Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0031-1272912
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York
Hämorrhagisches Alkhurma-Fieber – Erstmals außerhalb Saudi-Arabiens
Publication History
Publication Date:
21 February 2011 (online)
Im vergangenen Sommer infizierten sich 2 italienische Touristen im Süden Ägyptens mit dem Alkhurma-Virus. Die beiden Infektionen erfolgten wahrscheinlich auf einem Kamelmarkt nahe der Stadt Asch-Schalatin, den beide Betroffene in einem zeitlichen Abstand von etwa einem Monat unabhängig voneinander besucht hatten. Nie zuvor war das hämorrhagische Alkhurma-Fieber außerhalb von Saudi-Arabien nachgewiesen worden. Mitte der 1990er-Jahre war es dort erstmals aufgetreten, verschwand dann für einige Jahre (bzw. wurde zumindest nicht diagnostiziert), bevor es mit der Jahrtausendwende wieder auftrat. Insgesamt liegen in Saudi-Arabien mittlerweile etwa 60 labordiagnostisch bestätigte Fälle vor.
Virus weiter verbreitet als angenommen?
Zunächst ging man von einer hohen Mortalitätsrate von etwa 25-30 % aus. Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass auch asymptomatische und leichte Krankheitsverläufe nicht selten sind. Diese wurden in der Regel nicht diagnostiziert. Die tatsächliche Mortalitätsrate dürfte also deutlich niedriger sein. Der Nachweis der asymptomatischen Infektionen lässt außerdem die Vermutung zu, dass das Virus weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Es ist also durchaus möglich, dass sich das Endemiegebiet dieser Viruserkrankung über Saudi-Arabien hinaus bis ins südliche Ägypten erstreckt. Möglicherweise wurde das Virus aber lediglich ausnahmsweise auf den ägyptischen Kamelmarkt importiert, etwa durch gehandelte Dromedare oder die Verschleppung infizierter Zecken.
Übertragungsweg noch nicht klar
Die möglichen Übertragungswege des Alkhurma-Fiebers sind noch nicht abschließend geklärt. Bekannt ist, dass das Virus sowohl Kamele als auch Schafe befällt. Ob auch andere Tiere betroffen sind, ist noch unbekannt. Als mögliche Vektoren und Infektionsquellen wurden in der Vergangenheit sowohl Zecken- und Mückenstiche als auch das Schlachten infizierter Tiere und das Trinken unpasteurisierter Milch genannt. Neuere Studien belegen lediglich die Übertragung durch Zecken und einen engen Kontakt zu infizierten Tieren. Mückenstiche konnten als Infektionsquelle ausgeschlossen werden und auch unpasteurisierte Milch scheint in diesem Zusammenhang unbedenklich zu sein. Dagegen erhöht ein Bauernhof in der Nähe des Wohnortes das Infektionsrisiko. Die Ursachen hierfür sind noch ungeklärt.


Abb. 1 Die ersten außerhalb Saudi-Arabiens nachgewiesenen Infektionen mit dem Alkhurma-Virus
erfolgten vermutlich auf dem Kamel- und Dromedarmarkt nahe der südägyptischen Stadt
Asch-Schalatin.
Quelle: Klaus Polak, veröffentlicht unter der Lizenz "CC-by-sa 3.0"
Dr. Raymund Lösch, Bad Doberan, und Dipl. Biol. Unn Klare, Rostock
Quellen: Carletti F, Castilletti C, Di Caro A et al. Alkhurma hemorrhagic fever in travelers returning from Egypt, 2010. Emerg Infect Dis 2010; 12: 1979-1982; Alzahrani AG, Al Shaiban HM, Al Mazroa MA et al. Alkhurma hemorrhagic fever in humans, Najran, Saudi Arabia. Emerg Infect Dis 2010; 12: 1882-1888


Abb. 1 Die ersten außerhalb Saudi-Arabiens nachgewiesenen Infektionen mit dem Alkhurma-Virus
erfolgten vermutlich auf dem Kamel- und Dromedarmarkt nahe der südägyptischen Stadt
Asch-Schalatin.
Quelle: Klaus Polak, veröffentlicht unter der Lizenz "CC-by-sa 3.0"
