Klinikarzt 2010; 39(2): 58
DOI: 10.1055/s-0030-1249719
MEDICA e. V.

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Interdisziplinäre Projekte in der Medizin – MEDICA-Förderpreis geht an das Hausarztprojekt LIA – Lebensqualität im Alter

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Publication Date:
01 March 2010 (online)

 
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Der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Blank und die Medizinische Fachangestellte Waltraud Mader haben Ende letzten Jahres den MEDICA-Förderpreis für Interdisziplinäre Projekte in der Medizin erhalten. Ausgezeichnet wurde ein beispielhaftes geriatrisches Projekt, das unter den Bedingungen einer Hausarztpraxis in Kirchberg im Bayerischen Wald entwickelt wurde. Der Preis ist mit 5 000 Euro dotiert, wurde vom klinikarzt (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) gestiftet und von der MEDICA Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin e.V. am 18. November 2009 im Rahmen der MEDICA 2009 in Düsseldorf verliehen.

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Vernetzung der ambulanten medizinischen Versorgung alter Patienten

Den Preisträgern ist es gelungen, für die Betreuung multimorbider, alter Patienten in einer ländlichen Region eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen allen an der ambulanten medizinischen Versorgung beteiligten Fachgruppen zu etablieren. In monatlichen Teambesprechungen planen und überwachen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Pflegedienst, Medizinische Fachangestellte und Hausarzt gemeinsam die ambulante Therapie der geriatrischen Patienten auf der Grundlage der bestehenden physischen und psychischen Erkrankungen sowie des sozialen Umfeldes. Ziel ist, die Selbstständigkeit der Patienten im Alter so lange wie möglich zu erhalten, Bettlägerigkeit zu verhindern und frühzeitige Klinikeinweisungen sowie Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

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Abb. 1 Preisverleihung des MEDICA Förderpreis 2009. Von links: Tanja Stumpp, Georg Thieme Verlag, Waltraud Mader, Dr. Wolfgang Blank, Preisträger, und Prof. Werner Scherbaum, Präsident MEDICA e. V.

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Alle Beteiligten profitieren

Von diesem Vorgehen profitieren alle Beteiligten: Die Patienten erhalten eine individuell angepasste Therapie, die Angehörigen werden optimal in der Betreuung der zu pflegenden Person unterstützt. Die beteiligten Fachgruppen bringen ihre jeweiligen Perspektiven in die Teambesprechungen ein und können gemeinsam Hindernisse für einen Therapieerfolg leichter identifizieren und aus dem Weg räumen. Die individuell festgelegten Therapieziele werden regelmäßig überprüft und das weitere Vorgehen gemeinsam adjustiert. Dieser interdisziplinäre Ansatz ermöglicht eine optimale Langzeit-Koordination, eine zeitnahe Reaktion auf Veränderungen und einen ökonomischen Einsatz der notwendigen Maßnahmen.

"Eine wissenschaftlich sinnvolle Evaluation war bisher nicht möglich. Die betreuten Patienten sind individuell zu verschieden und die therapeutischen Interventionen zudem nicht einheitlich, sodass uns alle zu Rate gezogenen Experten von einer wissenschaftlichen Auswertung abgeraten haben", erläuterte Dr. Blank, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin sowie Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin der TU München. Dennoch existieren mehrere Indikatoren für einen Erfolg des Projektes:

  • Patienten lassen sich kontinuierlich im Projekt behandeln

  • Die individuellen Ziele der Patienten können weitgehend umgesetzt werden

  • Das Team ist trotz der zeitlichen Belastung durch die monatlichen Treffen seit nunmehr 2 Jahren konstant besetzt und aktiv

  • Angehörige von Patienten aus anderen Orten haben von dem Projekt gehört und wünschen eine Betreuung

  • Krankenkassen und Medizinischer Dienst weisen Patienten und Angehörige auf das Projekt hin.

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Jury lobt Konzept und ehrenamtliches Engagement

"Besonders bemerkenswert erschien der Jury, dass die Beteiligten ganz ohne Fördermittel und logistische Unterstützung durch Dritte und unter den Bedingungen der hausärztlichen Medizin ein tragfähiges Konzept zur Verbesserung der ambulanten Betreuung alternder Patienten entwickelt haben", betont Prof. Werner A. Scherbaum, Präsident der MEDICA-Gesellschaft. "Wir hoffen daher, dass dieses ehrenamtliche Engagement Nachahmer findet."

Das prämierte Projekt stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe des klinikarzt vor. Der klinikarzt ist Organ der MEDICA Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizin e.V.

 
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Abb. 1 Preisverleihung des MEDICA Förderpreis 2009. Von links: Tanja Stumpp, Georg Thieme Verlag, Waltraud Mader, Dr. Wolfgang Blank, Preisträger, und Prof. Werner Scherbaum, Präsident MEDICA e. V.