Dtsch Med Wochenschr 2025; 150(20): 1183-1184
DOI: 10.1055/a-2629-9593
Aktuell publiziert

Kommentar zu „Statine reduzieren Risiko für hepatozelluläre Karzinome“

Authors

    Contributor(s):
  • Robert Thimme

10.1055/a-2629-9558

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die potenzielle Bedeutung der Statine zur Verhinderung eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) sowie zur Verlangsamung der Progression einer Leberfibrose bei Patienten mit chronischer Leber-Erkrankung. Überraschend sind diese Resultate nicht, da ein chemopräventiver Effekt von Statinen bereits in früheren Studien, etwa bei Patienten mit chronischer HCV-Infektion oder MASLD, gezeigt werden konnte.

Die besondere Stärke dieser Arbeit liegt aber in der Zusammensetzung des Patientenkollektivs: Es handelt sich um eine heterogene Population, die nicht auf eine bestimmte Ätiologie der Leber-Erkrankung beschränkt ist. Zudem basiert die Analyse auf Daten eines umfangreichen Krankenhaus-Registers aus 10 Kliniken und reflektiert somit die Versorgungsrealität unter Alltagsbedingungen.

Hervorzuheben und im Einklang mit der Literatur ist, dass der präventive Effekt von Statinen offenbar nicht nur von der Therapiedauer abhängt – je länger die Einnahme, desto ausgeprägter der Nutzen –, sondern auch vom Statintyp. Wie bereits in anderen Untersuchungen gezeigt, scheinen lipophile Statine eine stärkere Wirkung zu entfalten als hydrophile, was möglicherweise auf eine effizientere Aufnahme in Hepatozyten zurückzuführen ist.

Die antifibrotische Wirkung der Statine ist bislang nur unzureichend verstanden. Experimentelle Studien deuten auf eine Hemmung pro-fibrogener Zytokine wie TGF-β, eine Verbesserung der Mikrozirkulation sowie eine Reduktion des Prokollagens-1 als potenzielle Mechanismen hin. Weitere Studien sind notwendig, um den definitiven Wirkmechanismus aufzuklären.

Wie bei Studien auf Grundlage von Registerdaten üblich, bestehen auch bei dieser Studie Limitationen. Dazu zählen mögliche Verzerrungen durch nicht erhobene Variablen wie den sozioökonomischen Status der Teilnehmenden, den Einfluss begleitender Therapien der chronischen Leber-Erkrankung oder die allein auf dem FIB-4-Score basierende nicht invasive Fibrose-Beurteilung.

Trotzdem stärken die Ergebnisse – im Einklang mit der aktuellen Literatur – die Annahme, dass Statine einen chemopräventiven Nutzen im Hinblick auf HCC über die Verhinderung eines Fibrose-Fortschritts entfalten könnten. Dies ist klinisch relevant: Bei entsprechender Indikation sollte eine Statintherapie auch bei bestehender Leberfibrose in Betracht gezogen werden – wie es auch bereits in europäischen Leitlinien empfohlen wird. Und definitiv sollte eine laufende Statintherapie aus Sorge vor Nebenwirkungen bei Personen mit Leberzirrhose nicht beendet werden. Die vorliegende Studie liefert eine zusätzliche Evidenzbasis zur Unterstützung dieses Vorgehens.

Hinweis

Dieser Artikel wurde gemäß des Erratums vom 02.12.2025 geändert.

Erratum

Im oben genannten Artikel war die Aussage zur Typ-abhängigen Wirkung von Statinen nicht korrekt. Korrekt ist: Lipophile Statine scheinen eine stärkere Wirkung zu entfalten als hydrophile. Die Korrektur wurde in der Onlineversion des Artikels ausgeführt am: 02.12.2025.



Publication History

Article published online:
29 September 2025

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