Klinikarzt 2014; 43(09): 434
DOI: 10.1055/s-0034-1390192
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Metastasiertes kolorektales Karzinom: Optimal behandeln – Aflibercept – im klinischen Alltag als wirksam und gut handhabbar etabliert

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Publication Date:
01 October 2014 (online)

 
 

Das Fusionsprotein Aflibercept, das in Kombination mit dem FOLFIRI-Regime (5-FU / FS / Irinotecan) eingesetzt wird, hat sich im klinischen Alltag als wirksame und gut handhabbare Zweitlinientherapie für Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom etabliert, erläuterte PD Dr. Sebastian Stintzing, Comprehensive Cancer Center am Klinikum Großhadern, München. Die Kombination mit Aflibercept ist nach Oxaliplatin-haltiger Vorbehandlung eine wichtige Therapieoption. Dies zeige auch die klinische Erfahrung.

Breites Einsatzspektrum nach Oxaliplatin-Vorbehandlung

Ein großer Vorteil von Aflibercept ist das breite Einsatzspektrum nach Oxaliplatin-Vorbehandlung. Unerheblich ist, ob Oxaliplatin im Rahmen der adjuvanten oder ersten metastasierten Therapielinie eingesetzt wurde. Beide Indikationen sind durch den Zulassungsstatus abgedeckt. Ebenso kann Aflibercept unabhängig vom RAS-Mutationsstatus eingesetzt werden. Darüber hinaus spielt es keine Rolle, ob die Patienten bereits mit Bevacizumab vorbehandelt sind oder nicht. Aflibercept+FOLFIRI kann daher sowohl nach alleiniger Oxaliplatin-haltiger Chemotherapie als auch nach zusätzlicher anti-EGFR- oder anti-VEGF-Therapie eingesetzt werden. Das Nebenwirkungsspektrum liegt laut Stintzing deutlich niedriger als aufgrund der Zulassungsstudie zu erwarten war, was auf die zunehmende Erfahrung und den individuellen Umgang mit Aflibercept + FOLFIRI zurückzuführen sei.


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Aflibercept wirkt unabhängig von einer Bevacizumab-Vorbehandlung

Stintzing erinnerte daran, dass Aflibercept + FOLFIRI in der Zulassungsstudie VELOUR [ 1 ] das Sterberisiko der Patienten um knapp 20 % gegenüber der alleinigen Behandlung mit FOLFIRI (HR 0,817; p = 0,0032) reduzierte – dies, unabhängig davon, ob die Patienten zusätzlich zu Oxaliplatin mit Bevacizumab vorbehandelt waren. Trotz bereits metastasierter und rezidivierter Erkrankung sind die Überlebenskurven bislang nicht zusammengelaufen. Im Gegenteil: Der Unterschied zum Kontrollarm hat sich nach über 18 Monaten Nachbeobachtungszeit weiter vergrößert. „Dies ist bislang einzigartig in der metastasierten Situation“, betonte Stintzing. Beeindruckend sei auch, dass fast 20 % der primär inoperablen Patienten eine objektive Tumorrückbildung erzielten (19,8 v. 11,1 Monate; p = 0,0001). Diesen Patienten biete Aflibercept die Chance, den Tumor operativ zu entfernen.


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Gut handhabbar im klinischen Alltag

Die klinische Erfahrung und die beiden internationalen multizentrischen Phase IIIb / IV-Studien ASQoP- und AFEQT [ 2 ], [ 3 ], in denen die Verträglichkeit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität im Fokus stehen, belegen die hohe Praxistauglichkeit der Kombination Afliber-cept + FOLFIRI. Anders als in der Zulassungsstudie waren hier individuelle Dosismodifikationen erlaubt. Eine gepoolte Auswertung beider Studien, die sich auf die Subgruppe der Patienten ≥ 65 Jahre sowie auf die mit Bevacizumab vorbehandelten Patienten bezieht, zeigt, dass jeweils weniger Grad 3–4-Nebenwirkungen auftraten als in der Zulassungsstudie. Besonders auffällig war die deutlich niedrigere Rate an Grad 3–4-Diarrhöen, die in beiden Subgruppen bei etwa 10 % lag im Vergleich zu 20–24 % in der jeweils identischen Subgruppe der VELOUR-Studie.


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Aflibercept+FOLFIRI wirkt unabhängig vom Zeitpunkt des Progresses

Die gute Wirksamkeit von Aflibercept / FOLFIRI war laut Stintzing in der Zulassungsstudie bereits an einem „vergleichsweise wenig selektierten Patientenkollektiv“ gezeigt worden. So waren in der VELOUR-Studie beispielsweise auch Patienten mit schnellem Progress auf die (adjuvante) Vorbehandlung eingeschlossen – anders als in der TML-Studie [ 4 ]. In der TML-Studie wurden mit Bevacizumab vorbehandelte Patienten nach Progress mit und ohne Bevacizumab weiterbehandelt (treatment beyond progression). In der VELOUR-Studie wurden Patienten, die innerhalb von 6 Monaten oder kürzer progredient waren – sogenannten „Rapid-Progressors“ – zu 10 % eingeschlossen. Rechnet man die „Rapid-Progressors“ aus der VELOUR-Studie heraus, vergrößert sich der signifikante mediane Überlebenszeitgewinn von 1,44 Monaten (Gesamtkollektiv) auf 1,87 Monate (HR 0,779). In der Subgruppe der mit Bevacizumab vorbehandelten Patienten stieg der mediane Überlebenszeitgewinn sogar von 0,8 Monaten auf 2,1 Monate [ 5 ]. Besonders deutlich profitierten jene Patienten, die nach vorangegangener Bevacizumab-Gabe sehr lange (> 9 Monate) ohne Progress geblieben waren [ 6 ].

In einer weiteren Post-Hoc-Analyse [ 7 ] profitierten alle Patienten von der Aflibercept-Gabe in der Secondline unabhängig vom progressionsfreien Überleben in der Firstline. Selbst Patienten mit sehr kurzem oder mittlerem PFS (PFS < 3 Monate oder PFS 3–6 Monate) hatten einen Nutzen von der Therapie mit Aflibercept mit einer Risikoreduktion für ein Fortschreiten der Erkrankung um 30 % gegenüber Placebo (HR von 0,70). Diese Analyse bestätigt erneut die konsistenten Ergebnisse, die Patienten bei Gabe einer Aflibercept-Kombinations-Therapie erzielen konnten.

Aflibercept + FOLFIRI ist im klinischen Alltag eine wirksame und gut verträgliche Therapieoption für die Zweitlinienbehandlung von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom. Dies gilt unabhängig vom Zeitpunkt des Progresses, der Dauer der progressionsfreien Zeit unter der Firstline-Therapie, einer Bevacizumab-Vortherapie und dem Alter der Patienten. Aflibercept + FOLFIRI kann unabhängig vom RAS-Mutationsstatus eingesetzt werden.

Quelle: Pressemitteilung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a.M.


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  • Literatur

  • 1 van Cutsem E et al. JCO 2012; 30: 3499-3506
  • 2 Bordonaro R et al. ASCO-GI 2014; #545
  • 3 Ferry D et al. ASCO-GI 2014; #556
  • 4 Bennouna J et al. Lancet 2013; 14: 29-37
  • 5 van Cutsem E et al. ESMO 2013; Amsterdam, #2260
  • 6 Hoff PM et al. ASCO 2014; #3639
  • 7 Mitchell E et al. Ann Oncol 2014; 25 (Suppl. 02) Poster 0226

  • Literatur

  • 1 van Cutsem E et al. JCO 2012; 30: 3499-3506
  • 2 Bordonaro R et al. ASCO-GI 2014; #545
  • 3 Ferry D et al. ASCO-GI 2014; #556
  • 4 Bennouna J et al. Lancet 2013; 14: 29-37
  • 5 van Cutsem E et al. ESMO 2013; Amsterdam, #2260
  • 6 Hoff PM et al. ASCO 2014; #3639
  • 7 Mitchell E et al. Ann Oncol 2014; 25 (Suppl. 02) Poster 0226