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DOI: 10.1055/a-2707-9026
Prochlorperazinmaleat eine neue Option zur medikamentösen Prophylaxe der AMS? - Medikamentöse Prophylaxe der akuten Höhenkrankheit
Authors
Akute Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness, AMS) tritt oft bei schnellem Erreichen großer Höhen (ein Schwellenwert existiert nicht) auf und äußert sich u. a. durch Kopfschmerz, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit. Die bisher am meisten verwendete pharmakologische Prophylaxe ist Acetazolamid. Die Substanz hat allerdings Nebenwirkungen und wird nicht immer toleriert. Small et al. untersuchten, ob Prochlorperazin das Auftreten von AMS bei nicht akklimatisierten Personen nach schnellen Aufstiegen reduziert und somit ebenfalls als pharmakologische AMS-Prophylaxe eingesetzt werden könnte.
In der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie nahmen Erwachsene ≥ 18 Jahre teil. Diese waren nicht akklimatisiert (Schlafhöhe unter 1800 m in den 2 Wochen vor Studienbeginn sowie ohne bestimmte Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme, die interferieren könnten). Der schnelle Aufstieg erfolgte mit dem Fahrzeug von etwa 1900 auf 3900 m mit anschließender Wanderung zum Gipfel des Mount Blue Sky (4348 m) und Übernachtung dort.
Die Medikamenten-Gruppe erhielt 3-mal täglich für 24 h Prochlorperazinmaleat 10 mg oral. Bewertungen für ein Vorliegen von AMS erfolgten abends nach dem Aufstieg und am folgenden Morgen mit dem Lake Louise Questionnaire 2018 (LLQ). Primärer Endpunkt: Vorliegen von AMS definiert als LLQ-Score ≥ 3 inkl. Kopfschmerz zu einem der beiden Zeitpunkte. Sekundäre/explorative Endpunkte waren u. a. moderates AMS, Rohwerte des LLQ, Schlafqualität, Vitalparameter, Nebenwirkungen.
Geplant waren 62 Teilnehmende, um eine absolute Risikoreduktion deutlich über dem mit Acetazolamid erreichbaren Niveau nachzuweisen. Tatsächlich wurden 56 Personen analysiert, je 28 in beiden Gruppen. Von den 56 Teilnehmenden (25 Frauen/31 Männer; Durchschnittsalter ~39 Jahre, IQR 28–49) waren 28 (50 %) von AMS betroffen. In der Placebo-Gruppe betrug die AMS-Inzidenz 64 %, in der Medikamenten-Gruppe 36 %. Der Unterschied war statistisch knapp über dem Signifikanzniveau: P = 0,06. Absolute Risikoreduktion: etwa 28,6 %. Number Needed to Treat (NNT): 4. Odds Ratio (OR): 0,28 (95 % CI 0,11–0,94). Es gab keine schweren Nebenwirkungen; Unterschiede in üblichen Nebenwirkungen (z. B. Müdigkeit) waren nicht signifikant zwischen den Gruppen.
Publication History
Article published online:
05 December 2025
© 2025. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany
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Literatur
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