Dialyse aktuell 2014; 18(08): 410-411
DOI: 10.1055/s-0034-1394349
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Träger der Franz-Volhard-Medaille 2014
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Publication Date:
05 November 2014 (online)

 
 

Die Franz-Volhard-Medaille dient der Würdigung langjähriger, herausragender Leistungen auf dem Gebiet der Nieren- und Hochdruckerkrankungen und ist die höchste Auszeichnung, die die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie vergibt. Auf dem diesjährigen Nephrologiekongress wurde sie an 2 renommierte Nierenpathologen verliehen.

Im Folgenden werden die beiden Preisträger 2014 vorgestellt, die auf dem Kongress für Nephrologie (Abb. [ 1 ]) ausgezeichnet wurden.

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Abb. 1 Der 6. Kongress für Nephrologie fand vom 06.–09.09.2014 in Berlin statt.

Prof. Dr. Michael J. Mihatsch

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Prof. Michael J. Mihatsch

Prof. Mihatsch wurde 1943 in Gleiwitz geboren. Die Schulen besuchte er bis zum Abitur 1963 in Duisburg. Von 1963–1968 studierte er Humanmedizin an den Universitäten Bonn und Freiburg. Die Promotion zum Dr. med. erfolgte 1970 an der Universität Freiburg. Die Weiterbildung zum Facharzt für Pathologie sowie die Spezialisierung in Nierenpathologie erfolgte am Institut für Pathologie der Universität Basel unter Leitung von H. U. Zollinger.

1978 habilitierte er sich im Fach Pathologie. Die Ernennung zum Abteilungsleiter für Nierenpathologie erfolgte 1984, die Ernennung zum Extraordinarius 1985. 1988 übernahm er die Leitung des Instituts und 1989 erfolgte die Wahl zum Ordinarius für Pathologie. Von 1998–2000 war er Medizinischer Koordinator (Medizinischer Direktor) am Kantonsspital Basel. Anschließend war er Vizedekan für Nachwuchsförderung bis 2005. Seit 1990 war er bereits Präsident der Nachwuchskommission des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität Basel. 2007 wurde er emeritiert. Von 2007–2013 wirkte er als Chairman der Arbeitsgruppe für Nierenpathologie der Europäischen Gesellschaft für Pathologie und wurde 2009 zu deren Ehrenmitglied.

Seit seiner Dissertation (Nierentransplantation beim Hund) liegen seine Forschungsinteressen auf dem Gebiet der Nierenerkrankungen. Zuerst stand die Ultrastrukturpathologie der glomerulären Nierenerkrankungen im Zentrum, dann die Pathogenese der Phenacetinniere, später die Pathologie der Calcineurin-Inhibitor-Toxizität und diverse Teilaspekte der humoralen und zellulären Transplantatabstoßung, zuletzt auch die Polyomavirus-Nephropathie. Weiterhin galt sein Interesse der Tumorpathologie von Niere, Harnwegen und Prostata. In der Pubmed-Datenbank sind bis 2014 über 500 Publikationen als Autor und Koautor verzeichnet. Dazu kommen die 2 Bücher „Renal Pathology in Biopsy“ (1978; zusammen mit H. U. Zollinger) und das „Das Analgetika-Syndrom“ (1986) als Herausgeber.

1978 gründete er zusammen mit W. Romen die informelle Arbeitsgruppe „Junge Niere“. 2004 konnte er zusammen mit W. Boesken und H.-P. Marti den Kongress der Gesellschaft für Nephrologie in Basel ausrichten. Den Franz-Volhard-Preis des Jahres 1986 erhielt er zusammen mit G. Thiel und B. Ryffel für Arbeiten zum Thema der Ciclosporintoxizität. 2010 erhielt er den Life Career Achievement Award der Renal Pathology Society.


Prof. Dr. Udo Helmchen

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Prof. Udo Helmchen

Der Lebenslauf von Prof. Helmchen enthält folgende Stationen:

  • geboren 1939 in Schneidemühl/Westpreußen

  • 1959–1964 Studium der Humanmedizin in Tübingen, Hamburg und Bonn

  • 1964/65 Medizinalassistent, danach 1966–1973 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Pathologie der Universität Tübingen (Direktor: Prof. Dr. A. Bohle), 1966 unterbrochen durch einen 6-monatigen Forschungsaufenthalt am Institut de pharmacologie de l`Université Lausanne (Schweiz; Direktor: Prof. Dr. G. Peters)

  • 1967 Promotion und 1973 Habilitation an der Universität Tübingen

  • 1974/75 Forschungsstipendiat der DFG an der Research Division der Cleveland Clinic Foundation, Cleveland/Ohio (USA).

  • anschließend Oberarzt am Institut für Pathologie, Universität Tübingen

  • 1978 Berufung an die Universität Göttingen und dort Direktor des Institutes für Pathologie I bis 1988

  • 1989–2004 Direktor des Institutes für Pathologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

  • 1993 Präsident der Gesellschaft für Nephrologie (GfN)

  • 2001 Gründung einer privaten „Stiftung zur Förderung der Nierenforschung“ im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

  • ab 2005 Leiter des überregionalen Nierenregisters am UKE

  • 2012 Übergabe des Nierenregisters an den Nachfolger, Prof. Dr. Th. Wiech

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In zahlreichen Original- und Buchbeiträgen veröffentlichte experimentelle Arbeiten zur Pathogenese der arteriellen Hypertonie bildeten den Forschungsschwerpunkt der 1970er- und 1980er-Jahre. Sie führten u. a. zu dem Konzept des relativen Reninismus als pathogenetischem Prinzip auch und gerade unter norm-reninämischen Bedingungen – heute eine Erklärung der Wirksamkeit verschiedener Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems auch bei essenziellen Hypertonikern mit „normalen“ Reninwerten.

Parallel dazu durchgeführte morphologische Untersuchungen galten der Pathogenese verschiedener Nephrosklerosetypen und -stadien. So konnten die sog. benigne Nephrosklerose und ihre z. T. irreversiblen fokalen glomerulären und tubulären Folgeschäden auf oft nur kurz die Autoregulationsgrenze überschreitende systolische Hochdruckspitzen zurückgeführt werden. Zusammen mit der Göttinger Arbeitsgruppe von W. Creutzfeld wurde die Toxizität von Ciclosporin A für die B-Zellen des Pankreas und damit eine der möglichen Ursachen des Post-Transplantations-Diabetes experimentell aufgedeckt.

Einen zweiten und ständigen Schwerpunkt bildete die Verbesserung der Nierenbiopsiediagnostik. Die bereits Ende der 1970er-Jahre in Göttingen eingeführte, damals vor allem von Pathologen für überflüssig gehaltene Tripeldiagnostik mit im Einzelfall obligater Lichtmikroskopie, Immunhistochemie und Elektronenmikroskopie hat sich bei der Differenzierung renaler Erkrankungen inzwischen auch international durchgesetzt. Gegenwärtig setzt Prof. Helmchen seine Forschungsarbeiten im Rahmen einer von der DFG am UKE eingerichteten Klinischen Forschergruppe (KFO 228, Sprecher Prof. Dr. R.A.K. Stahl) zur immunhistochemischen Differenzierung der membranösen Glomerulonephritis fort.

Pressestelle der DGfN





 
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Abb. 1 Der 6. Kongress für Nephrologie fand vom 06.–09.09.2014 in Berlin statt.
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