Aktuelle Urol
DOI: 10.1055/a-2782-4994
Übersicht

Sachverständigenausschuss gegen den OTC-Switch von Sildenafil. Gut so! Wirklich? Eine differenzierte Betrachtung.

Expert Committee on Prescription Requirements against an OTC Switch for Sildenafil. A Good Decision! Really? A Nuanced Perspective.

Authors

  • Tobias Jäger

    1   Urology, UPK Essen, Essen, Germany

Zusammenfassung

Mit Beschluss vom 21. Januar 2025 hat der Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht (SVA) in seiner 90. Sitzung mehrheitlich den Antrag abgelehnt, Sildenafil 25 mg und Sildenafil 50 mg zur oralen Anwendung aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. In ihrem Statement vom 22. Januar 2025 begrüßt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. diese Entscheidung. „Die ungeprüfte Einnahme durch den freien Zugang zu dem Wirkstoff birgt relevante Risiken, die nur durch die ärztliche Verordnung erkannt und vermieden werden können. Ärztliche Beratung und Untersuchung können Kontraindikationen wie Hypotonie, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung oder bestimmte Augenerkrankungen ausschließen sowie Risiken und Begleiterkrankungen des individuellen Patienten und deren Behandlungsbedürftigkeit erkennen. So ist der Hauptgrund für die Einnahme von PDE-5-Hemmern wie Sildenafil eine Erektionsstörung, die wissenschaftlich nachgewiesen ein Frühwarnsymptom für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt und deshalb diagnostisch abgeklärt werden muss. (…) Mit dem aktuellen Votum für den Erhalt der Verordnungspflicht setzt das Gremium erneut das richtige Signal für das Patientenwohl.“ (Pressemitteilung der DGU vom 22.01.2025) Eine zunächst nachvollziehbare Argumentation. Berücksichtigt diese Sichtweise aber wirklich alle Facetten im Zusammenhang mit der Verwendung von PDE-5-Inhibitoren und deren Bezug?

Abstract

By resolution of January 21, 2025, the Expert Committee on Prescription Requirements (SVA), at its 90th meeting, rejected by majority vote the application to exempt Sildenafil 25 mg and Sildenafil 50 mg for oral use from prescription requirements. In its statement dated January 22, 2025, the German Society of Urology (DGU) welcomed this decision. ”Unregulated intake due to unrestricted access to the active substance carries significant risks that can only be identified and avoided through medical prescription. Medical consultation and examination can rule out contraindications such as hypotension, severe cardiovascular disease, or certain eye conditions, and can also help to identify patient-specific risks, comorbidities, and the need for treatment. The primary reason for taking PDE-5 inhibitors like Sildenafil is erectile dysfunction, which has been scientifically proven to be an early warning sign of cardiovascular disease and must therefore be diagnostically evaluated. (…) With its current vote to maintain the prescription requirement, the committee once again sends the right signal for patient well-being.“ (Press release by DGU, January 22, 2025.) At first glance, this appears to be a reasonable argument. But does this perspective truly take into account all aspects related to the use of PDE-5 inhibitors and their availability?

Fazit für die Praxis

Der Bezug eines über die Apotheken frei verkäuflichen PDE-5-Hemmers kann einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der betroffenen Männer leisten. Durch die Beratung und Empfehlung in der Apotheke kann eine Überführung der Männer in die ärztliche Versorgung gelingen. Hierdurch können gesundheitliche Risiken und die einer ED zugrunde liegenden Erkrankungen frühzeitig erkannt werden, so wie wir es als Urologen und Andrologen traditionell fordern und empfehlen. Gleichzeitig überlassen wir unsere Patienten nicht einem Schwarzmarkt, über den Männer Pillen fragwürdiger Herkunft beziehen, deren Inhaltsstoffe vollkommen ungeprüft sind und erhebliches Potenzial haben, gesundheitliche Schäden anzurichten. Ein zunächst regional beschränktes Pilotprojekt könnte Klarheit zur Frage schaffen, ob die im Ausland gesammelten Erfahrungen im Zusammenhang mit einem OTC-Switch auf Deutschland übertragbar sind.



Publication History

Received: 25 July 2025

Accepted: 16 December 2025

Article published online:
20 January 2026

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