Diabetologie und Stoffwechsel 2025; 20(S 02): S234-S243
DOI: 10.1055/a-2592-8139
DDG-Praxisempfehlung

Diabetes mellitus im Alter

Authors

  • Andrej Zeyfang

    1   Klinik für Innere Medizin, Altersmedizin und Diabetologie, medius Klinik Ostfildern-Ruit, Ostfildern, Deutschland (Ringgold ID: RIN60856)
  • Jürgen Wernecke

    2   Medizinisch-geriatrische Klinik, Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg, Hamburg, Deutschland
  • Anke Bahrmann

    3   Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, UniversitätsKlinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland (Ringgold ID: RIN27178)

10.1055/a-2312-1137

Aktualisierungshinweis

Die DDG-Praxisempfehlungen werden regelmäßig zur zweiten Jahreshälfte aktualisiert. Bitte stellen Sie sicher, dass Sie jeweils die neueste Version lesen und zitieren.

Inhaltliche neuerungen gegenüber der Vorjahresfassung

Neuerung: Ergänzung Empfehlung zu wöchentlichen Insulinen, renale Effekte von GLP-1-RA

Begründung: Neu auf dem Markt verfügbar, FLOW-Study

Aufgrund der guten medizinischen Versorgung in Deutschland erreichen inzwischen viele Menschen mit Diabetes mellitus ein hohes Alter: Von den etwa 340000 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes sind mehr als 100000 Betroffene über 70 Jahre alt. Unter den etwa 8 Millionen Betroffenen mit Typ-2-Diabetes gehört ein Viertel der Altersgruppe der über 75-Jährigen an und etwa eine Million ist über 80 Jahre alt [1].

Bundesweit gibt es insgesamt etwa 630000 pflegebedürftige Personen mit Diabetes mellitus. Die Aussagen der Praxisempfehlungen richten sich vorwiegend an die Mehrheit der älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes und können nur einen Teil der Besonderheiten des alten Menschen mit Diabetes wiedergeben. Themen wie Typ-1-Diabetes im Alter, End of Life, Schnittstellenmanagement oder Ethik sind in der kompletten S2k-Leitlinie behandelt.

Der geriatrische Patient ist definiert durch Multimorbidität und ein höheres Lebensalter. Alterstypische Funktionseinschränkungen und eine hohe Vulnerabilität erzeugen besonderen Handlungsbedarf, der über die Blutglukoseeinstellung und das Management kardio-vaskulärer Risikofaktoren oder diabetestypischer Komplikationen hinausgeht. Für eine differenzierte Therapieplanung sollten ältere Patienten in funktionelle Gruppen eingeteilt werden ([Tab. 1]).

Tab. 1 Einteilung in funktionelle Gruppen.

Patientengruppe

Patientenbeschreibung

funktionell unabhängig

ältere Menschen mit Diabetes mellitus und gutem funktionellem Status. Patienten mit geringer Komorbidität, allenfalls geringer kognitiver Einschränkung und guten Kompensationsmöglichkeiten

funktionell leicht abhängig

ältere Menschen mit Diabetes mellitus und eingeschränktem funktionellem Status. Patienten mit Multimorbidität, funktionellen und kognitiven Einschränkungen sowie geriatrischen Syndromen

funktionell stark abhängig

ältere Menschen mit Diabetes mellitus und extrem eingeschränktem funktionellem Status oder terminal erkrankte Menschen. Patienten mit Multimorbidität, geriatrischen Symptomen, ausgeprägten funktionellen und kognitiven Einschränkungen und Vorliegen von Erkrankungen mit limitierter Lebensprognose, z.B. terminale Herz-, Nieren- oder maligne Erkrankungen

End of Life

Menschen, die sich in der unmittelbaren Sterbephase befinden.

Zur Feststellung der Ressourcen und Defizite (Einteilung in funktionelle Gruppen) soll ein geriatrisches Assessment durchgeführt werden (Praxistool 1, siehe [Tab. 3]).



Publication History

Received: 26 June 2025

Accepted: 07 July 2025

Article published online:
24 December 2025

© 2025. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany