Klinikarzt 2014; 43(09): 435
DOI: 10.1055/s-0034-1390195
Forum der Industrie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Phytotherapeutische Alternative zu Prokinetika – Wirksame pflanzliche Alternative zu MCP

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Publication Date:
01 October 2014 (online)

 
 

Eine funktionelle Dyspepsie geht über mindestens 12 Wochen mit wiederholtem Schmerz oder Unwohlsein im Oberbauch einher, ohne dass eine organische Ursache feststellbar ist. Zirka 15–20 % der allgemeinen Bevölkerung erkranken im Laufe eines Jahres an einer Dyspepsie [ 1 ]. Obwohl die Krankheit nicht lebensbedrohlich ist, beeinflusst sie doch oft die Lebensqualität der Betroffenen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Vor allem bei Beschwerden wie frühem Sättigungs- und Völlegefühl werden oft Prokinetika wie Metoclopramid (MCP) verabreicht. Ihr Einsatz ist jedoch durch Neben- und Wechselwirkungen eingeschränkt.

Zulassung für MCP-Tropfen zurückgenommen

Im April dieses Jahres erfolgte der Rückruf von MCP-Tropfen (Wirkstoffgehalt > 1 mg / ml). MCP wurde seit mehr als 30 Jahren bei Motilitätsstörungen als Prokinetikum eingesetzt, fand aber auch bei schweren Formen von Übelkeit und Erbrechen Anwendung. MCP fördert die Freisetzung von Acetylcholin, blockiert zentral und peripher D2-Rezeptoren, reduziert die nicht adrenerge und die nicht cholinerge Innervation und sensitiviert muskarinerge Rezeptoren. Angesichts dieser Eingriffe in die nervale Regulation kommt es auch zu entsprechenden Nebenwirkungen wie akuten extrapyramidalen motorischen Störungen und zur irreversiblen tardiven Dyskinesie. Zwar sind metoclopramidhaltige Tabletten, Zäpfchen und Injektionslösungen weiterhin verfügbar und unter Beachtung der Indikation (z. B Zytostatika-Erbrechen) verordnungsfähig, da das Nebenwirkungsrisiko aber mit der Anwendungsdauer steigt, sollten MCP-haltige Präparate nicht mehr zur Dauerbehandlung chronischer Erkrankungen, wie z. B. der funktionellen Dyspepsie, eingesetzt werden. Die neue Lage wirft die Frage nach therapeutischen Alternativen auf.


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Phytotherapie zur Regulierung der gastrointestinalen Motilität

Ein Phytotherapeutikum, das seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt wird, um unter anderem die gastrointestinale Motilität bei funktioneller Dyspepsie günstig zu beeinflussen, ist Iberogast® (STW5). Das pflanzliche Kombinationspräparat enthält einen Frischpflanzenauszug aus der Bitteren Schleifenblume (Iberis amara) und alkoholische Auszüge aus Menthae piperitae (Pfefferminzblätter), Matricariae flos (Kamillenblüten), Chelidonii herba (Schöllkraut), Liquirtiae radix (Süßholzwurzel), Cardui mariae fructus (Mariendistelfrüchte), Angelicae radix (Engelwurz), Melissae folium (Melissenblätter) und Carvi fructus (Kümmel). Die 9 aufeinander abgestimmten Heilpflanzen können sowohl die Motilität als auch die Hypersensitivität modulieren und haben antientzündliche, antioxidative, säurehemmende und gastroprotektive Eigenschaften. Das Multi-Target-Therapeutikum kann den Fundus entspannen und erweitern und damit die Volumenadaptation des Magens erhöhen. Gleichzeitig kann das Antrum in seiner Funktion als Magenpumpe aktiviert werden, sodass es zu einem geregelten Transport des Mageninhalts in den Dünndarm kommt. Damit kann der Magendruck verringert werden. Außerdem zeigt die Kombination am unteren Ösophagussphinkter eine tonisierende Wirkung, die vor allem Sodbrennen günstig beeinflussen kann.


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Wirksamkeit in Studien belegt

Die Wirksamkeit des Phytotherapeutikums wurde in 5 placebokontrollierten Studien und 2 Metaanalysen bei Funktioneller Dyspepsie eindeutig belegt. Eine retrolektive, epidemiologische Kohortenstudie unter der Leitung von Prof. Richard Raedsch, Wiesbaden [ 2 ], untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Phytopharmakons bei funktioneller Dyspepsie im Vergleich zu MCP. Primäres Zielkriterium der Studie war die Symptomfreiheit bei 10 dyspeptischen Symptomen eines validen gastrointestinalen Symptomscores (GIS) wie beispielsweise epigastrische Schmerzen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Übelkeit oder Sodbrennen. Dabei waren 490 Patienten mit Iberogast® behandelt worden, 471 Patienten mit MCP.

Die Auswertung der Erhebung unter Praxisbedingungen ergab eine vergleichbare bis höhere Effektivität des pflanzlichen Arzneimittels – vor allem hinsichtlich Beschwerdefreiheit, Beschwerdedauer und Lebensqualität. Bei fast allen Symptomen konnte sogar eine signifikante Überlegenheit gegenüber MCP ausgewiesen werden (Abb. [ 1 ]). Zudem zeigte das Phytotherapeutikum eine deutlich bessere Verträglichkeit: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden im Rahmen der Untersuchung ausschließlich unter MCP dokumentiert [ 2 ]. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit unter Iberogast® war mit 1 Tag im Median um 2 Tage kürzer als unter MCP-Therapie. Auch von den behandelnden Ärzten wurde die Verträglichkeit des pflanzlichen Arzneimittels als besser beurteilt.

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Abb. 1 Bei fast allen Symptomen konnte eine signifikante Überlegenheit gegenüber MCP ausgewiesen werden.

Tanja Stumpp, Stuttgart

Der Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von STEIGERWALD Arzneimittelwerk GmbH, Darmstadt.


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  • Literatur

  • 1 Leew KJ et al. Best Pract Res Clin Gastroenterol 2004; 18: 707-716
  • 2 Raedsch R et al. Z Gastroenterol 2007; 45: 1041-1048

  • Literatur

  • 1 Leew KJ et al. Best Pract Res Clin Gastroenterol 2004; 18: 707-716
  • 2 Raedsch R et al. Z Gastroenterol 2007; 45: 1041-1048

 
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Abb. 1 Bei fast allen Symptomen konnte eine signifikante Überlegenheit gegenüber MCP ausgewiesen werden.