Pneumologie 2011; 65(11): 641
DOI: 10.1055/s-0031-1292623
Pneumo-Fokus
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Tuberkulose - Wie verfolgt man einen Ausbruch zurück?

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Publication Date:
14 November 2011 (online)

 
 

In einer mittelgroßen Kommune in British Columbia, Kanada, kam es zwischen 2006 und 2008 zu einem Ausbruch von Tuberkulose. Genomanalysen legten nahe, dass der Ausbruch klonal war, jedoch ließ sich keine Quelle identifizieren. J. L. Gardy et al. haben nun versucht mit einem kombinierten Ansatz, die Dynamik des Ausbruchs zurückzuverfolgen.
N Engl J Med 2011; 364: 730-739

Insgesamt waren bis Dezember 2008 41 Tuberkulosefälle aufgetreten (37 im Labor bestätigt, 4 über den klinischen Verlauf), die alle in den kultivierten Isolaten ein identisches Muster in der Mycobacterial Interspersed Repetitive Unit - Variable Number Tandem Repeats (MIRU-VNTR)- Analyse aufwiesen.

Für die epidemiologischen Untersuchungen entwickelten die Autoren einen speziellen Fragebogen, um gemeinsame Sozialkontakte der Patienten zu erfassen, außerdem das Reiseverhalten sowie Drogen- und Alkoholkonsum. Ferner wurden die Mycobakterium-Isolate kultiviert und kompletten Gensequenzierungen unterzogen (32 Isolate des aktuellen Ausbruchs und 4 vor dem Ausbruch gewonnene Isolate). Ziel dabei war es, den Ursprung des Tuberkuloseausbruchs und die Dynamik der Übertragungen zu ermitteln.

Parallele Ausbrüche möglich

Die Mehrheit der Patienten war im Erwachsenenalter (Durchschnittsalter 36 Jahre) und hatte eine pulmonale (68 %) oder pleurale (24 %) Tuberkulose; 2 Patienten waren Kinder. Jeder von ihnen berichtete im Durchschnitt über 6 Sozialkontakte mit anderen Patienten, die Mehrheit konsumierte Crack-Kokain (61 %) und Alkohol (66 %). Die komplette Genomanalyse deckte 2 genetisch unterschiedliche Linien von Mycobacterium tuberculosis auf, die jedoch in der MIRU-VNTR-Analyse identische Muster gezeigt hatten. Dies legte 2 parallele Ausbrüche nahe.

Durch die Integration von Sozialkontakt- und phylogenetischer Analyse fanden sich einige Übertragungsereignisse, einschließlich der Ursprungsquelle. Beide Bakterienlinien stammten von einem gemeinsamen Vorfahren ab und waren in der Kommune bereits vor dem Ausbruch nachgewiesen worden, was eher einen sozialen als einen genetischen Trigger nahelegte. Weitere epidemiologische Analysen zeigten, dass der Beginn des Ausbruchs mit einem steigenden Konsum von Crack- Kokain in der Kommune zusammenfiel.

Fazit

Die Daten zeigen, dass sich epidemiologische Rückschlüsse im Falle der Tuberkulose durch die Integration von Sozialkontakt-Analysen und kompletten Gensequenzierungen deutlich verbessern lassen. Beide Methoden alleine konnten die wahre Dynamik des Ausbruchs nicht erfassen, so die Autoren.

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