Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0031-1271559
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York
Rationale und rationelle Insulintherapie für Patienten mit Typ-1-Diabetes (auf Basis der S3-Leitlinie 2011)
Publication History
Publication Date:
15 August 2011 (online)
Einleitung
Das Therapieziel bei Typ-1-Diabetes ist es, diabetesbedingte Minderungen der Lebensqualität zu vermeiden. Um dieses Ziel erreichen zu können, bedarf es einer Therapieform, die das Risiko für schwere akute Stoffwechselentgleisungen (schwere Hypoglykämien und / oder schwere Hyperglykämien mit Ketoazidose oder Coma diabeticum) senkt sowie zudem das Risiko für die chronischen Folgekomplikationen (Retinopathie, Nephropathie, Neuropathie, Makroangiopathie) reduziert.
Die amerikanische DCC-Studie [1] ist die größte randomisierte kontrollierte Studie (RCT; n = 1441), die gezeigt hat, dass eine intensivierte Insulintherapie und entsprechend strukturierte Betreuung der Patienten [2] im Vergleich zu einer konventionellen Insulintherapie zu einer stärkeren Senkung des HbA1c-Wertes führt. Außerdem zeigt die Studie, dass mit der Senkung der HbA1c-Werte in den Bereich von 7 % (vs. 9 % in der Kontrollgruppe) das Risiko, an diabetesbedingten mikroangiopathischen (Retinopathie, Nephropathie) und neuropathischen Folgekomplikationen zu erkranken, signifikant reduziert wird. Die Reanalyse der DCC-Studiendaten zeigte zudem, dass eine klare Abhängigkeit der Risikoreduktion vom erreichten HbA1c-Wert besteht [3]. Somit ist eine Definition und Kontrolle der unmittelbaren Therapieziele des Typ-1-Diabetes über den HbA1c-Wert als Surrogatparameter eines geringeren Risikos für diabetesbedingte mikroangiopathische und neuropathische Folgekomplikationen möglich.
Vor diesem Hintergrund überrascht es daher nicht, dass sich die intensivierte Insulintherapie
|
In Mitteleuropa ist die intensivierte Insulintherapie mittlerweile die Standardtherapie des Typ-1-Diabetes. |
Eine strukturierte Diabetes-Therapie basiert wesentlich auf der Schulung der Betroffenen
|
Die Schulung der Patienten ist ein entscheidender Bestandteil einer erfolgreichen Diabetes-Therapie. |
Die folgende Darstellung der rationalen und rationellen Insulintherapie für Patienten mit Typ-1-Diabetes mellitus basiert wesentlich auf der aktuellen S3-Leitlinie „Therapie des Typ-1-Diabetes“ der Deutschen Diabetes-Gesellschaft [4].
Literatur
- 1 The Diabetes Control and Complications Trial Research Group . The effect of intensive treatment of diabetes on the development and progression of long-term complications in insulin dependent diabetes mellitus. N Engl J Med. 1993; 329 977-986
- 2 DCCT Research Group . Implementation of conventional and intensive treatment in the Diabetes Control and Complications Trial. Diabetes Care. 1995; 18 361-376
- 3 Lachin J M, Genuth S, Nathan D M DCCT / EDIC Research Group et al. Effect of glycemic exposure on the risk of microvascular complications in the diabetes control and complications trial – revisited. Diabetes. 2008; 57 995-1001
- 4 Böhm B O, Dreyer M, Fritsche A et al. Therapie des Typ-1-Diabetes. S3-Leitlinie Version 1.0 vom 10.02.2011
- 5 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen .Kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 1. IQWiG-Berichte 2007 Nr. 22 http://https://www.iqwig.de/download/A05–02_Abschlussbericht_Kurzwirksame_Insulinanaloga_bei_Diabetes_mellitus_Typ_1.pdf
- 6 Hien P, Boehm B. Diabetes Handbuch.. 6. Aufl. Heidelberg: Springer; 2010
- 7 Vardi M, Jacobson E, Nini A et al. Intermediate acting versus long acting insulin for type 1 diabetes mellitus. Cochrane Database Syst Rev 2008 3 CD006297 DOI: 10.1002/14651858.CD006297.pub2
- 8 Siebenhofer A, Plank J, Berghold A et al. Short acting insulin analogues versus regular human insulin in patients with diabetes mellitus. Cochrane Database Syst Rev 2006 2 CD003287 DOI: 10.1002/14651 58.CD003287.pub4
- 9 Bretzel R G. Behandlung mit Insulin.. In: Häring H-U, Gallwitz B, Müller-Wieland D, Usadel K-H, Mehnert H, Hrsg Diabetologie in Klinik und Praxis.. 6. Aufl. Stuttgart: Stuttgart; 2011: 192-211
- 10 Misso M L, Egberts K J, Page M et al. Continuous subcutaneous insulin infusion (CSII) versus multiple insulin injections for type 1 diabetes mellitus. Cochrane Database Syst Rev 2010 1 CD005103 DOI: 10.1002/14651858.CD005103.pub2
Prof. Dr. B. O. Böhm
Universitätsklinikum Ulm · Klinik für Innere Medizin I · Schwerpunkt Endokrinologie
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm
Email: bernhard.boehm@uniklinik-ulm.de
