ergopraxis 2009; 2(11/12): 13
DOI: 10.1055/s-0029-1245091
wissenschaft

Ergotherapie in der Forensik – Potenzial stärker nutzen

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23 June 2010 (online)

 
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    Ergotherapie kann einen wichtigen Beitrag in der forensischen Psychiatrie leisten. Zu dem Ergebnis kam die Ergotherapeutin Barbara Benz an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

    Die Forscherin führte eine Literaturrecherche in Datenbanken wie Thieme-Connect und in Bibliotheken durch. Sie fand heraus, dass es einen geringen Konsens darüber gibt, welche Position Ergotherapie im Maßregelvollzug einnimmt. Unklarheiten bestehen zwischen den Berufsgruppen bezüglich der Aufgabenverteilung. Das heißt: Der Schwerpunkt der Ergotherapie liegt in der deutschen Forensik auf der Arbeitstherapie, in der Ergotherapeuten mit Fachkräften ohne therapeutische Ausbildung zusammenarbeiten. Hinzu kommt, dass sich Ergotherapeuten häufig aus Arbeitsfeldern zurückziehen, in denen sie in anderen Bereichen fest etabliert waren. So unterstützt zum Beispiel häufig die Pflege die Menschen in der Forensik bei Aktivitäten des täglichen Lebens. Selbst kreative oder künstlerische Tätigkeiten übernehmen hier meist eher Kunsttherapeuten. Ergotherapeuten steuern allerdings einen wichtigen Aspekt zur Resozialisierung dadurch bei, dass sie innerhalb des begrenzenden Raumes Handlungen und neue Kompetenzen fördern. Da sie ihre Klienten in realen Lebenssituationen, oft entfernt von der Station und in anderen sozialen Rollen erleben, sind sie prädestiniert dafür, sich an der forensischen Prognose zu beteiligen. Bisher werden sie nur in Einzelfällen einbezogen.

    Ergotherapeuten sollten ihr Potenzial in der forensischen Psychiatrie stärker nutzen, um auch kriminalprognostisch einen Beitrag leisten zu können. Sie sollten gemeinsam mit anderen Disziplinen einschätzen, ob jemand entlassen werden kann oder die Gefahr einer Wiederholungstat besteht.

    dawo

    ergoscience 2009; 3: 107–116