Diabetes aktuell 2012; 10(02): 50
DOI: 10.1055/s-0032-1313293
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Biomarker für Diabetes gesucht – Omics-Technologie könnte Diabetes vor dem Ausbruch erkennen

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Publication Date:
03 May 2012 (online)

 

Ob Menschen an Diabetes mellitus erkranken, könnten zukünftig bioanalytische und genetische Tests genauer vorhersagen. Darüber hinaus ließe sich anhand der Ergebnisse die Therapie der Erkrankung gezielter auf den einzelnen Patienten ausrichten. Zwar seien entsprechende Erkenntnisse noch sehr jung und nicht in der Praxis, so die Einschätzung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Doch die Suche etwa nach neuen Biomarkern, die Diabetes anzeigen, erscheine durchaus vielversprechend.

Viele Diabeteserkrankungen sind vorhersehbar

Bei Kindern weisen oft Antikörper im Blut auf einen bevorstehenden Typ-1-Diabetes hin. Beim Erwachsenen erhöhen Übergewicht und ein Lebensstil mit wenig Bewegung das Risiko für Stoffwechselstörungen, die wiederum auf einen bevorstehenden Typ-2-Diabetes hindeuten. Eine Reihe neuer biochemischer und genetischer Tests, die sogenannte Omics-Technologie, könnte diese Vorhersage zukünftig noch erheblich verbessern. Die Tests würden Ärzten einen Überblick über das Erbgut, die in den Zellen abgelesenen Gene und die Stoffwechselprodukte eines Patienten liefern. "Metabolomics-Untersuchungen" könnten erste Stoffwechselstörungen aufdecken. "Dies wäre theoretisch möglich, lange bevor der Blutzucker auf Dauer ansteigt und der Typ-2-Diabetes zu ersten Schäden geführt hat", erläutert Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG, Tübingen.


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Aussagekraft der Genomics derzeit noch begrenzt

Ein Genomics-Test könnte gleichzeitig alle bisher bekannten mehr als 40 Risikogene für einen Typ-2-Diabetes erfassen. Es ließen sich zudem Genregulatoren – bestimmte Typen der Erbsubstanz Ribonucleinsäure (RNA), die sogenannte micro-RNA – aufspüren, die eine Rolle in der Entstehung des Typ-2-Diabetes spielen könnten. "Doch noch steckt die Erforschung von Metabolom und Transkriptom in den Kinderschuhen, und gerade die Aussagekraft der Genomics ist begrenzt", gibt Fritsche zu bedenken. Denn alle bekannten Gene erklären nur etwa 10 % des ererbten Typ-2-Diabetes Risikos. Beim Typ-2-Diabetes sei das Risiko zudem überwiegend durch den Lebensstil des Menschen und seine Interaktion mit dem genetischen Hintergrund des Individuums beeinflusst.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft rechnet damit, dass noch mehrere Jahre bis zur Einführung der neuen Technologien vergehen. "Vorerst bleiben die Bestimmung des Nüchternblutzuckers, des HbA1c und der orale Glukosebelastungstest die wichtigsten Instrumente für die Frühdiagnose des Diabetes", sagt Fritsche.

Etwas anders sieht es für den Typ-1-Diabetes aus. Hierfür haben Forscher in den letzten Jahren eine Reihe von Biomarkern entwickelt. Diese weisen Vorgänge im Stoffwechsel nach, die einen Angriff auf die Beta-Zellen ankündigen. "Leider können wir die Zerstörung dieser Zellen derzeit noch nicht verhindern", bedauert Fritsche. Die Biomarker werden deshalb vor allem zu Forschungszwecken eingesetzt. Aber auch hier bestehe aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft zumindest Anlass zur Hoffnung: Die Wissenschaft arbeitet an Therapien, die eine Immuntoleranz bewirken. Ziel ist es dabei, möglichst viele Beta-Zellen zu erhalten.

Pressemitteilung, Deutsche Diabetes Gesellschaft


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