manuelletherapie 2013; 17(01): 1
DOI: 10.1055/s-0033-1334128
Editorial
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

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Jochen Schomacher
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Publication Date:
26 February 2013 (online)

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Üben statt mobilisieren

„Hier tut es weh – machen Sie mal!“ Mit dieser Aussage und einem Fingerzeig auf den Nacken ist die Erwartung des Patienten schnell klar: Wir sollen den Nackenschmerz mit unseren Händen möglichst schnell wegzaubern. Um dieser Erwartungshaltung zu dienen, suchen viele Manualtherapeuten die optimale Mobilisations- oder noch besser Manipulationstechnik: Ein Griff und alles ist wieder in Ordnung. Das ist schließlich der Kern der Manuellen Therapie, oder?

Die vorletzte Ausgabe der manuelletherapie (4/2012) hat Ihnen gezeigt, wie umstritten das Thema Manipulation ist, die insbesondere an der HWS einige Risiken birgt. Sie wirkt nicht besser als Mobilisation [14], und beide helfen nur kurz-, jedoch nicht langfristig [8], [9]. Die Wirksamkeit von Übungen bei Nackenschmerz ist hingegen besser belegt [13].

Nach Rücken- und Schulterschmerzen sind Nackenschmerzen die dritthäufigste muskuloskeletale Beschwerde [15]. Die Lebenszeitprävalenz [2], [5], [6], [7], [11] und die Rezidivraten [3], [15] sind hoch. Eine Ursache dafür könnten Veränderungen in der Muskelfunktion sein, die auch nach dem Rückgang der Schmerzen bestehen bleiben [16]. Daher wird ein gezieltes Training mit spezifischen Übungen als wesentlich in der Behandlung von Patienten mit Nackenschmerz betrachtet [12], zumal auch Selbstbehandlungsstrategien und Aufklärung inklusive des Ratschlags zum Aktivbleiben bei Nackenschmerzen bisher keine nachweislichen Wirkungen zeigten [10].

Leitlinien zur Behandlung von Nackenschmerzen raten folglich mit starker Evidenz zu therapeutischen Übungen [1]. Sie werden zur Koordinations-, Kraft- und Ausdauerverbesserung auch in Kombination mit Mobilisation/Manipulation empfohlen [4]. Forschung ist weiterhin nötig. Die optimale Dosierung der effektiven Techniken und Auswahl der dafür am besten geeigneten Patienten [8] sind noch zu klärende Faktoren.

Mit der vorliegenden Ausgabe bieten wir Ihnen ein Update zu dieser Thematik. Wir konnten für Sie eine der international renommiertesten Forscherinnen auf diesem Gebiet gewinnen. Weiter finden Sie zwei unterschiedliche, sich ergänzende Trainingsvorschläge, die sich gut mit Mobilisation kombinieren lassen. Wir hoffen, Ihnen damit Anregungen zum weiteren Nachdenken und Handeln sowie zum Ausprobieren und Diskutieren zu geben!

Viel Spaß beim Lesen!

Jochen Schomacher

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