ergopraxis 2009; 2(1): 37
DOI: 10.1055/s-0030-1254448
profession & perspektiven

Trainee-Programm – Von der Bobath-Bank zum Chefsessel?

Christine Schaefer
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Publication Date:
07 July 2010 (online)

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Die Robert Bosch Stiftung bietet jungen Therapeuten eine Weiterqualifikation im Führungswesen und im wissenschaftlichen Arbeiten. Die Ergotherapeutin Anna Stähler hat die Chance ergriffen, ihre Kompetenzen zu erweitern.

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Christine Schaefer ist Ergotherapeutin und Gesundheitswissenschaftlerin. Seit Mai 2008 arbeitet sie im Thieme-Verlag.

Für Anna Stähler beginnt die Arbeit bereits früh. Weit vor acht Uhr starten sie und ihre Kollegen mit dem ADL-Training. Ist dies geschehen, geht es mit dem Frühstück weiter. Auch hier ist Unterstützung gefragt: Die Ergotherapeuten verteilen Schnabeltassen, Nagelbrettchen und Griffverdickungen und erüben deren Handhabung mit den Patienten – allmorgendliche Routine.

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Führungskräfte in Ausbildung

Wir befinden uns in der Klinik für geriatrische Rehabilitation, die an das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart angegliedert ist. Eine moderne Einrichtung mit einem interdisziplinären Team und rund 100 stationären und ambulanten Patienten. Seit knapp zwei Jahren besetzt Anna Stähler hier eine Traineestelle, die sie nach ihrem Ergotherapie-Bachelorstudiengang in Heerlen, Niederlande, begonnen hat. Damals wollte sie vor allem Praxiserfahrung sammeln, aber dieses Angebot klang weitaus verlockender.

Das Traineeprogramm der Robert Bosch Stiftung bietet jungen Bachelorabsolventen aus den Bereichen Therapie sowie Pflege eine Weiterbildung, bei der die Trainees Fachkompetenzen erlernen, die sie später in eventuellen Führungspositionen benötigen. In diesem Rahmen hat Anna Stähler in verschiedenen Bereichen des Krankenhauses und der Stiftung hospitiert und ihren Horizont erweitert. Sie verbrachte unter anderem Zeit in der Pressestelle, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Logistik sowie im Personalmanagement.

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Wissenschaftliche Komponente

Sobald sie ihren morgendlichen Therapiealltag bewältigt hat, setzt sich Anna Stähler an den Schreibtisch. Neben der Organisationsarbeit, die für die Abteilung anfällt, kümmert sie sich um ihre Forschungsprojekte. Auch das ist ein Teil des Traineeprogramms. Da vor allem Krankenkassen verstärkt evidenzbasierte Therapie einfordern, hat es sich auch die Robert Bosch Stiftung zur Aufgabe gemacht, ihren Trainees wissenschaftliches Arbeiten näherzubringen. Sie stellt daher qualitätsbewusste und effizienzorientierte Arbeitsmethoden in den Fokus, indem sie Studien zur Effektivität von Therapiekonzepten fördert. Bei Anna Stählers Projekten handelt es sich um Untersuchungen zu den Behandlungskonzepten Forced Use und Batrac (deutsch: bilaterales Armtraining mit rhythmisch auditiver Stimulation). Sie ist an der Planung der Studien beteiligt, führt sie mit anderen Ergotherapeuten zusammen durch und ist zudem für deren Ergebnisauswertung verantwortlich.

In den Bereichen Statistik und Methodik haben sie und die anderen Trainees an speziellen Schulungen teilgenommen, um ihr Wissen auf diesen Gebieten zu vertiefen. Das größte Ereignis für Anna Stähler war eine Reise nach Atlanta, USA. Dort konnte sie sechs Wochen lang einer amerikanischen Forschergruppe über die Schulter schauen, die ähnliche Themen untersucht und analysiert.

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Supervision am Tagesende

Wenn auch die Projektarbeit fürs Erste bewältigt ist, neigt sich Anna Stählers Arbeitstag dem Ende zu. Sie schreibt die letzten Therapiedokumentationen und trifft die wichtigsten Vorbereitungen für den nächsten Tag. Zuletzt steht nur noch ein Gespräch zur Supervision an. Wie alle Trainees wird auch Anna individuell von einer Supervisorin betreut, die Ergotherapeutin und gleichzeitig Psychologin ist. In regelmäßigen Gesprächen diskutieren beide über Annas Aufgaben und deren Ausführung, schließlich soll sie ihre individuell zugeschnittene Laufbahn weiterbringen. Nur wohin ist ihr derzeit noch nicht klar. Aber ihre Zeit als Trainee nähert sich dem Ende. Vielleicht eine Führungsposition? Oder eine wissenschaftliche Anstellung? Derzeit plant sie die Fortsetzung ihrer Forschungsprojekte und die Leitung der Ergotherapieabteilung in der Klinik. Gute Voraussetzungen dafür hat sie ja gesammelt. Die Robert Bosch Stiftung hält auf alle Fälle weiter am Traineeprogramm fest. Schon für das Jahr 2009 plant sie, neue Stellen auszuschreiben. Weitere Informationen: [email protected]

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Trainee Anna Stähler verbringt für die Projektarbeit viel Zeit an ihrem Computer. (Foto: C. Schaefer)

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Trainee Anna Stähler verbringt für die Projektarbeit viel Zeit an ihrem Computer. (Foto: C. Schaefer)