Klinikarzt 2012; 41(12): 611
DOI: 10.1055/s-0032-1333154
Forum der Industrie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Perioperatives Patientenwärmemanagement – Stabile Körperwärme schützt OP-Patienten

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Publication Date:
17 December 2012 (online)

 
 

Unbeabsichtigte perioperative Hypothermie ist eine häufige Komplikation bei Narkosemaßnahmen [ 1 ]. Negative Folgen für den Patienten sind aber vermeidbar, wenn ihm vor, während und nach der OP stabile Körperwärme erhalten bleibt. Mölnlycke Health Care präsentierte auf einem internationalen ‚Webinar’ in Leipzig mit BARRIER® EasyWarm® eine innovative Lösung des Problems. Prof. Alexander Torossian, Marburg, Koordinator der Ausarbeitung einer interdisziplinären deutschen S3-Leitlinie zur Hypothermie-Prävention, äußerte sich in einem späteren Interview zu Kernpunkten der Problematik.

Anästhesie beeinträchtigt die Wärmeregulierung

Ein Absinken der Körperkerntemperatur eines Patienten um 1 bis 2º C bedeutet Hypothermie. Mit Einleitung der Anästhesie findet eine wichtige Umverteilung der Körperwärme zwischen Körperkern und Peripherie statt (Abb. [ 1 ]). Dan I. Sessler, M.D., Cleveland (USA), informierte über die Folgen perioperativer Hypothermie. Den meisten Patienten droht mindestens eine der nachstehenden Komplikationen: erhöhte morbide Myokardergebnisse [ 2 ], erhöhter Blutverlust und Transfusionsbedarf [ 3 ] unter der OP, verkürzte Vecoronium-Wirkung [ 4 ], erhöhtes Risiko für Wundinfektionen [ 5 ] und verlängerter Krankenhausaufenthalt [ 6 ]. Auch die verringerte Verstoffwechselung von Medikamenten sowie längere Genesungszeiten sind problematisch.

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Abb. 1 Vasokonstriktion hält die normale Körper-Kerntemperatur des Menschen bei 37° C, der Wert in der Peripherie liegt zwischen 31 und 35° C. Anästhesiemaßnahmen führen durch Vasodilatation zur Umverteilung. Die gesamte Körpertemperatur ist dann zu niedrig [ 8 ].

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Prewarming verhindert anästhesiebedingten Wärmeabfall

Nach Johan Raeder, M.D./Ph.D., Oslo (NOR), ist wirkliche Hypothermievorsorge im perioperativen Umfeld, also das Verhindern eines Abbruchs der Körpertemperatur, mit den bisher üblichen Maßnahmen nicht möglich. Dazu ist vielmehr routinemäßiges Überwachen der Körpertemperatur bei Narkosedauer ˃30 Minuten, Hautwärmung vor Anästhesiebeginn und ständiges Halten der Körperkerntemperatur der Patienten bei mindestens 36º C erforderlich.

Torossian ergänzte im Interview: Chirurgische Patienten sollten über Risiken perioperativer Hypothermie aufgeklärt werden und das gesamte am Patienten tätige Krankenhauspersonal sollte über Hypothermie-Prävention informiert sein.

Auf Station sollte sich der Patient selbst möglichst lange warmhalten oder um zusätzliche Wärmung bitten. Vorwärmung über die Haut wird empfohlen, wobei aktive Wärmezufuhr besser ist als passive Isolierung. Im OP ist die Körperwärme möglichst durchgängig zu erhalten und wieder ist Temperaturmessung wichtig. Auf Station schon klinische Routine, wird dieser essentielle Vitalparameter im OP nach Torossian leider zu wenig beachtet. Extubation bei Temperatur des Patienten unter 35,5º C ist "absolut obsolet".

Auch im Aufwachraum ist die Körpertemperatur zu messen und das Wärmeempfinden des Patienten zu erfragen. Verlegung auf Station nur, wenn mindestens 36º C vorliegen.


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Aktives Prewarming mit BARRIER® EasyWarm®

Karin Ganlöv, M.D., Mölnlycke (SWE), präsentierte mit EasyWarm® eine innovative Lösung. Mit der aktiv selbstwärmenden Decke kann das verantwortliche OP-Team, aber auch das gesamte perioperative Pflegeumfeld, einen Abbruch der Körpertemperatur des Patienten verhindern.

Sicherheit und Wirksamkeit von EasyWarm® bestätigten klinische Studien [ 7 ]. Der gefährliche Temperaturabfall nach Anästhesie-Einleitung trat bei Anwendung der aktiv selbstwärmenden Decke nicht auf. EasyWarm® entwickelt innerhalb von 30 Minuten volle Leistung und hält dann für etwa 10 Stunden eine Durchschnittstemperatur von 40º C aufrecht. Eine Maximaltemperatur von 43º C wird nicht überschritten.

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Torossian erwartet von der geplanten S3-Leitlinie eine "signifikante und klinisch messbare, relevante Verbesserung der Patientenversorgung durch weniger Wundheilungsstörungen, geringeren Transfusionsbedarf, weniger negative kardiale Ereignisse wie postoperative Herzrhythmusstörungen oder sogar -infarkte, verkürzten Krankenhausaufenthalt und letzten Endes auch verringerte Mortalität der Patienten". Die Leitlinie wird voraussichtlich spätestens Ende Mai 2013 veröffentlicht sein.

Jürgen W. Setton, Chemnitz

Quelle: WARMING UPDate 2012. Webinar "Wie Sie Ihr Patientenwärmemanagement noch effektiver gestalten" am 08. November 2012 in Leipzig. Veranstalter: Mölnlycke Health Care GmbH. Weitere Informationen erhalten Sie auch auf www.molnlycke.de .
Der Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Mölnlycke Health Care GmbH, Erkrath-Unterfeldhaus.


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Abb. 1 Vasokonstriktion hält die normale Körper-Kerntemperatur des Menschen bei 37° C, der Wert in der Peripherie liegt zwischen 31 und 35° C. Anästhesiemaßnahmen führen durch Vasodilatation zur Umverteilung. Die gesamte Körpertemperatur ist dann zu niedrig [ 8 ].
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