Dialyse aktuell 2008; 12(5): 316
DOI: 10.1055/s-0028-1084998
Interview

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Erfahrungen aus dem klinischen Alltag - Der erste Calcineurininhibitor mit einmal täglicher Gabe

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Publication Date:
06 August 2008 (online)

 
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    Die medikamentöse Therapie nach einer Transplantation ist umfangreich - daher nutzen Nephrologen gerne jede sich bietende Möglichkeit, Tabletten einzusparen. Denn warum soll der Patient zweimal täglich ein Medikament einnehmen, wenn es auch mit einer einmal täglichen Gabe geht? Seit letztem Herbst setzt Dr. Thomas Rath, leitender Arzt der Abteilung für Nephrologie und Transplantationsmedizin am Klinikum Kaiserslautern, das Immunsuppressivum Advagraf® (Tacrolimus mit verlängerter Wirkstofffreisetzung) zur einmal statt zweimal täglichen Gabe ein. Hat diese Tacrolimus-Formulierung die Bewährungsprobe im klinischen Alltag aus ärztlicher Sicht bestanden und wie kommen die Patienten damit zurecht? Der Nephrologe hat mit uns über seine Erfahrungen gesprochen.

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    Thomas Rath

    ? Bei welchen Patienten haben Sie die neue Formulierung des Calcineurininhibitors Tacrolimus mit verlängerter Wirkstofffreisetzung zur Einmaldosierung bisher eingesetzt?

    Dr. Thomas Rath: Da man sich an ein neues Medikament immer auch ein wenig "herantasten" muss, haben wir zunächst nur Patienten in der Transplantationsnachsorge behandelt, die auf die klassische Tacrolimus-Formulierung zur Zweimalgabe (Prograf®) eingestellt waren und einen stabilen Verlauf hatten. Mittlerweile bekommen bei uns die frisch Transplantierten nur noch die ersten Tage Prograf® - da am Anfang mehr Dosisanpassungen notwendig sein können, bietet die zweimal tägliche Dosierung unter Umständen einen leichten Vorteil. Danach werden alle Patienten dann automatisch auf Advagraf®, die Tacrolimus-Formulierung mit verlängerter Wirkstofffreisetzung, umgestellt.

    ? Konnten Sie in den ersten Monaten der klinischen Anwendung zwischen den beiden Formulierungen Unterschiede bei der Wirksamkeit und Verträglichkeit feststellen?

    Rath: Nein. Die retardierte Tacrolimus-Formulierung ist genauso wirksam und genauso gut verträglich wie die klassische Formulierung zur Zweimalgabe. Wir bemerken keinerlei Verschlechterung der Nierenfunktion, auch was die Nebenwirkungen betrifft unterscheiden sich die beiden Medikamente nicht.

    ? Welchen Vorteil bietet aus Ihrer Sicht die Einmalgabe Ihnen und Ihren Patienten?

    Rath: Umso einfacher das Therapiekonzept ist, umso besser ist es natürlich. Wenn wir die Patienten fragen, wie sie mit dem neuen Medikament zurechtkommen, erhalten wir ein durchweg positives Echo. Viele begrüßen die einfacheren Einnahmemodalitäten.

    Wie man mittlerweile weiß, ist eine Einmalgabe ausgesprochen förderlich für die dauerhafte Therapietreue - die medikamentöse Compliance. Mithilfe einer Patientenbefragung im letzten Herbst haben wir die Risikosituation für Non-Compliance herausgearbeitet und mussten feststellen, dass ein ordentlicher Prozentsatz der Patienten gefährdet ist, non-compliant zu sein. Unserer Meinung nach ist die Akzeptanz eines Medikaments, das nur einmal täglich genommen werden muss, deutlich höher. Dies verbessert die Compliance und erhöht damit im Endeffekt natürlich auch die Langzeitfunktionsraten der Transplantate.

    Für das medizinische Personal ist dieser Aspekt in der ambulanten Nachsorge eher von untergeordneter Bedeutung und auch in der stationären Betreuung spielt es keine relevante Rolle, ob abends noch eine Tablette mehr hergerichtet werden muss. Der Hauptvorteil liegt definitiv auf Patientenseite.

    ? Was ist bei der Neu-Einstellung bzw. Umstellung von der klassischen auf die retardierte Formulierung zu beachten? Wie wird die Initialdosis bestimmt und wie erfolgt die Dosisanpassung?

    Rath: Wir orientieren uns an der Tagesdosis, die der Patient vor der Umstellung eingenommen hat. Angenommen, die Tagesdosis Prograf® lag bei 8 mg - 4 mg am Morgen und 4 mg am Abend - dann bekommt er am nächsten Tag 8 mg Advagraf® als Einmaldosis morgens verabreicht. Wir kontrollieren dann, wie üblich, ein paar Tage später den Spiegel und passen bei Bedarf die Dosis an.

    Im Prinzip funktioniert diese 1:1-Umstellung vom einen auf den anderen Tag. Wir haben nicht den Eindruck, dass wir bei der Umstellung mehr oder weniger geben müssen. Natürlich sind in der frühen Phase nach Transplantation Dosisanpassungen häufiger, weil sich der Körper erst mit den Medikamenten sättigen muss und unter Umständen auch noch Umstellungen innerhalb des Körpers stattfinden, wenn Begleitmedikationen vorliegen. Im Langzeitverlauf sind die Tagesdosen bei den meisten Patienten sehr stabil.

    ? Wie beurteilen Ihre Patienten die neue Möglichkeit der Einmalgabe und wo sehen Sie konkrete Vorteile?

    Rath: Die Patienten sind mit der Einmalgabe sehr zufrieden. Sie sagen, es sei einfacher und leichter, diese in den Tagesablauf zu integrieren. Zwischen der Morgen- und der Abendeinnahme sollten ja im Idealfall ziemlich genau zwölf Stunden liegen - mit einer gewissen Toleranz: Wenn sie morgens um sieben eine Tablette einnehmen, müssen sie abends um sieben die nächste Tablette einnehmen. Oft ist man aber unterwegs oder vergisst es einfach. Da ist es einfacher, nur einmal morgens, zum Beispiel beim Zähneputzen, daran denken zu müssen. Den konkreten Vorteil sehe ich darin, dass man mit einer leichteren Einnahme die Therapietreue des Patienten erhöhen kann - und eine bessere Einnahmequalität heißt im Endeffekt eine bessere und längere Transplantatfunktion.

    ! Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Rath.

    Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der Astellas Pharma GmbH, München

     
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    Thomas Rath