Bereits der Name „Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin” bringt
den Stellenwert der Beatmungsmedizin in der DGP unmissverständlich zum Ausdruck. Die
wachsende Bedeutung der Beatmungsmedizin wird auch durch die Versorgungsrealität unterstrichen:
In den vergangenen 15 – 20 Jahren haben sich immer mehr pneumologische Kliniken und
Abteilungen auf die schwierige Entwöhnung vom Respirator (Weaning) spezialisiert.
Die DGP sieht es als ihre Aufgabe an, die Qualität dieser Weaningzentren zu sichern.
Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2007 eine elfköpfige Arbeitsgruppe „Weaningzentren”
gegründet. Die Aktivitäten der Arbeitsgruppe konzentrierten sich auf die Entwicklung
eines Registers der Weaningpatienten und auf das Akkreditierungsverfahren für Weaningzentren.
An dieser Stelle möchten wir den Experten der AG ausdrücklich danken für ihre große
Unterstützung.
Nach einem Jahr Entwicklungszeit und zwei aufwendigen Testphasen mit den in der AG
vertretenen Weaningzentren nahm das Weaning-Register im Januar 2009 seinen regulären
Betrieb auf. Schon wenige Tage nach dem Start haben sich mehr als 20 Weaningzentren
zur Teilnahme registrieren lassen.
Das Weaning-Register erfasst Patienten, die nach mindestens 7 Tagen Langzeitbeatmung
schwierig zu entwöhnen sind und/oder zur Respiratorentwöhnung in ein spezielles Weaningzentrum
verlegt wurden. Entsprechend der Erhebung der DGP aus dem Jahr 2007 betrifft dies
mindestens 3000 Patienten jährlich. Der Datensatz umfasst anamnestische und diagnostische
Daten, Angaben zu Dauer und Verlauf der Beatmung, zum Prozedere der Entwöhnung, Daten
zu aufgetretenen Komplikationen und zum Outcome der Patienten. Hohe Priorität legte
die Arbeitsgruppe auf eine schlanke Datensatzdefinition durch Beschränkung auf medizinisch
zentrale, klinisch aussagekräftige Informationen.
Die Arbeitsgruppe „Weaningzentren” hat während der Entwicklungsphase des Registers
eng mit dem Institut für Lungenforschung (ILF) unter der Projektleitung von Frau Dr.
Nina Hämäläinen kooperiert. Die Programmierung der Datenbank und der Internet-basierten
Benutzerschnittstelle lag in den Händen des ILF, das auch den Betrieb der Datenbank
und die Benutzerverwaltung übernimmt.
Die Oberfläche zur Dateneingabe unterstützt den Anwender durch interaktive Hilfen.
Da es sich um ein Serverkonzept handelt, muss keine besondere Software installiert
werden; benötigt werden lediglich ein Internetzugang, ein üblicher Internet-Browser
und die individuelle, zentrumsspezifische Zugangsberechtigung.
Parallel zu der überzeugend gelungenen technischen Umsetzung genehmigte die zuständige
Aufsichtsbehörde das vom ILF entwickelte Verfahren zur Pseudonymisierung der Daten.
Für die Patientenaufklärung und Einwilligung stellt das ILF allen Zentren die notwendigen
Unterlagen zur Verfügung.
Besondere Bedeutung hat das Weaning-Register im Zusammenhang mit dem zur Zeit in der
Entwicklung befindlichen Akkreditierungsprozess pneumologischer Weaningzentren. Die
Teilnahme am elektronischen Patientenregister und die Dokumentation von mindestens
40 Weaningpatienten in diesem System ist obligatorische Voraussetzung für die Akkreditierung.
Mit dem Erwerb der Akkreditierung ist die kontinuierliche Teilnahme des Weaningzentrums
am Register verpflichtend.
Der Kriterienkatalog zur Akkreditierung wird derzeit vorbereitet. Die AG Weaningzentren
arbeitet daran in enger Absprache mit dem Vorstand der DGP. Im Frühjahr 2009 werden
die Kriterien und Verfahrensregeln zur Akkreditierung in der Zeitschrift „Pneumologie”,
durch Email-Versand und auf der Webseite der DGP veröffentlicht. Von diesem Zeitpunkt
an steht interessierten Zentren auch die Anmeldung zum Akkreditierungsverfahren offen.
Die Akkreditierung und Einschreibung im Weaning-Register bilden fortan die Grundlage
für eine bundesweite Qualitätssicherung der Weaningzentren unter der Schirmherrschaft
der DGP. Zentrumsspezifische Auswertungen als Basis für die interne Qualitätsplanung
werden allen teilnehmenden Zentren zur Verfügung gestellt. Welche Optionen der Auswertung
konkret möglich sind, hängt von mehreren bisher unbekannten Größen ab, z. B. der Anzahl
teilnehmender Zentren, der Eingabequalität etc. Wir hoffen, im Herbst/Winter 2009
bei einer gemeinsamen Veranstaltung der teilnehmenden Zentren erste Übersichtsdaten
präsentieren und gewünschte Auswertungen diskutieren zu können.
Mittelfristig wird das Weaning-Register für Kostenträger und Politik verlässliche
Zahlen zur Versorgungssituation der Beatmungsentwöhnung in Deutschland liefern.
Der Antrag auf Teilnahme am Weaning-Register ist durch das Zentrum formlos an das
ILF zu richten. Die Adresse lautet:
Institut für Lungenforschung e. V.
Frau Dr. Nina Hämäläinen
Robert-Koch-Allee 23
82131 Gauting
Wir hoffen auf ein reges Interesse am Weaning-Register
Prof. Dr. Bernd Schönhofer
Federführung der AG Weaningzentren
Prof. Dr. Helmut Teschler
Präsident der DGP