Orthopädie und Unfallchirurgie - Mitteilungen und Nachrichten 2013; 02(04): 390-392
DOI: 10.1055/s-0033-1354331
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss von lokalen Anästhetika auf den hyalinen Gelenkknorpel

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Publikationsdatum:
21. August 2013 (online)

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Lokale Anästhetika werden in der Orthopädie und Unfallchirurgie regelmäßig ins Gelenk injiziert: um Schmerzursache und -lokalisation abzuklären, um in Verbindung mit Kortikoiden eine kurzfristige Schmerzreduktion zu erreichen und um im Rahmen der multimodalen perioperativen Schmerztherapie die postoperative Schmerzkontrolle zu optimieren und den Narkotikagebrauch zu minimieren.

Seit einiger Zeit werden, neben dem Nutzen der lokalen Anästhetika, auch ihre möglichen Nebenwirkungen dokumentiert und untersucht. Der hier dargestellte Bericht stellt einen Review der Literatur zusammen, der insbesondere den Einfluss lokaler Anästhetika auf den hyalinen Gelenkknorpel beleuchtet.

Bupivacain war die erste Substanz, die vor 50 Jahren eingeführt wurde und bis heute das am weitesten verbreitete langwirksame lokale Anästhetikum darstellt ([Mather, 2001]). Als weitere Substanzen werden Mepivacain, Ropivacain und Lidocain verwendet.

Die Lokalanästhetika werden in kurz-, mittel- und langwirksame Arzneimittel mit unterschiedlicher Potenz unterteilt ([Tab. 1]). Dabei ist die Wirkdauer von der Proteinbindungskapazität abhängig. Lokalanästhetika müssen dabei sowohl fett- als auch wasserlöslich sein, um einerseits die Zellmembran durchdringen und andererseits in den Natriumkanal der Zelle eindringen zu können.

Tab. 1 Pharmakologische Eigenschaften und Chondrotoxizität verschiedener Lokalanästhetika (LA=Lokalanästhetika).

Gruppe

Wirkstoff

Protein- bindung (%)

Potenz in vitro (isolierter Nerv)

Toxizität für Gelenkknorpel

Modell

Literatur

Kurz wirkende LA: 0,5 bis 1 Stunde

Procain

5,8

1

Keine Studien

Keine Studien

Keine Studien

Mittellang wirkende LA: 1 bis 3 Stunden

Lidocain

64-70

4

Einzeldosis: 0,5% toxisch

Humaner Knorpel in Monolayerkultur, 60 Minuten

Grishko V. JBJS-A 2010

Einzeldosis: 1% toxisch

Humane Knorpelzellkultur im Bioreaktor, 3 Stunden

Dragoo JL. AJSM 2012

Einzeldosis: 1%: toxisch

Humane Knorpelzellkultur, 15 Minuten

Jacobs TF. KSSTA 2011

Mepivacain

77-80

3-4

Einzeldosis: 2% toxisch

Humane Knorpelzellkultur, 1 Stunde

Breu A. Anesth Analg 2013

Einzeldosis: 0,5% keinen Einfluss

Humane Knorpelzellkultur, 1 Stunde

Breu A. Anesth Analg 2013

Lang wirkende LA: 3 bis 24 Stunden

Bupivacain

95

16

Einzeldosis: 0,25% toxisch

Humaner Knorpel in Alginatkultur, 15 bis 30 Minuten

Chu CR. JBJS-Br 2008

Einzeldosis: 0,5% toxisch

Humaner Knorpel in Monolayerkultur, 30 Minuten

Piper SL. JBJS-A 2008

Einzeldosis: 0,5% toxisch

Rattenmodel in vivo, 6 Monate: 50% verminderte Zelldichte

Chu CR. JBJS-A 2010

Pumpsystem: 0,25% toxisch, Chondrolyse

Tagelanger Einsatz nach Schulterarthroskopie

Hansen BP. AJSM 2007

Einzeldosis: 0,25% ohne Einfluss

Humane Knorpelzellkultur im Bioreaktor, 6 Stunden

Dragoo JL. AJSM 2012

Einzeldosis: 0,25% ohne Einfluss; 0,5% toxisch

Humane Knorpelzellkultur, 1 Stunde

Breu A. Anesth Analg 2013

Ropivacain

95

16

Einzeldosis: 0,5% toxisch

Humaner Knorpel in Monolayerkultur, 30 Minuten

Piper SL. JBJS-A 2008

Einzeldosis: 0,2% toxisch

Humaner Knorpel in Monolayerkultur, 60 Minuten

Grishko V. JBJS-A 2010

Einzeldosis: 0,5% ohne Einfluss

Humane Knorpelzellkultur im Bioreaktor, 12 Stunden

Dragoo JL. AJSM 2012

Einzeldosis: 0,5% ohne Einfluss; 0,75% toxisch

Humane Knorpelzellkultur, 1 Stunde

Breu A. Anesth Analg 2013

Lokale Anästhetika wie Bupivacain gelten in der Regel als Wirkstoff mit geringen Nebenwirkungen. Dennoch sind mehrere toxische Effekte der lokalen Anästhetika in der Literatur beschrieben, wie sofortige oder verzögerte Hyperästhesie, Myotoxizität und kardiale sowie zentralnervöse Toxizität ([Mather, 2001]; Knudsen 1997; Boren 2007). Fälle von kardialer Toxizität nach einmaliger intraartikulärer Applikation von lokalem Anästhetikum sind publiziert, obwohl die Plasmakonzentration von Bupivacain nach intraartikulärer Injektion deutlich niedriger liegt als bei Konzentrationen mit assoziierter systemischer Toxizität (Sullivan 1994; Katz 1988; Convery 2001).