Aktuelle Dermatologie 2026; 52(01/02): 18
DOI: 10.1055/a-2719-3940
Interview

Die Dermatologie fasziniert

Priv.-Doz. Dr. med. Laura Susok im Gespräch mit Prof. Dr. med. Dorothée Nashan
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Prof. Dr. med. Dorothée Nashan

Warum haben Sie die Dermatologie als Fachgebiet gewählt?

Nach 3 Jahren Forschung im Max-Planck-Institut für Reproduktionsmedizin in Münster, unter der Leitung von Prof. Eberhard Nieschlag, war die Forschungsorientierung in der Dermatologie sichtbar attraktiv. Es gab ein Stellenangebot von Prof. Egon Macher und Prof. Thomas Luger. 1990 wechselte ich in die Hautklinik der Universität Münster.

Sind Sie mit Ihrer Wahl zufrieden und warum?

Ja, glücklich – und immer noch und immer wieder fasziniert.

Sie haben in Ihrer Karriere viel erreicht. Worauf sind Sie besonders stolz?

Karriere fühlt sich so strebsam, zielorientiert an; es war mehr ein Werdegang, der von sehr geschätzten Kolleginnen und Kollegen unterstützt wurde.Als Beispiele seien der fachliche Input von Dr. Gisela Bonsmann und Prof. Heiko Traupe, die Ermutigungen von Prof. Thomas Luger, das Erlernen einer Klinikführung von Frau Prof. Bruckner-Tudermann in Freiburg und mein Rückhalt in Dortmund von Seiten Dr. Ulrike Beitekes genannt. Es waren die Freunde/innen wie Sonja Ständer und Cord Sunderkötter, die meiner Tochter Rebecca in der Hautklinik Münster ein zu Hause gaben. Mit dem Back-up auch insbesondere meiner Eltern konnte ich immer fulltime durchhalten. Das macht mich stolz.

Welcher Fall ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Ich habe immer noch die gebastelte Tigerente eines kleinen Mädchens, das in den 1990er-Jahren am metastasierten Melanom verstorben ist. Der Wunsch, in der Onkologie mein Bestes zu geben und zu leisten, blieb.

Von wem haben Sie besonders viel gelernt?

Oben habe ich einzelne Personen genannt. Lernen wollen ist entscheidend; die Namensliste wäre unendlich, denn auch durch die Pflege, Verwaltungsangestellte, schlicht Personen mit Expertise entstanden kleine Bausteine des großen Ganzen. Ein Malik-Führungsmanagement, St. Gallen, welches mir von der Universitätsklinik Freiburg angeboten wurde, war eine tolle gewinnbringende Erfahrung und hat mir gezeigt, dass derartige Skills das Leben erleichtern.

Was war der beste Rat, den Sie während Ihrer Karriere erhalten haben?

Eindeutig ein Rat meiner Tochter: Frau Prof. Leena Bruckner-Tuderman fragte mich, ob ich während ihrer Forschungsfreistellung Stellvertreterin für ihre W3-Professur im Rahmen der Klinikleitung sein möchte. Nachdenklich, mit der Frage befasst, ob ich das kann, kam ich heim. Meine Tochter fragte nur kurz und knapp: Möchtest du, dass ein anderer Kollege dein Chef wird? Antwort: Nein. Na also, dann mach’ es.

Was ist momentan die wichtigste Entwicklung in der Dermatologie?

Herausragend ist die laufende Umstrukturierung der Dermatologie von der herkömmlichen, klinisch beschreibenden Nomenklatur der Dermatosen in eine neue, funktionsorientierte Klassifikation. Zudem werden mit Hilfe der KI eine bessere Übersicht in Forschungsfragen und gezieltere experimentelle Planungen möglich. In Folge werden sich auch individualisierte Therapien weiter verbessern.

Wo sehen Sie die Zukunft der Dermatologie?

Im internationalen Vergleich deckt die Dermatologie in Deutschland ein immenses Leistungsspektrum ab. Es wäre schön, wenn wir diese ganzheitliche Versorgung auf höchstem Niveau halten und weiter entwickeln können. Dazu sehe ich die Ausbildung in Klinik und Praxis als besonders relevant.

Was raten Sie jungen Kollegen/innen?

Sich die Dermatologie anzuschauen, mitzumachen – eine nur in wenigen Fächern vorliegende Ausgewogenheit von Klinik, Handwerk wie Operationen und Forschung bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten. Herausforderungen sind anzugehen, Angebote anzunehmen und schwierige Situationen sind mit Ausdauer zu meistern; das sichert und befähigt für die berufliche Zukunft, in der auch Teilzeitstellen Zeit für die Familie lassen.

Was machen Sie nach Feierabend als Erstes?

Den Abend feiern? Im Berufsleben war es häufig nachlesen, an einer Publikation arbeiten, einen Kongressbeitrag vorbereiten. Durch die Mitarbeit in der Praxis meines Mannes bleibt Zeit für die Kunst und das Reisen.



Publication History

Article published online:
19 February 2026

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