten Frauen mit intakter Einlingsschwangerschaft. Ausschlusskriterien waren ein
Alter < 18 Jahren, Mehrlingsschwangerschaften, unzureichende Verständigungsmöglichkeit
in deutscher Sprache oder ein vorbestehender Diabetes mellitus. Der Studieneinschluss
erfolgte im 1. Trimenon zwischen 10 und 14 Schwangerschaftswochen (SSW). Initial erfolgte
nur der Einschluss von Frauen mit einem präkonzeptionellem BMI ≥ 25 kg/m2 , aufgrund geringer Rekrutierung erfolgte im September 2019 eine Protokolländerung,
sodass ein Einschluss unabhängig vom BMI möglich war. Ziel dieser Änderung war eine
Entstigmatisierung der Teilnehmerinnen, um die Bereitschaft zur Studienteilnahme zu
erhöhen. Primärer Endpunkt der Studie war die Gesamtmakrosomierate reifgeborener Einlinge
bei übergewichtigen und adipösen Schwangeren, definiert als ein Gestationsalter bei
Geburt von ≥ 37 SSW. Die Bestimmung des Entbindungstermins erfolgte nach letzter Menstruation.
Eine Korrektur erfolgte bei Abweichung von ≥ 7 Tagen bei sonografisch bestimmter Scheitelsteißlänge
in der Frühschwangerschaft. Erhoben wurde die Gesamtmakrosomierate, definiert durch
mindestens eines der folgenden Kriterien: Geburtsgewicht ≥ 4000 g, > 90. Gewichtsperzentile bezogen
auf die SSW und das Geschlecht (LGA), > 90. längenbezogene Gewichtsperzentile (BMI-nah)
oder > 90. Gewichtsperzentile nach Korrektur nach mütterlichem Ausgangsgewicht und
-größe [23 ] (Abb. S1 ) (Zusatzmaterial, online).
Sekundäre Endpunkte waren die maternale Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
nach Empfehlung des Institute of Medicine (IOM), die Manifestation eines GDM sowie
die Evaluation der Ernährungsberatung. Das IOM empfiehlt Frauen mit Normgewicht eine
Steigerung des Gewichts um 11,5–16 kg; Übergewichtige sollen die Gewichtszunahme auf
7–11,5 kg begrenzen und Adipöse nur 5–9 kg Gewicht zunehmen [25 ]. Gemäß diesen Empfehlungen erfolgte die Einteilung der Gewichtszunahme in „unterhalb
bis adäquat“ und „exzessiv“.
Die Definition des GDM basierte auf den Kriterien der International Association of
Diabetes and Pregnancy Study Groups (IADPSG)-Konsensus-Empfehlung [26 ].
Die Intervention bestand in wiederholten Ernährungsschulungen durch zertifizierte
Ernährungsberaterinnen, die im Vorfeld eine studienorientierte Fortbildung erhielten.
Hierbei wurden schwangerschaftsspezifische Aspekte der Stoffwechselregulation und
Ernährung vermittelt. Die Probandinnen erhielten insgesamt 3 ca. 60 Minuten dauernde
Beratungen sowohl in Einzel- als auch Gruppengesprächen: im Zeitraum 10 bis 14 SSW
nach Einschluss, zwischen 20 und 24 SSW sowie 30 bis 34 SSW ([Abb. 1 ]). Inhaltlich bauten die auch für Laien verständlichen Schulungen aufeinander auf
und umfassten neben praktischen lebensstilrelevanten Empfehlungen zu Ernährung einschließlich
Tagesplan und körperlicher Aktivität auch theoretische Informationen zu den Zusammenhängen
zwischen einer kohlenhydratdichten mütterlichen Ernährung und dem intrauterinen kindlichen
Wachstum. Die Schulungsinhalte waren an die Besonderheiten der Stoffwechselsituation
des jeweiligen Trimenons angepasst. Begleitend wurden den Frauen die Schulungsinhalte
in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt. Jeweils im Anschluss erfolgte eine freiwillige
und anonyme Evaluation der Schulung durch die Probandinnen. Die Schwangerschaftsvorsorge
erfolgte darüber hinaus gemäß den üblichen Empfehlungen. Postnatal wurden die anthropometrischen
Daten der Neonaten evaluiert und klassifiziert.
Abb. 1
Ablaufprotokoll der Studie. Die Beratungen umfassten folgende Aspekte: Grundlagen
der Ernährungsbausteine mit Schwerpunkt auf Kohlenhydrate und Ballaststoffe, Energieumsatz,
Gewichtszunahme während der Schwangerschaft einschließlich Empfehlungen des Institute
of Medicine, konkrete Ernährungsbeispiele, Erstellen eines Tagesplans, individuelle
Bewegungsberatung (z. B. Walken mit Empfehlung zur Dauer und Berechnung des Energieverbrauchs),
Pathophysiologie des Schwangerschaftsdiabetes, Bedeutung des Stillens, Vermittlung
von Beratungserfahrungen.
Fallzahlkalkulation, Statistik
Als einarmige interventionelle Studie wurde ein Vergleich mit Daten aus der Regelversorgung
der UFK Rostock geplant. Grundlage der Fallzahlkalkulation war die Gesamtmakrosomierate
reif geborener Einlinge von Müttern mit einem prägraviden BMI ≥ 25 kg/m2 aus dem Jahr 2017 von 29,0% (Tab. S1 ) (Zusatzmaterial, online). Unter der Annahme einer als klinisch relevant eingeschätzten
Senkung um absolut 10% wurde initial eine erforderliche Fallzahl von 300 Teilnehmerinnen
kalkuliert. Aufgrund der langsamen Rekrutierung erfolgte im September 2019 eine Anpassung
des Studienprotokolls mit Öffnung für Frauen mit einem BMI < 25 kg/m2 . Zusätzlich wurde das Rekrutierungsziel auf 100 Teilnehmerinnen reduziert.
Für die Auswertung der Daten wurden die Gesamtmakrosomieraten der Universitätsfrauenklinik
Rostock aus dem Jahr 2020 als Vergleichsgruppe verwendet.
Entsprechend der relativen Verteilung der BMI-Klassen in GemaZ (< 25 kg/m2 14,44%, 25–29,9 kg/m2 34,44% und ≥ 30 kg/m2 51,11%) wurde das gewichtete Mittel der Makrosomieraten der Universitätsfrauenklinik
des gesamten Jahres 2020 in diesen Klassen bestimmt. Dieses bildete die Vergleichsrate
für den binomialen Anteil an Makrosomien in der Studie bei Binomialtest und exakten
Konfidenzintervallen. Die statistischen Tests wurden bei einem Signifikanzniveau von
5% durchgeführt. Die sekundäre Zielgröße Gewichtsentwicklung der Mutter wurde nach
Empfehlung des Institute of Medicine (IOM) kategorisiert [25 ].
Ethikvotum und Einverständniserklärung
Die Studie wurde im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS-Nr. 00014914) registriert.
Sowohl das initiale Studienprotokoll als auch die erforderlichen Anpassungen infolge
der geänderten Datenschutzgrundverordnung sowie der Änderung des Studienprotokolls
mit Anpassung der Fallzahl und Einschlusskriterien wurden von der zuständigen Ethikkommission
genehmigt (Ethikvotum A 2018–0077). Die Studienteilnahme erfolgte freiwillig nach
entsprechender Aufklärung und schriftlichem Einverständnis.
Ergebnisse
Charakterisierung der Studienkohorte
Insgesamt wurden 99 Probandinnen in die Studie eingeschlossen ([Abb. 2 ]). Davon wiesen 85 (85,9%) einen BMI ≥ 25 kg/m2 auf. Im Verlauf wurden 90 Kinder mit einem Gestationsalter von ≥ 37 SSW geboren (90,9%).
Es kam zu 3 Fehlgeburten, darunter 1 Spätabort mit 22 SSW sowie 1 Totgeburt mit 33 SSW.
Fünf Kinder waren eine Frühgeburt (5,9%), in allen Fällen von Frauen mit einem BMI ≥ 25 kg/m2 . Bei den 85 Frauen mit BMI ≥ 25 kg/m2 wurden 77 Kinder ≥ 37 SSW geboren (90,6%).
Abb. 2
Flow-Diagramm der Studienteilnehmerinnen.
Weitere nach BMI-Klassen differenzierte Daten des Studienkollektivs sind in [Tab. 1 ] aufgeführt.
Tab. 1
Patientinnendaten der Studienpopulation in Abhängigkeit der BMI-Klassen. Angabe von
Mittelwert und Standardabweichung sowie absoluten und relativen Häufigkeiten. Alter
(Jahre).
alle BMI-Klassen
n = 99
BMI < 25 kg/m2
n = 14
BMI 25–29,9 kg/m2
n = 34
BMI ≥ 30 kg/m2
n = 51
p-Wert
BMI = Body-Mass-Index; GemaZ = „Gesund mal Zwei“-Studie; SSW = Schwangerschaftswoche
Alter (Jahre)
32,3 (3,93)
32,6 (3,52)
31,8 (4,26)
32,6 (3,83)
0,596
Größe (cm)
169 (6,17)
170 (7,80)
169 (5,39)
170 (6,28)
0,971
prägravides Gewicht (kg)
90,4 (22,5)
64,5 (6,17)
77,3 (7,12)
106 (19,6)
< 0,001
prägravider BMI (kg/m2 )
31,4 (6,91)
22,4 (1,47)
26,9 (1,38)
36,8 (5,08)
< 0,001
Gravidität nach GemaZ-Einschluss
1,82 (0,92)
1,57 (0,85)
1,79 (0,88)
1,90 (0,96)
0,487
Parität nach Partus in GemaZ
1,46 (0,69)
1,57 (0,85)
1,41 (0,66)
1,47 (0,67)
0,767
Teilnahme 1. Schulung, n (%)
99 (100)
14 (100)
34 (100)
51 (100)
Teilnahme 2. Schulung, n (%)
83 (100)
13 (92,9)
29 (85,3)
41 (80,4)
Teilnahme 3. Schulung, n (%)
73 (100)
11 (78,6)
26 (76,5)
36 (70,6)
Daten bei Geburt, n
n = 95
n = 13
n = 33
n = 49
Gewicht bei Geburt (kg)
102 (22,5)
76,2 (6,82)
89,8 (8,61)
118 (20,1)
< 0,001
Gewichtszunahme während der Schwangerschaft (kg)
11,8 (6,54)
11,7 (3,85)
12,6 (4,16)
11,4 (8,23)
0,715
Schwangerschaftswoche bei Geburt
39,1 (1,52)
39,5 (1,2)
38,8 (1,81)
39,2 (1,36)
0,318
Frühgeburt < 37 SSW, n (%)
5 (5,3)
0
2 (6,1)
3 (6,1)
Geburt ≥ 37 SSW, n (%)
90 (94,7)
13 (100)
31 (93,9)
46 (93,9)
Kind Geschlecht
47 (49,5)
8 (61,5)
16 (48,5)
23 (46,9)
0,639
48 (50,5)
5 (38,5)
17 (51,5)
26 (53,1)
Kind Körpermaße
3469 (485)
3626 (428)
3340 (566)
3515 (426)
0,127
50,7 (2,5)
51,3 (3,01)
50,2 (2,86)
50,9 (2,05)
0,321
35,1 (1,61)
35,7 (1,48)
34,8 (1,89)
35,1 (1,4)
0,172
Neonatale Makrosomieraten
Die BMI-unabhängige Gesamtmakrosomierate der lebendgeborenen, reifen Einlinge an der
UFK Rostock lag 2020 bei 24,9% (n = 620/2491, [Tab. 2 ]). Bei den Schwangeren ab BMI ≥ 25 kg/m2 erfüllten 29,9% (n = 314/1049) der reifgeborenen Kinder mindestens ein Makrosomiekriterium.
Aufgrund der von der Vergleichspopulation abweichenden BMI-Verteilung in der Studienpopulation
mit höherer Adipositasrate (BMI ≥ 30 kg/m2 51,1% GemaZ vs. 42,8% Vergleichsgruppe) betrug der Erwartungswert einer Makrosomie
bei Frauen mit BMI ≥ 25 kg/m2 in der GemaZ-Studienpopulation allerdings 31,3% statt 29,9%.
Tab. 2
Makrosomieraten nach Voigt et al. [23 ] in Abhängigkeit des Gestationsalters und des maternalen BMI. Gegenüberstellung der
Geburten der Universitätsfrauenklinik Rostock im Jahr 2020 (Vergleichskohorte) und
des GemaZ-Studienkollektivs. Eingeschlossen sind nur lebendgeborene Einlinge.
Einlinge gesamt
Makrosomie gesamt
Gewicht ≥ 4000 g
Gewicht > 90. Perz. (LGA)
längenbezogenes Gewicht > 90. Perz.
Gewicht > 90. Perz. nach Korrektur mit maternalen Daten
BMI = Body-Mass-Index; GemaZ = „Gesund mal Zwei“-Studie; LGA = Large for Gestational
Age; Perz. = Perzentile; SSW = Schwangerschaftswoche
Vergleichspopulation, Einlinge gesamt
alle SSW
2671
635 (23,7%)
373 (14,0%)
326 (12,2%)
566 (21,2%)
259 (9,7%)
< 37 SSW
180
15 (8,3%)
0 (0%)
12 (6,7%)
15 (8,3%)
9 (5,0%)
≥ 37 SSW
2491
620 (24,9%)
373 (15,0%)
314 (12,6%)
551 (22,1%)
250 (10,0%)
maternale BMI-Klassen
Vergleichspopulation, nur reife Einlinge ≥ 37 SSW
< 25 kg/m2
1442
306 (21,2%)
186 (12,9%)
145 (10,1%)
264 (18,3%)
150 (10,4%)
25–29,9 kg/m2
600
159 (26,5%)
93 (15,5%)
81 (13,5%)
144 (24,0%)
46 (7,7%)
≥ 30 kg/m2
449
155 (34,5%)
94 (20,9%)
88 (19,6%)
143 (31,8%)
54 (12,0%)
≥ 25 kg/m2
1049
314 (29,9%)
187 (17,8%)
169 (16,1%)
287 (27,4%)
100 (9,5%)
GemaZ-Studienkollektiv, Einlinge gesamt
alle SSW
95
20 (21,1 %)
13 (13,7 %)
11 (11,6 %)
15 (15,8 %)
6 (6,3 %)
< 37 SSW
5
1 (20%)
0
1 (20%)
1 (20%)
0
≥ 37 SSW
90
19 (21,1%)
13 (14,4%)
10 (11,1%)
14 (15,6%)
6 (6,6%)
maternale BMI-Klassen
GemaZ-Studienkollektiv, nur reife Einlinge ≥ 37 SSW
< 25 kg/m2
13
4 (30,8%)
3
2
3
2
25–29,9 kg/m2
31
4 (12,9%)
2
2
4
1
≥ 30 kg/m2
46
11 (23,9%)
8
6
7
3
≥ 25 kg/m2
77
15 (19,5%)
10 (13,0%)
8 (10,4%)
11 (14,3%)
4 (5,2%)
Die BMI-unabhängige Gesamtmakrosomierate aller reifgeborener Kinder in der Studie
verfehlte mit 21,1% (n = 19/90; 95%-KI 13,2%–31,0%, p = 0,083) knapp das Signifikanzniveau.
Hingegen lag die Gesamtmakrosomierate bei der Zielgruppe mit prägravidem BMI ≥ 25 kg/m2 und Geburt ≥ 37 SSW mit 19,5% (n = 15/77; 95%-KI 11,3%–30,1%, p = 0,026) signifikant
unterhalb der korrigierten Vergleichsrate ([Abb. 3 ]).
Abb. 3
Relative Makrosomiehäufigkeit reifgeborener Einlinge bei maternalem BMI ≥ 25 kg/m2 an der UFK Rostock im Jahr 2020, nach BMI-Korrektur gemäß BMI-Verteilung in GemaZ
und in GemaZ (mit 95%-KI, Konfidenzintervall).
In der Sensitivitätsauswertung zeigte sich für das Makrosomiekriterium „längenbezogenes
Gewicht > 90. Perzentile“ sowohl für die Gesamtkohorte der Reifgeborenen als auch
für die Subgruppe der Reifgeborenen mit maternalem BMI ≥ 25 kg/m2 eine signifikante Reduktion gegenüber der Vergleichskohorte ([Tab. 3 ]). Bei den übrigen Makrosomiedefinitionen (Geburtsgewicht > 4000 g, Geburtsgewicht
> 90. Perzentile und mütterlich korrigiertes Geburtsgewicht > 90. Perzentile) zeigte
sich eine Verringerung im Trend.
Tab. 3
Häufigkeit einer Makrosomie nach Voigt et al. [23 ] reifgeborener Einlinge der GemaZ-Kohorte im Vergleich zu den BMI-korrigierten Vergleichsraten
der Geburten der UFK Rostock 2020.
Definition
Rate UFK 2020, %
korrigierte Vergleichsrate UFK 2020, %*
Makrosomie in GemaZ, n/N
Punktschätzungsrate, % (95%-KI)
p-Wert
BMI = Body-Mass-Index; KI = Konfidenzintervall; SSW = Schwangerschaftswoche; UFK =
Universitätsfrauenklinik
* Korrektur nach BMI-Verteilung in der GemaZ-Kohorte durch gewichtete Mittelwerte
alle Einlingsgeburten ≥ 37 SSW
15,0
17,9
13/90
14,44 (7,92–23,43)
0,491
12,6
16,1
10/90
11,11 (5,46–19,49)
0,250
22,1
27,2
14/90
15,56 (8,77–24,72)
0,012
10,0
10,3
6/90
6,67 (2,49–13,95)
0,301
24,9
29,8
19/90
21,11 (13,21–30,99)
0,083
nur reife Einlingsgeburten ≥ 37 SSW bei maternalem BMI ≥ 25 kg/m2
17,8
18,7
10/77
12,99 (6,41–22,59)
0,242
16,1
16,1
8/77
10,39 (4,59–19,45)
0,214
27,4
28,7
11/77
14,29 (7,35–24,13)
0,005
9,5
10,3
4/77
5,19 (1,43–12,77)
0,186
29,9
31,3
15/77
19,48 (11,33–30,09)
0,026
Maternale Gewichtsentwicklung und GDM-Prävalenz
Bei der Mehrheit der normalgewichtigen Probandinnen (n = 11/13, 84,6%) war eine physiologische
Gewichtsentwicklung nach Empfehlung des IOM zu verzeichnen. Von den Probandinnen mit
Übergewicht lagen 54,5% (n = 18/33), bei den adipösen Probandinnen 44,9% (n = 22/49)
im empfohlenen Bereich der Gewichtszunahme.
Die Rate exzessiver Gewichtszunahme während der Schwangerschaft nahm mit zunehmender
BMI-Kategorie von 15,4% (Normgewicht) über 45,5% (Übergewicht) bis 55,1% (Adipositas)
kontinuierlich zu ([Tab. 4 ]).
Tab. 4
Gewichtsentwicklung des GemaZ-Kollektivs und GDM-Prävalenz. Einteilung nach BMI-Klassen.
Gewichtszunahme gemäß Empfehlungen des IOM.
alle BMI
n = 95
BMI < 25 kg/m2
n = 13
BMI ≥ 25 kg/m2
n = 33
BMI ≥ 30 kg/m2
n = 49
p-Wert gesamt
BMI = Body-Mass-Index; GDM = Gestationsdiabetes mellitus; IOM = Institute of Medicine
absolute Gewichtszunahme
0,001
4
0
0
4
4
0
1
3
26
3
8
15
22
6
9
7
20
2
8
10
19
2
7
10
Spanne Gewichtsveränderung
+5 bis +18 kg
+4 bis +23 kg
−9 bis +33 kg
Gewichtszunahme nach Empfehlung des IOM
unterhalb bis adäquat
11 (84,6%)
18 (54,5%)
22 (44,9%)
exzessiv
2 (15,4%)
15 (45,5%)
27 (55,1%)
Gestationsdiabetes mellitus
58 (61,1%)
12 (92,3%)
23 (69,7%)
23 (46,9%)
14 (14,7%)
1 (7,7%)
7 (21,2%)
6 (12,2%)
23 (24,2%)
0 (0,0%)
3 (9,1%)
20 (40,8%)
Die GDM-Häufigkeit lag bei 38,9% (n = 37/95) und nahm mit steigender BMI-Kategorie
zu (7,7% vs. 30,3% vs. 53,0%). In gleicher Weise erhöhte sich der relative Anteil
insulinpflichtiger GDM (0% vs. 30% vs. 76,9%).
Evaluation der Fragebogen
Die Teilnahmerate an den Schulungen nahm im Schwangerschaftsverlauf leicht ab und
betrug bei der letzten Schulung 73% (n = 73/99) ([Tab. 1 ]). Nach der 1. Schulung wurde der Evaluationsbogen von 97% (n = 96/99) der Teilnehmerinnen,
nach der 3. von 100% (n = 73) ausgefüllt. Die Qualität der Schulungen wurde überwiegend
als gut bis sehr gut eingeschätzt (Tab. S2 ) (Zusatzmaterial, online). Für 52% stellten die Ernährungshinweise neue Informationen
dar (Tab. S3 ) (Zusatzmaterial, online). Alle Schwangeren, auch die, denen die vorgestellten Details
der ersten Schulung überwiegend bekannt waren, nahmen alltagsrelevante Informationen
aus der Veranstaltung mit. Das Schulungsmaterial wurde fast ausschließlich als nützlich
eingeordnet, und bei 96% (1. Schulung) bzw. 89% (3. Schulung) wurde das Interesse
an Ernährungsfragen über die Beratung hinaus geweckt. Nach der 3. Schulung gaben 97%
der Probandinnen an, die Beratung habe Impulse über die Schwangerschaft hinausgegeben,
weiterhin auf gesunde Ernährung zu achten.
Nach eigener Einschätzung beschäftigten sich 8% der Teilnehmerinnen bisher wenig und
32% nur teilweise mit Ernährung, eine gesunde Ernährung praktizierten nur etwa 27%
bis zur 1. Beratung (Tab. S4 ) (Zusatzmaterial, online). Für 93% der Probandinnen war der Schulungsinhalt gut verständlich,
sie fühlten sich nicht überfordert. Nach der letzten Konsultation nahmen sich 85%
der Frauen vor, sich zukünftig intensiver mit ihrer Ernährung zu beschäftigen. Mehr
als die Hälfte war motiviert, sich zukünftig gesünder zu ernähren (Tab. S4 ) (Zusatzmaterial, online). Die Beratung wurde überwiegend positiv bewertet. 98% der
Probandinnen wünschten sich, dass die Beratungen in die Routinebetreuung von Schwangeren
integriert werden (Tab. S4 ) (Zusatzmaterial, online).
Diskussion
Maternales Übergewicht, Adipositas und exzessive Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
erhöhen das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, eine fetale Makrosomie sowie
kindliche Adipositas mit einer Prädisposition für die Entwicklung von metabolischen
Störungen und chronischen Erkrankungen im späteren Leben [6 ]
[11 ]
[19 ]
[27 ]
[28 ]
[29 ]
[30 ].
Es gibt Hinweise darauf, dass ein ungünstiges intrauterines Überfluss-Milieu den kindlichen
Energiestoffwechsel pränatal prägen und auch langfristig postnatal beeinflussen kann
[17 ]
[19 ]
[20 ]
[31 ]
[32 ]. Eine mögliche Ursache für fetale Makrosomie ist die häufig bei adipösen Frauen
auftretende (prä-)diabetische Stoffwechsellage, die durch eine Insulinresistenz, hohe
maternale Blutglukosespiegel und einen gesteigerten plazentaren Glukosetransport charakterisiert
ist [33 ]. In der HAPO-Studie wurde bei über 23000 Mutter-Kind-Paaren dokumentiert, dass bereits
moderat erhöhte mütterliche Blutzuckerwerte im 75 g oralen Glukosetoleranztest zwischen
24 und 32 SSW zu einem Anstieg der Prävalenz an LGA-Kindern führen [10 ]. Ein hoher prägravider BMI führte in einer prospektiven Studie nicht nur zu einer
Erhöhung des kindlichen BMI und Gesamtkörperfetts, sondern war auch mit veränderten
Stoffwechselparametern im Alter von 6–10 Jahren assoziiert. Dazu gehörten u. a. eine
Zunahme der Insulinresistenz und des Leptinspiegels [16 ].
Anhand zahlreicher, zum Teil großer randomisiert kontrollierter Studien wurde untersucht,
inwieweit durch Lebensstilberatung beziehungsweise Ernährungsumstellung dieser Zusammenhang
positiv beeinflusst werden kann [34 ]
[35 ]
[36 ]. Metaanalytisch lässt sich zusammenfassend feststellen, dass durch diese Maßnahmen
die Erwartungen überwiegend nicht erfüllt werden konnten [37 ]
[38 ]. Am ehesten war noch die intragravide Gewichtszunahme beeinflussbar. Hinsichtlich
der neonatalen Geburtsgewichte, der Makrosomieraten sowie einer neonaten Adipositas
waren keine Effekte festzustellen [38 ]. Eine Metaanalyse untersuchte die Follow-up-Daten zur kindlichen Entwicklung im
Alter von einem Monat bis 7 Jahren und konnte keinen Einfluss auf die Gewichts- und
BMI-Entwicklung in Abhängigkeit einer Lebensstilintervention während der Schwangerschaft
feststellen [39 ]. Zu einem gleichen Ergebnis kam auch eine Metaanalyse auf Grundlage individueller
Teilnehmerdaten mit einem Follow-up zwischen 3 und 5 Jahren (6 Studien mit n = 2529)
bei Schwangeren mit BMI ≥ 25 kg/m2 , die randomisiert einer Diät- und/oder Lebensstilintervention oder der Standardbetreuung
zugewiesen wurden [40 ]. Rund 30% der Kinder zeigten in diesem Alter einen BMI-Standardwert über der 90.
Perzentile unabhängig von der durchgeführten Intervention. Langzeitergebnisse der
LIMIT-Studie mit bis zu 10 Jahren Nachbeobachtung bestätigen die hohe Rate an Übergewicht
und Adipositas der Kinder in dieser Risikokohorte sowie einen fehlenden Effekt durch
die Lebensstilintervention während der Schwangerschaft [41 ]. Sowohl präkonzeptionelle Faktoren, wie das Alter und der Ausgangs-BMI der Schwangeren,
als auch prä- und postnatale Faktoren, wie die Nahrungsverfügbarkeit für den Fetus,
die maternale Gewichtsentwicklung und körperliche Aktivität bis zur Geburt, die Stillrate
und -dauer, sowie das Verhältnis zwischen Energiezufuhr und Energieumsatz im weiteren
Lebensalter dürften hierfür relevant sein. Eine allein auf die Schwangerschaft begrenzte
Intervention scheint daher nicht ausreichend zu sein [42 ]
[43 ].
Generell problematisch sind die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Empfehlungen
zur Steigerung der körperlichen Aktivität. Trotz vergleichsweise hoher Motivation
gilt dies auch während der Schwangerschaft, wo unter Studienbedingungen Adhärenzraten
von lediglich 50% beschrieben wurden [44 ].
Im Rahmen des Kooperationsprojekts „Gesund leben in der Schwangerschaft“ (GeliS) wurde
die Möglichkeit einer Gesundheitsberatung in der Routineversorgung Schwangerer in
Deutschland evaluiert. Untersucht wurde die maternale Gewichtszunahme bei 1152 Schwangeren
der Interventionsgruppe (3-malige Gesundheitsberatung) im Vergleich zu 1134 Teilnehmerinnen
der Vergleichsgruppe (übliche Betreuung nach Mutterschaftsrichtlinien). Die Lebensstilberatung
führten zuvor geschulte Frauenärzte, Hebammen und Medizinische Fachangestellte durch,
zertifizierte Ernährungsberater waren nicht involviert [36 ]. Unter den Bedingungen der Routineversorgung gelang die Teilnahme an den 3 Schulungen
adhärent mit > 90% der Schwangeren. Die Analyse der umgesetzten Diätmaßnahmen zeigte
jedoch, dass die Gesamtenergieaufnahme trotz punktueller Ernährungsumstellungen durch
die Beratung nicht reduziert werden konnte [45 ]. Die Erwartungen an eine Reduktion des Geburtsgewichts durch Umsetzung einer gesunden
Ernährung wurde nicht erfüllt [46 ]. Allerdings bestand ein Zusammenhang zwischen Umsetzung der körperlichen Aktivitätsempfehlungen
und einem reduzierten Geburtsgewicht [47 ]. Wird die maternale Gewichtszunahme in der GeliS-Studie mit der in der GemaZ-Studie
verglichen, so lag in der Gruppe der adipösen Teilnehmerinnen die Rate exzessiver
Gewichtszunahme in der GemaZ 9% niedriger als im Interventionsarm der GeliS-Studie
[36 ]. In der GemaZ-Studie wurde der Einfluss einer 3-maligen qualifizierten Ernährungsberatung
in der Schwangerschaft auf die Entwicklung der neonatalen Gesamtmakrosomierate und
im Einzelnen nach den 4 verschiedenen Kriterien untersucht. Den Probandinnen wurde
theoretisches Wissen zur mütterlichen Ernährung, schwangerschaftsspezifischen Aspekten
der Stoffwechselregulation und Zusammenhängen mit dem intrauterinen kindlichen Wachstum
vermittelt. Ebenso waren praktische Empfehlungen zu Ernährung und körperlicher Aktivität
Schulungsinhalt. 73,7% der Probandinnen nahmen noch an der 3. Ernährungsberatung teil
([Tab. 1 ]). Die Beratung wurde überwiegend positiv bewertet und die Aufnahme in die Regelversorgung
befürwortet.
In GemaZ konnte die neonatale Gesamtmakrosomierate bei den Probandinnen der BMI-Klasse
≥ 25 kg/m2 bei reifgeborenen Einlingen gegenüber der Vergleichskohorte gesenkt werden ([Tab. 3 ]). Aufgrund der gewählten Makrosomiedefinition in der GemaZ-Studie ist ein Vergleich
mit anderen Studien schwierig. Die Analyse der einzelnen Makrosomiedefinitionen zeigte,
dass der Effekt maßgeblich auf eine Reduktion des Anteils der Kinder mit einem längenbezogenen
Geburtsgewicht > 90. Perzentile zurückzuführen war. Bei den übrigen Makrosomiedefinitionen
war eine Häufigkeitsabnahme lediglich im Trend zu beobachten. Die Verwendung des längenbezogenen
Geburtsgewichts, das Analogien zum BMI aufweist, ist als Makrosomiekriterium möglicherweise
am sensitivsten und damit für interventionelle Studien geeignet, bisher allerdings
wenig gebräuchlich. Auffällig ist der hohe Anteil an makrosomen Kindern bei Verwendung
dieses Kriteriums, wobei die prognostische Bedeutung für die spätere kindliche Entwicklung
aufgrund fehlender Studien unklar bleibt.
Die Studie weist eine Reihe von Limitationen auf. Aufgrund der zögerlichen Rekrutierung
der Schwangeren blieb die Fallzahl deutlich hinter dem Planungsziel zurück, sodass
die Untersuchung als unterpowert zu bewerten ist. Die Öffnung des Studienprotokolls
für normalgewichtige Frauen vermindert die Aussagekraft der Ergebnisse zusätzlich.
Die Ursachen für die schlechte Rekrutierung wurden nicht weiter untersucht, dürften
aber zumindest teilweise auf die COVID-19-Pandemie zurückzuführen sein. Unter Berücksichtigung
der schwierigen Rekrutierungsbedingungen ist davon auszugehen, dass die Studienpopulation
eine Gruppe hochmotivierter Frauen umfasst. Dieser Aspekt dürfte zu dem positiven
Ergebnis der Studie beigetragen haben. Eine direkte Übertragung auf eine nicht selektionierte
Population ist daher nicht möglich. Durch das einarmige Design der Studie wird die
Interpretation der Ergebnisse weiter erschwert. Nichtsdestotrotz unterstützen die
vorliegenden Ergebnisse die Sinnhaftigkeit einer Lebensstilintervention bei Risikopatientinnen
mit entsprechender Motivation.
Schlussfolgerung
Mittels gezielter Ernährungsberatung in der Schwangerschaft scheint eine Reduktion
der Gesamtmakrosomierate reifgeborener Einlinge bei Frauen mit BMI ≥ 25 kg/m2 sowie BMI-unabhängig der Rate an Kindern mit einem längenbezogenen Geburtsgewicht
über der 90. Perzentile möglich zu sein. Mit dem Ziel der primären Adipositasprävention
sollten qualifizierte Ernährungsberatungen obligatorischer Bestandteil der Schwangerschaftsbetreuung
sein. Unter Berücksichtigung der aktuellen Studienlage sollten Lebensstilinterventionen
bereits präkonzeptionell beginnen und müssen langfristig bei Mutter und Kind fortgeführt
werden.
Supplementary Material
Tab. S1 : Makrosomierate reifer Neugeborener in % nach prägravidem BMI der Mutter. Anteil
makrosomer reifer Einlinge abhängig vom prägraviden maternalen BMI und die Gesamtmakrosomierate
in den Jahren 2014 und 2017–2020.
Tab. S2 : Evaluierung der Beratungsqualität nach 1. Schulung und 3. Schulung.
Tab. S3 : Evaluierung des Beratungsinhalts nach 1. Schulung und 3. Schulung.
Tab. S4 : Persönliche Angaben nach 1. Schulung und 3. Schulung.
Abb. S1 : Beispiel einer Neugeborenenklassifikation (Daten aus Voigt M et al. [23 ]). In die Klassifikation fließen neben dem Gestationsalter kindliche und maternale
biometrische sowie geschlechtsspezifische Faktoren ein.