Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2013; 48(10): 616-621
DOI: 10.1055/s-0033-1358625
Fachwissen
Intensivmedizin Topthema: Respiratorentwöhnung
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Respiratorentwöhnung – Definition und klinischer Kontext aus Sicht der Neurologie

Weaning – Defintion and clinical context from the neurologist's view

Authors

  • Wolfgang Müllges

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Publication History

Publication Date:
05 November 2013 (online)

Abstract

Allgemeine Voraussetzungen zum und Abbruchkriterien im Weaning gelten auch für neurologische Patienten. Besonderheiten betreffen die fast regelmäßig vorkommenden Atemmusterstörungen bei zentralen Hirnläsionen, die durch adaptive Respiratoreinstellung und Medikamente aber meist auch im Weaning zu beherrschen sind. Akute neuromuskuläre Krankheiten remittieren entweder spontan oder unter Therapie. Im Weaning erlangen Parameter der Atemmuskelkraft besondere Bedeutung. Der Schluckakt bedarf vor und nach Extubation besonderer Untersuchung. Bei degenerativen neuromuskulären Erkrankungen dürfen weitere Therapieplanungen in Richtung terminales Weaning oder Überleitung in Heimbeatmung erst nach exakter Diagnose und umfassender Patienteninformation stattfinden.

Special conditions in neurologic patients arise, first, from abnormal breathing patterns with brain lesions. These however may be managed effectively by adaptive ventilator settings together with special drugs thus not ultimatively precluding weaning. Second, failure of respiratory muscle strength is a leading cause of weaning failure. In acute neuromuscular diseases during the weaning process special attention should be payed to the parameters of muscle strength, and for disturbances of swallowing at least after extubation. In degenerative terminally decompensated neuromuscular disease, an exact diagnosis and information is essential to help the patient in decision-making towards terminal weaning or long-term home ventilatory support.

Kernaussagen

  • Gängige Weaningkriterien gelten auch für Patienten neurologischer Intensivstationen.

  • Besonderheiten dieser Patientengruppe sind Atemmusterstörungen und Versagen der Atempumpe.

  • Zu den häufigsten Atemmusterstörungen aufgrund zentraler Hirnläsionen gehören Cheyne-Stokes-Atmung, zentrale Tachypnoe und zentrale Bradypnoe. In diesen Fällen lassen sich Weaningprobleme meist durch adaptive Respiratoreinstellung und Medikamentengabe lösen.

  • Systemische Erkrankungen von Nerven, Muskeln und motorischer Endplatte können zu einem Versagen der Atemmuskelpumpe führen.

  • Akute neuromuskuläre Krankheiten remittieren entweder spontan oder unter Therapie.

  • Bei muskelschwachen Patienten sind Parameter der Atemmuskelkraft von besonderer Bedeutung.

  • Zur Abschätzung des Aspirationsrisikos muss dem Schluckakt vor und nach Extubation besondere Beachtung geschenkt werden.

  • Exakte Diagnose und umfassende Patienteninformation sind bei degenerativen neuromuskulären Erkrankungen Voraussetzung für terminales Weaning oder eine Überleitung in Heimbeatmung.

Ergänzendes Material