Analabszesse und Analfisteln sind unterschiedliche Verlaufsformen ein und derselben
Grunderkrankung, wobei der Abszess die akute Form, die Fistel die chronische Form
darstellt. In Deutschland gibt es ca. 15 000 Fistelerkrankte pro Jahr, die Rezidivrate
beträgt zwischen 10 und 50 %. Etwa 90 % aller Abszesse und Fisteln sind auf eine unspezifische
Infektion der rudimentär angelegten Proktodealdrüsen, am häufigsten im Bereich der
hinteren Kommissur, zurückzuführen. Die Einteilung der Abszesse und Fisteln richtet
sich nach der anatomischen Lokalisation bzw. dem Verlauf in Bezug auf die Sphinktermuskulatur.
Bei einem Abszess steht der akut zunehmende Schmerz, teilweise mit Fieber und ausgeprägtem
Krankheitsgefühl im Vordergrund, abhängig von der jeweiligen Lokalisation. Die Symptomatik
der Fisteln besteht meist in der Sekretabsonderung.
Beim Abszess ist eine operative Intervention mit ausreichender Entdeckelung der Entzündungshöhle
dringlich, eine vorsichtige Fistelsuche sollte sich anschließen. Die Therapieoptionen
bei Fisteln sind vielfältig, je nach Verlauf und Lokalisation derselben. Die Fistelspaltung
stellt das Verfahren der Wahl bei einfachen, distal gelegenen Fisteln dar. Die Therapien
bei proximalen Fisteln sind der plastische Fistelverschluss und die primäre oder sekundäre
Sphinkterrekonstruktion. Verfahren wie die Fibrinklebung und der Fistel-Plug bieten
schlechtere Erfolgsraten als obige Techniken.
Eine Analfissur gehört zu den häufigsten proktologischen Erkrankungen. Es besteht
ein länglicher, ulkusartiger Defekt im Anoderm, meist in der hinteren Kommissur. Starke
Schmerzen mit einer reaktiven Verkrampfung der Muskulatur und einer Minderdurchblutung
des Gewebes münden in einen Circulus vitiosus, der die Neigung zum chronischen Krankheitsverlauf
erklärt.
Aufgrund der anamnestischen Angaben sind Analfissuren mit typischen stuhlgangabhängigen
Schmerzen, verkrampfter Sphinktermuskulatur und Blutungen meist einfach zu erkennen.
Basis jeder konservativen Therapie ist eine Stuhlregulierung. Neben der (wenig wissenschaftlich
belegten) Dehnung mittels eines Analdilatators kommt im Wesentlichen eine „chemische
Sphinkterolyse“ mit Nitropräparaten oder Kalziumantagonisten in Betracht, mit Abheilungschancen
in Höhe von 50–70 %. Bei Versagen der konservativen Therapie wird in Deutschland die
Fissurektomie (Ausschneidung der Fissur unter Mitnahme aller Sekundärveränderungen)
mit Erfolgschancen von über 90 % bevorzugt.
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Dr. med. Andreas K. Joos
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