Senologie - Zeitschrift für Mammadiagnostik und -therapie 2015; 12(01): 31-43
DOI: 10.1055/s-0034-1399299
Übersicht
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mammakarzinom Update 2014 – Die Patientin und der Tumor im Mittelpunkt

Breast Cancer Update 2014 – Focus on the Patient and the Tumour
N. Maass
1  Department of Gynecology and Obstetrics, University Hospital Aachen, Aachen
,
F. Schütz
2  Frauenklinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
P. A. Fasching
3  Department of Gynecology and Obstetrics, University Hospital Erlangen, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN, Erlangen
,
T. Fehm
4  Department of Gynecology and Obstetrics, University Hospital Düsseldorf, Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Düsseldorf
,
W. Janni
5  Frauenklinik, Klinikum der Universität Ulm, Ulm
,
S. Kümmel
6  Brustzentrum, Kliniken Essen Mitte, Evang. Huyssens-Stiftung/Knappschaft GmbH, Essen
,
H.-C. Kolberg
7  Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Marienhospital Bottrop, Bottrop
,
D. Lüftner
8  Medizinische Klinik und Poliklinik II, Campus Charité Mitte, Berlin
,
M. Wallwiener
2  Frauenklinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
,
M. P. Lux
3  Department of Gynecology and Obstetrics, University Hospital Erlangen, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN, Erlangen
› Author Affiliations
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Korrespondenzadresse

Prof. Peter A. Fasching, MD
University Hospital Erlangen, Department of Gynecology and Obstetrics
Universitätsstraße 21–23
91054 Erlangen

Publication History

Publication Date:
26 March 2015 (online)

 

Zusammenfassung

Die Therapie von Patientinnen mit Mammakarzinom hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich weiterentwickelt. Das Verständnis um die molekulare Biologie der Tumoren und Patientinneneigenschaften haben die jüngsten Entwicklungen geprägt. In diesem Review werden die neuesten Erkenntnisse zur Therapie des Mammakarzinoms dargestellt. Hierbei gibt es sowohl auf dem Gebiet der Anti-HER2-Therapie als auch bei der Behandlung von triple-negativen und hormonrezeptorpositiven Patientinnen neue Tests und Therapien. Das Verständnis um Prognose und Therapieansprechen auf Chemotherapien definiert nach und nach Patientinnengruppen, die nicht auf eine Chemotherapie ansprechen oder die keine Therapie benötigen, weil die Prognose außerordentlich gut ist. Auf dem Gebiet der Anti-HER2-Therapie wird weiterhin an Medikamenten gearbeitet, die bei einer Trastuzumab-Resistenz geeignet sind, diese zu überwinden. Für hormonrezeptorpositive Karzinome wird besser verstanden, welche Therapiegruppen von welchen antiendokrinen Medikamenten profitieren, und welche eine eventuelle Resistenz überwinden können (Behandlung des PI3K-Pathways, Inhibition des Zellzyklus). Molekulare Tests befinden sich weiterhin in der Evaluation, in welchen klinischen Situationen sie den größten Nutzen für Therapieentscheidungen bringen können, jedoch wächst die Evidenz, in welchen Bereichen eine gute Aussage über die Prognose gewonnen werden kann. Insgesamt muss daran gearbeitet werden, das Verständnis für die neuen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie zu fördern und Ärzte und Patientinnen gleichermaßen in die Ausbildung mit einzubeziehen.


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Abstract

The therapy for patients with breast cancer has developed markedly in the past ten years. Our understanding of the molecular biology of tumours and the characteristics of the patients has shaped the recent advances. In this review we present the latest knowledge about the therapy for breast cancer. There are new tests and options not only in the field of anti-HER2 therapy but also in the management of triple negative and hormone receptor-positive patients. Comprehension of prognosis and therapeutic response to chemotherapies is little by little helping to define patient groups who will not respond to chemotherapy or who do not need treatment because their prognosis is extremely good. In the field of anti-HER2 therapy, work is continuing on the development of drugs suitable for and able to overcome trastuzumab resistance. For hormone receptor-positive cancers, we now have a better understanding of which therapy groups will benefit from which anti-endocrine drugs, and which will be able to overcome a possible resistance (treatment of the PI3K pathways, inhibition of the cell cycle). Molecular tests are still being evaluated with regard to the clinical situations in which they may have the greatest relevance for therapeutic decision-making; however, evidence is also increasing as to the fields in which good predictions for the prognosis can be obtained. On the whole, more work is needed to promote our understanding of the new developments in diagnostics and therapy and to involve both physicians and patients equally in the procedures.


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Einleitung

In den letzten Jahren fokussiert sich die Detektion und Behandlung des Mammakarzinoms immer mehr auf individuelle Patientinnen- und Tumoreigenschaften [1] [2]. Grundlage hierfür ist das umfangreiche Wissen um die Molekularbiologie der Patientinnen und des Tumors. Dies konnte bei einer immer noch hohen Inzidenz zu einer Reduktion der Mortalität führen [3]. Im Folgenden sollen die aktuellen Entwicklungen auf der Basis neuer Erkenntnisse der letzten Kongresse (ASCO 2014, ESMO 2014 und San Antonio Breast Cancer Symposium 2014) und der neuesten Publikationen dargestellt werden.


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Neoadjuvante Therapien

Die neoadjuvante oder primär systemische Therapie (PST) ist mittlerweile ein Standard in der Behandlung des Mammakarzinoms. Dabei hat sich die ursprüngliche Hauptrolle in Form der Verkleinerung des Tumors für eine bessere Operabilität grundlegend verändert. Immer wichtiger sind tumorbiologische und an das Therapieansprechen adaptierte Kriterien in der Auswahl der Behandlung [4] [5]. Die Bewertung der pathologischen Komplettremission (pCR) als Marker für das Überleben muss ebenfalls immer differenzierter betrachtet werden [6] [7]. So zeigt sich mit zunehmend aggressiverer Tumorbiologie ein Effekt zugunsten eines besseren Überlebens in Abhängigkeit von der pCR [8]. Aber selbst in der Gruppe der triple-negativen Karzinome (TNBC) ist dieser eventuell vom BRCA-Mutationsstatus abhängig [9]. Ein weiterer Aspekt ist, dass lokale Therapiealgorithmen, z. B. Mastektomieraten, Sentinel-Lymphonodektomie (SNB) und Radiatio, bisher noch nicht ausreichend an die o. g. Behandlungskriterien adaptiert sind [10].

Eine immer wiederkehrende Frage in der Behandlung des TNBC ist die nach der Bedeutung einer platinhaltigen Chemotherapie. Erste Analysen und präklinische Daten konnten eine deutlich höhere Effektivität für DNA-schädigende Zytostatika nachweisen [11]. Im Rahmen der GeparSixto-Studie [12] wurden u. a. 315 triple-negative Mammakarzinome mit oder ohne Carboplatin behandelt. Es zeigte sich eine signifikant erhöhte pCR-Rate durch die Hinzunahme von Carboplatin (53,2 %; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 54,4 – 60,9 vs. 36,9 %; 95 %-KI: 29,4 – 44,5; p = 0,005). Demgegenüber konnte in der Subgruppe mit HER2-positiver Tumorbiologie dieser Effekt nicht nachgewiesen werden [12]. Bei einer weiteren Betrachtung zeigte sich in der Subgruppe mit positiver Familienanamnese hinsichtlich eines Mamma- oder Ovarialkarzinoms eine Erhöhung der pCR-Rate um 26 % [13], in der Subgruppe mit BRCA1 / BRCA2/RAD51-Keimbahnmutation um 23 % und ohne die o. g. Zusatzkriterien um lediglich 11 % [13]. In einer israelischen Studie mit wenigen triple-negativen Mammakarzinompatientinnen (n = 80) wurde allerdings gezeigt, dass die pCR kein Surrogatmarker für das Überleben bei Patientinnen mit einer BRCA-Mutation ist [9]. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die signifikante Verbesserung der pCR durch die Hinzunahme des Carboplatins bei Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom und einer vorhandenen Mutation oder positiver Familienanamnese sich ebenfalls auf das Gesamtüberleben auswirken wird [13].

In der neoadjuvanten Situation sind anthrazyklin-und taxanhaltige Therapien Standard in der Behandlung. Das am häufigste verwendete Therapieschema ist für die taxanhaltige Therapie die wöchentliche Applikation von Paclitaxel. Im Rahmen der GeparSepto-Studie wurde im experimentellen Arm Nab-Paclitaxel ebenfalls wöchentlich verglichen [14]. Die Rationale kommt von den Daten in der metastasierten Situation, wo sich eine verlängerte progressionsfreie Zeit von Nab-Paclitaxel im Vergleich zum Docetaxel zeigte [15]. Zusätzlich wurden die Taxane im Studiendesign Upfront, vor der üblichen EC-Therapie, verabreicht, um ggf. eine noch höhere pCR-Rate, wie anhand der Daten der Neo-Tango-Studie gezeigt, erzielen zu können [16]. Insgesamt wurden 1204 Patientinnen in die Intention-to-treat-Analyse eingeschlossen. Nach 400 behandelten Patientinnen musste im Rahmen einer Zwischenanalyse die applizierte Dosis von Nab-Paclitaxel von 150 mg/m2 auf 125 mg/m2 reduziert werden. Nach dieser Dosisdeeskalation war u. a. die Rate der peripheren Neuropathie in beiden Armen vergleichbar. Hinsichtlich des primären Endpunkts (pCR; ypT0; ypN0) zeigte sich ein signifikanter Unterschied zugunsten von Nab-Paclitaxel (Nab-Palitaxel 38 % vs. Paclitaxel 29 %; p = 0,001). In der Subgruppenanalyse war dieser Effekt am stärksten bei Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom ausgeprägt (OR: 2,69). Im Follow-up muss sich noch zeigen, ob sich die erhöhte pCR-Rate auch im Gesamtüberleben widerspiegelt.

Nab-Paclitaxel ist bisher nur in der metastasierten Situation zugelassen, findet aber bereits in vielen adjuvanten und neoadjuvanten Studienkonzepten (z. B. ADAPT-Umbrella-Programm) Anwendung.


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Operative Therapien

Sentinel-Lymphknoten-Entfernung bei Patientinnen mit einer neoadjuvanten Chemotherapie

Die Entwicklung der operativen Therapie war in den letzten Jahren im Wesentlichen geprägt von einer Zunahme der Möglichkeiten für rekonstruktive Chirurgie im Rahmen von ablativen Mammaoperationen, aber vor allem auch einer zurückgehenden Invasivität des Axilla-Stagings, welches im letzten Jahr von der Kommission Mamma der Arbeitsgruppe für gynäkologische Onkologie (AGO-Mamma) auch im Kontext mit der PST nochmals neu positioniert wurde [17].

Ein besonderes Kollektiv stellen die Patientinnen dar, die vor Beginn einer neoadjuvanten Chemotherapie befallene axilläre LK aufweisen (cN1). Im klinischen Alltag hat sich die prätherapeutische Sicherung mittels Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie zur histologischen bzw. Feinnadelaspiration zur zytologischen Bestimmung des Nodalstatus durchgesetzt. Gerade vor dem Hintergrund der Daten der ACOSOG-Z0011-Studie [18] stellt sich die Frage, ob Patientinnen, die eine Komplettremission in der Axilla aufweisen, überhaupt noch von einer axillären Lymphadenektomie profitieren, die mit einer gewissen Morbidität für die Patientinnen vergesellschaftet ist.

Zwei große Studien haben sich dieser Fragestellung angenommen und zwar die deutsche SENTINA-Studie und die ACOSOG Z1071 [19] [20]. In der SENTINA-Studie wurden 4 Kohorten untersucht, um die Wertigkeit der SNB vor und nach einer neoadjuvanten Chemotherapie zu untersuchen. 1022 Patientinnen erhielten eine SNB vor der PST. In dieser Gruppe zeigte sich eine beträchtliche Detektionsrate von 99,1 %. Bei den Patientinnen mit positivem Sentinel-Lymphknoten oder cN1 vor PST wurde versucht, ob eine erneute SNB nach der PST eine adäquate Methode zum Staging der Axilla ist. Hierbei zeigte sich jedoch, dass die Detektionsrate bei nur 60,8 % lag und die Falschnegativrate (FNR) bei 51,6 % [19]. Beide Werte müssen als insuffizient für das Staging betrachtet werden. Jedoch zeigte sich in der Subgruppe von Patientinnen, die zunächst einen positiven Sentinel Node hatten und im Laufe der PST eine klinische Komplettremission im Bereich der Axilla erreichten, eine signifikant bessere Detektionsrate (80,1 %) und niedrigere FNR (14,2 %) [19]. Auch diese FNR ist höher als bei der SNB vor PST. In der Studie zeigte sich, dass die FNR mit der Anzahl entfernter Sentinel-Lymphknoten korreliert. So lag die FNR bei 1 detektierten Sentinel-Lymphknoten bei 24,3 %, bei 2 detektierten Sentinel-Lymphknoten bei 18,5 % und erst bei 3 entfernten Sentinel-Lymphknoten konnte eine FNR unter 10 % erreicht werden, was als Cut-off für die Sensitivität der SNB angesehen wird.

Die ACOSOG-Z1071-Studie zeigte insgesamt sehr ähnliche Ergebnisse [20]. Hier konnte bei 7,1 % der Patientinnen nach PST kein Sentinel-Lymphknoten detektiert werden. In 12 % der Fälle wurde nur 1 Sentinel-Lymphknoten exzidiert, respektive jedoch in über 80 % der Fälle 2 oder mehr. Die Anzahl der exzidierten Lymphknoten scheint in dieser Studie auch an der in 79,1 % der Fälle doppelten Markierung (Farbmarkierung und radioaktive Markierung) des Sentinel zu liegen [20]. Die FNR lag in der Studie bei 12,6 % (bei 2 oder mehr entfernten Sentinel-Lymphknoten). Eine deckungsgleiche Beobachtung zeigte sich jedoch im Zusammenhang zwischen der Anzahl exzidierter Sentinel-Lymphknoten und der FNR. So war die FNR bei einem exzidiertem Sentinel-Lymphknoten 31,5 %, bei 2 Sentinel-Lymphknoten 21,1 %, und erst ab 3 entfernten Sentinel-Lymphknoten lag die FNR unter 10 % [20]. Beide Studien zeigen unabhängig voneinander, dass die FNR nach neoadjuvanter Chemotherapie ungünstiger sind als bei der primären Sentinel-Lymphknoten-Biopsie vor der PST [19] [20].

Die Empfehlungen der AGO-Mamma zeichnen ein entsprechendes Bild der Studiendaten [17]. So empfiehlt die AGO-Mamma [17] bei cN0 eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie vor der Chemotherapie (AGO-Empfehlungsgrad „+“). Bei klinisch positiver Axilla (cN1) vor PST und bei nach Chemotherapie weiterhin klinisch befallenen LK wird eine Axilladissektion empfohlen (AGO-Empfehlungsgrad „+“). Bei den Patientinnen, die eine klinische Komplettremission der Axilla erreichen, wird eine SNB nach PST lediglich mit einem AGO-Empfehlungsgrad „±“, eine axilläre Lymphadenektomie jedoch mit „+“ empfohlen. Bei cN0-Patientinnen vor neoadjuvanter Chemotherapie sollte eine SNB vor der PST erfolgen, da sie mit niedrigeren FNR assoziiert ist [17].

Die Empfehlungen der AGO-Mamma sind in [Tab. 1] zusammengestellt.

Tab. 1

Empfehlungen der AGO-Mamma zur operativen Therapie der Axilla vor und nach neoadjuvanter Chemotherapie, aus [17].

Oxford LoE

Oxford GR

AGO GR

SLNB vor oder nach NACT bei cN0

SLNB vor NACT

SLNB nach NACT

2b

3

B

B

+

±

weitere operative Therapie in Abhängigkeit von SLNB

cN-Status (vor Therapie)

pN-Status (vor Therapie)

cN-Status (nach Therapie)

operatives Vorgehen

cN0

pN0(sn)

nihil

1a

A

+

cN0

pN+(sn) analog ACOSOG Z11[1]

ycN0

ALND

3

B

±

cN0

pN+(sn) nicht analog ACOSOG11

ycN0

ALND

2b

B

+

cN+

cN+ (CNB/FNA)

ycN0

ycN+ (CNB/FNA)

SNB

ALND

ALND

3

2b

2b

B

B

B

±

+

++

NACT: neoadjuvante Chemotherapie; LoE: Level of Evidence; GR: Grade of Recommendation; SLNB: Sentinel-Lymphknoten-Biopsie; ALND: axilläre Lymphadenektomie; CNB: Core-Needle-Biopsie; FNA: Fine Needle Aspiration; ACOZOG: American College of Surgeons Oncology Group.

1 T1 / T2, BET, 1 – 2 SLN pos., Tangentialfeldbestrahlung der Brust



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Weiterentwicklungen bei der Indikation zu einer Mastektomie

Brustkrebspatientinnen werden oft übertherapiert und erhalten eine Mastektomie und/oder eine Chemotherapie. In einer aktuellen Studie wurde gezeigt, dass das lokale Metastasierungsrisiko mit einem Multigentest (PAM50) gemessen werden kann [21] [22] [23] [24]. Beim PAM50-Gentest werden 58 Gene untersucht und analysiert. Die Ergebnisse werden mittels des Risk-of-Recurrence-(ROR-)Score bewertet. Der ROR-Score schließt die verschiedenen Krankheitsparameter ein, um dann das individuelle Risiko zu bewerten. In die Studie wurden 1308 Patientinnen aus der ABCSG-8-Studie eingeschlossen. Insgesamt waren 59 % der Patientinnen unter 65 Jahre alt, 79 % der Patientinnen hatten eine brusterhaltende Therapie (BET) bekommen und 32 % hatten positive Lymphknoten. Basierend auf den Ergebnissen des PAM50-Gen-Tests hatten 72 % einen niedrigen ROR-Score, 68 % waren Luminal Typ A, 28 % waren Luminal Typ B. Nach einer Follow-up-Zeit von 11 Jahren wurden 34 lokale Rezidive beschrieben. Diese Studie hat gezeigt, dass der PAM50-ROR-Score ein prädiktiver Marker für ein lokales Rezidiv, unabhängig von Alter, Tumorgröße oder Lymphknotenstatus, darstellte (p < 0,0002). Bei niedrigem/intermediärem Risiko wurde nur ein Lokalrezidivrisiko von 1,6 % beschrieben. Die multivariate Analyse zeigte, dass die BET auch bei High-Risk-Patientinnen eine Option ist. Die operative Therapie sollte sich zudem an der Tumorbiologie orientieren.

Ähnliche Bestrebungen, die Wahrscheinlichkeit eines Lokalrezidivs vorherzusagen, wurden mit einem anderen Multigentest, dem EndoPredict Score [25] [26] [27] unternommen [28]. Es ist abzusehen, dass sich bei Bestätigung solcher Studienergebnisse molekulare Tests auch bei der Entscheidungsfindung zur lokalen Therapie integrieren werden.


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Adjuvante Therapien

Adjuvante Antihormontherapie in der Prämenopause

Die systemische Therapie des Mammakarzinoms hat sich in den letzten Jahren dahingehend entwickelt, dass einige Patientinnen von einer Chemotherapie profitieren, wobei sich die Indikationsstellung bei zunehmendem Wissen über Prognosegruppen und Therapieansprechen in den letzten Jahren wieder einschränkt. Unbestritten ist jedoch, dass alle hormonrezeptorpositiven Patientinnen eine antiendokrine Therapie erhalten sollten. Hierbei ist das Tamoxifen für prämenopausale Patientinnen sowie Aromatasehemmer und Tamoxifen bei postmenopausalen Patientinnen die Therapie der Wahl.

Für besonderes Interesse haben neuere Daten zur adjuvanten endokrinen Therapie des Mammakarzinoms gesorgt. Als Standard der prämenopausalen Patientin mit endokrin sensiblem Tumor gilt die Therapie mit Tamoxifen für mindestens 5 Jahre. In Abhängigkeit vom Risikoprofil der initialen Erkrankung kann die Therapie mit Tamoxifen um 5 Jahre oder – bei Übergang in die Postmenopause – mit einem Aromatasehemmer erweitert werden [29]. Inwieweit ein Aromatasehemmer in der Prämenopause eingesetzt werden kann, war Gegenstand der TEXT- und der SOFT-Studie [30] [31] [32].

In der SOFT-Studie (Suppression of Ovarian Function Trial) wurden prämenopausale Patientinnen in 3 Studienarme prospektiv randomisiert. Sie erhielten entweder Tamoxifen (Tam), Tamoxifen kombiniert mit GnRH-Analoga zur Suppression der ovariellen Funktion (OFS) oder Exemestan in Kombination mit OFS (E+OFS), für jeweils 5 Jahre. Primäres Studienziel war der Vergleich von Tam vs. Tam + OFS. Durch ein Amendment wurde der Vergleich von Exemestan + OFS mit Tam alleine ein sekundäres Studienziel. 53 % der Studienteilnehmerinnen hatten im Vorfeld eine Chemotherapie erhalten, die verbliebenen Patientinnen wurden ausschließlich endokrin behandelt. Die chemotherapierten Patientinnen hatten erwartungsgemäß eine aggressivere Tumorbiologie (G3 7 % vs. 35 %) und lokal fortgeschrittene Tumoren, z. B. 57 % hatten positive Lymphknoten, dies trat nur bei 9 % in der Gruppe ohne Chemotherapie auf [30].

In der Analyse des krankheitsfreien Überlebens als primäres Studienziel nach einem Median von 5,6 Jahren zeigte sich zwischen Tam und Tam + OFS kein signifikanter Unterschied (84,7 % 5 Jahre krankheitsfreies Überleben vs. 86,6 %) [33]. Die Hinzunahme von Exemestan (E + OFS) zeigte ein signifikant besseres krankheitsfreies Überleben (89 %, HR im Vergleich zu Tamoxifen: 0,68; 95 %-KI 0,53 – 0,86) [33]. Dies spiegelte sich auch in der Analyse der Untergruppe derer Patientinnen wider, die initial keine Chemotherapie erhielten. Hier lag die Rate des brustkrebsfreien Überlebens bei 95,8 % im Tamoxifen-Arm, bei 95,1 % im Tam + OFS-Arm und bei 97,1 % im E + OFS-Arm [33]. Diese Unterschiede waren nicht signifikant. In der Subgruppe der initial chemotherapierten, sehr jungen Patientinnen (jünger 35 Jahre; n = 350) zeigte sich jedoch eine schrittweise Verbesserung im brustkrebsfreien Überleben von 67,7 % (Tam) über 78,9 % (Tam + OFS) zu 83,4 % (E + OFS). Beide Arme mit OFS zeigten signifikant bessere Überlebensraten als Patientinnen, die nur mit Tamoxifen behandelt wurden. Jedoch wurden keine Daten zum Einfluss auf das Gesamtüberleben gezeigt [33].

Die Daten können dahin interpretiert werden, dass für die endokrine Therapie in der Prämenopause bei sehr jungen Patientinnen eine weitere Option, nämlich der kombinierte Einsatz von Exemestan und GnRH-Analoga, zur Verfügung steht. Der erzielte Vorteil durch die Hinzunahme von GnRH-Analoga im brustkrebsfreien Überleben geht aber mit einer höheren Nebenwirkungsrate wie Hitzewallungen, Schwitzen und z. B. trockener Vaginalschleimhaut einher, die scheinbar über die Zeit leicht rückläufig sind.


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Adjuvante Chemotherapie

Neue Daten zur adjuvanten Chemotherapie liegen von der ICE-Studie vor (Ibandronate with or without Capecitabine in Elderly Patients) [34]. Hierbei wurde der klinisch sehr interessante Ansatz untersucht, ob der Einsatz von Capecitabin (2000 mg/m2) den Krankheitsverlauf gerade bei älteren Patientinnen (> 65 Jahren) mit nodalpositivem Mammakarzinom oder Mammakarzinom mit mittlerem Risiko positiv beeinflussen kann, die alle das Bisphosphonat Ibandronat (50 mg tgl. oral, alternativ 6 mg i. v. 4-wöchentlich) erhielten. Bei den im Median 71-jährigen Patientinnen zeigte sich zwischen den Studienarmen kein signifikanter Unterschied bezüglich des krankheitsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens. Positiv hervorzuheben ist, dass in dieser Population das Überleben nach 5 Jahren bei über 87 % lag [34].

Bei über 65-jährigen Patientinnen kann bei Nicht-Niedrigrisiko-Mammakarzinomen durch die Hinzunahme von Ibandronat oral oder intravenös zur ggf. indizierten adjuvanten endokrinen Therapie eine hervorragende 5-Jahres-Überlebensrate erzielt werden. Die zusätzliche Gabe von Capecitabin verbessert die Situation nicht. Offen bleibt die Frage, ob nicht ein anderer Kombinationspartner anstelle des Capecitabin, z. B. 4-mal AC oder 6-mal CMF eine Verbesserung erreicht hätte.

Zwei Fragestellungen zur adjuvanten Chemotherapie wurden in Studien abschließend beantwortet. Zum einen wurde in der B-36-Studie die Äquivalenz von 4-mal AC zu 6-mal FEC100 festgestellt [35]. Es zeigte sich in beiden Behandlungsarmen nach nunmehr 8 Jahren ein krankheitsfreies Überleben von über 82 % [35]. Des Weiteren wurde abschließend nach über 12 Jahren Nachbeobachtung in der Studie E1199 an 4950 Patientinnen die Applikationsfrequenz wöchentlich vs. 3-wöchentlich der beiden Tubulusinhibitoren Pacli- und Docetaxel dargestellt [36]. Als Ergebnis zeigt sich, dass – wie in der klinischen Praxis eingesetzt – die wöchentliche Gabe von Paclitaxel und das 3-wöchige Applikationsschema für Docetaxel gegenüber dem Komparator verbessert ist. In den explorativen Subgruppenanalysen zeigt sich bei den triple-negativen Mammakarzinomen sowohl ein verbessertes krankheitsfreies Überleben als auch Gesamtüberleben für den Einsatz von wöchentlichem Paclitaxel. Wohingegen interessanterweise bei den hormonrezeptorpositiven Mammakarzinomen der Trend zugunsten der 3-wöchentlichen Gabe von Docetaxel beim krankheitsfreien Überleben ausschlägt.

Durch den Äquivalenznachweis von 4-mal AC gegenüber 6-mal FEC können Patientinnen 2 Zyklen Chemotherapie erspart werden, obwohl die modernen Chemotherapieregime ein Taxan beinhalten. Bezogen auf die Taxane können sowohl wöchentlich Paclitaxel – eher für triple-negative Karzinome – oder aber auch die 3-wöchentliche Gabe von Docetaxel – eher für hormonrezeptorpositive Karzinome – durchgeführt werden. Aus der klinischen Praxis heraus wird die wöchentliche Gabe von Paclitaxel von den Patientinnen hinsichtlich der Nebenwirkungen besser vertragen.


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Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms

Chemotherapien bei metastasierten Patientinnen

Im Zeitalter der zielgerichteten Therapien und molekularen Klassifizierungen der Mammakarzinome sind Studien zur reinen Chemotherapie und wirklich neue Errungenschaften in der metastasierten Situation rar geworden. Nach Anthrazyklinen und Taxanen sind Monochemotherapien mit Capecitabin oder Eribulin Standard [17]. In speziellen Fällen, in denen man rasch eine Remission erreichen möchte, werden auch Kombinationschemotherapien notwendig. Hier ist die Datenlage in den späteren Therapielinien schwach. Nun wurde eine Phase-II-Studie zur Kombination von Capecitabin und Eribulin vorgestellt [37]. Patientinnen mit bis zu 3 Vortherapien inklusive Anthrazyklin und Taxan (n = 42) erhielten Capecitabin (2000 mg/m2 KOF), d1 – 14, und Eribulin (1,4 mg/m2 KOF), d1, d8, q21 d. Die Patientinnen erhielten im Median 8 Zyklen. Es zeigte sich eine objektive Ansprechrate (ORR) von 42,9 %, ein klinischer Benefit von 57,1 % und ein progressionsfreies Überleben von 7,2 Monaten (95 %-KI 4,5 – 10,8). In Bezug auf die Toxizitäten aller Grade standen die Neutropenie (81,0 %), Nausea (28,6 %), Diarrhö (19,0 %) und die Alopezie (35,7 %) im Vordergrund. Grad-III- und -IV-Toxizitäten betrafen v. a. nur die Neutropenie (69,0 %). Somit stehen nun Daten für die Kombination mit einer ORR von 42,9 % zur Verfügung. Vergleichbare Phase-II-Studien mit der Monotherapie der Substanzen erbrachten eine ORR von 11,5 % mit Eribulin oder 26,0 % mit Capecitabin [38] [39].

Beim Einsatz von Chemotherapien spielen neben der Lebensqualität auch das Management der Toxizitäten eine bedeutsame Rolle. Der Einsatz von Erythropoetin hat sich aufgrund von Hinweisen auf eine erhöhte Mortalität bei der Therapie von Mammakarzinompatientinnen deutlich zurückentwickelt [40] [41] [42] [43]. Nun wurden die Ergebnisse einer randomisierten Phase-III-Studie zum Einsatz von Epoetin-alfa in der metastasierten Situation präsentiert [44]. Patientinnen mit einem Hb-Wert ≤ 11 g/dl und in der First-Line-Situation erhielten entweder eine Standardchemotherapie (n = 1050) oder die Therapie plus Epoetin alfa (40 000 IU pro Woche; n = 1050). Das progressionsfreie Überleben zeigte sich in beiden Armen mit 7,4 Monaten identisch (HR 1,069; 95 %-KI 0,988 – 1,200) [44]. Auch im Gesamtüberleben konnte kein signifikanter Unterschied beobachtet werden (17,2 zu 17,4 Monate; HR 1,057). Während im Studienarm 5,8 % der Patientinnen eine Transfusion brauchten, waren es im Kontrollarm 11,4 %. Die Thromboserate war im Therapiearm jedoch verdoppelt (2,8 vs. 1,4 %) [44]. Obwohl die Studie keinen Einfluss auf die Mortalität durch den Einsatz von Epoetin nachweisen konnte, betonten die Autoren, dass die Kurven zum PFS und OS sich im Verlauf leicht auseinanderbewegen, sodass ggf. dennoch ein Problem bestehen könnte. Somit sehen sie den Einsatz von Epoetin als möglich, empfehlen jedoch, die Indikation auf anämische Patientinnen in der palliativen Situation zu begrenzen.

Die Therapie der Patientin mit einem triple-negativen Mammakarzinom insbesondere in der metastasierten Situation ist eine Herausforderung. Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom haben früh zerebrale Metastasen und einen raschen Progress unter Chemotherapie. In dieser Situation werden als Chemotherapie zunehmend Platinsalze eingesetzt. Die grundsätzliche Idee dabei ist, dass ca. 10 – 15 % aller TNBC mit einer Mutation im BRCA1/2-Gen assoziiert sind [45] [46] und weitere TNBC eine „BRCAness“ besitzen könnten, d. h. wie ein hereditäres Mammakarzinom reagieren. Im Rahmen einer englischen Studie wurde nun der Einsatz von Carboplatin im Vergleich zu Docetaxel evaluiert [47]. 376 Patientinnen mit einem TNBC haben in der metastasierten oder fortgeschrittenen Rezidivsituation entweder 6 Zyklen Carboplatin (AUC6), q21 d, oder 6 Zyklen Docetaxel (100 mg/m2 KOF), q21 d, erhalten. Der primäre Endpunkt war die ORR nach Zyklus 3 und 6. Das mediane Follow-up lag bei 11,0 Monaten. Insgesamt traten unter dem Docetaxel mehr Nebenwirkungen auf, wie z. B. Fatigue-Syndrom, Neuropathie und v. a. febrile Neutropenien (p < 0,01) und Infektionen. Nach Protokolländerung und Hinzunahme von G-CSF im Docetaxel-Arm konnte die Inzidenz der febrilen Neutropenien reduziert werden. In Bezug auf den primären Endpunkt zeigte sich im Gesamtkollektiv kein signifikanter Unterschied im objektiven Ansprechen (31,4 % unter Carboplatin; 35,6 % unter Docetaxel; p = 0,44). Auch bei den stark vortherapierten Patientinnen war noch ein Ansprechen zu sehen. Das mediane PFS war mit 3,1 Monaten bzw. 4,5 Monaten ohne signifikanten Unterschied (p = 0,29). Das mediane Gesamtüberleben betrug 12,4 bzw. 12,3 Monate. Besonders interessant war die Analyse nach dem Mutationsstatus. BRCA1/2-Mutationsträgerinnen hatten unter Carboplatin mit 68 % ein deutlich besseres Ansprechen als unter Docetaxel mit 33,3 % (p = 0,03) [47]. Auch das PFS war bei den Mutationsträgerinnen durch Carboplatin signifikant um 2 Monate verlängert (6,8 vs. 4,8 Monate; p = 0,03). Die Homologous-Repair-Deficiency-(HRD-)Testung des Tumors, um hier eine BRCAness nachzuweisen, hatte erstaunlicherweise keinen Einfluss auf die Ergebnisse.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, in Zukunft häufiger die genetische Testung bei bereits erkrankten Patientinnen mit einem triple-negativen Mammakarzinom und/oder familiärer Belastung durchzuführen [45], um gezielter Therapien einsetzen zu können – dieses betrifft nicht nur Carboplatin, sondern auch die PARP-Inhibitoren, die bereits in Studien untersucht werden. Aktuell rekrutierende Studien in Deutschland zur metastasierten Situation beim triple-negativen Mammakarzinom sind derzeit die EMBRACA [48] (NCT01 945 775) und die ABRAZO [49] (NCT02 034 916) Studie [50].


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PI3K/mTOR-Inhibition bei metastasierten Patientinnen

Der PI3K/AKT/mTOR-Pathway spielt eine zentrale Rolle für das Überleben der Zelle, das Zellwachstum, die Zellproliferation und -motilität sowie den Zellstoffwechsel [51]. Der Signaltransduktionsweg kann über verschiedene Wege aktiviert werden. Wachstumsfaktoren binden an Rezeptortyrosinkinasen (z. B. HER2, IGFR). Dadurch wird PI3K phopshoryliert und somit der PI3K/AKT/mTOR-Signalweg aktiviert. Inhibitor der PI3K ist das Tumorsuppressorgen PTEN, welches die Aktivierung von AKT verhindern kann. Die Kaskade ist in [Abb. 1] vereinfacht zusammengefasst. Bei vielen Tumoren und somit auch beim Mammakarzinom ist der PI3K/AKT/mTOR-Pathway hyperaktiviert. Ursachen sind einerseits somatische Mutationen in den Genen PTEN, PIK3CA oder AKT. Andererseits kann durch Amplifikationen/Mutationen von Rezeptortyrosinkinasen (z. B. HER2) der Signaltransduktionsweg überaktiviert sein. Bei hormonrezeptorpositiven Mammakarzinomen findet zudem ein intensiver Crosstalk zwischen ER und PI3K-Signaltransduktion statt. Dieser Crosstalk wird für die Entwicklung einer endokrinen Resistenz verantwortlich gemacht [52].

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Abb. 1 Der PI3K-Pathway.

Aufgrund der zentralen Rolle des PI3K/AKT/mTOR-Pathway wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl von zielgerichteten Therapien entwickelt, die eine oder mehrere Schnittstellen dieses Pathways inhibieren. Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung bei den mTOR- und PI3K-Inhibitioren. Als alleinige Monotherapie zeigten diese Substanzen nur eine geringe therapeutische Aktivität [51]. Da der PI3K/AKT/mTOR Pathway für die endokrine Resistenz eine wichtige Rolle spielt, wurden meist Aromataseinhibitoren oder Fulvestrant mit einem Inhibitor des Pathways in Studienkonzepten kombiniert ([Tab. 2]). In der klinischen Routine ist mittlerweile der Einsatz des mTOR-Inhibitors Everolimus mit Exemestan in der First- und Second-Line-Therapie des metastasierten Mammakarzinoms bei (klinisch vermuteter) endokriner Resistenz Standard. Hingegen sind die PI3K-Inhibitoren noch Gegenstand von Phase-I–III-Studien ([Tab. 2]). Bei dieser Substanzgruppe unterscheidet man die pan-PI3K-Inhibitoren der Klasse I, die alle Isoformen der PI3K der Klasse I blockieren (α-δ), von den selektiven PI3K-Inhibitoren, die nur gezielt einzelne Isoformen inhibieren. In der Regel ist meist die Isoform PI3K-α das Target, da dieses Gen am häufigsten Mutationen aufweist ([Tab. 2]) Die gezielte Blockade von PI3K-Isoformen bedarf geringerer Dosen zur Inhibition und bedeutet somit weniger Toxizität. Darüber hinaus verspricht man sich eine höhere Therapieeffektivität [51].

Tab. 2

Aktuelle Studienlandschaft zur mTOR- und PI3K-Inhibition.

Substanz

Inhibition

Phase

n

Kombinationspartner

klinischer Benefit

Everolimus (BOLERO-2)

mTOR

III

724

Exemestane

PFS: 10,6 Monate vs. 4,1 Monate [113]

Tamoxifen (TAMRAD)

mTOR

II

111

Tamoxifen

TTP: 8,6 Monate vs. 4,5 Monate [114]

Everolimus (BOLERO-1)

mTOR

HER2

III

719

Paclitaxel/Trastuzumab

PFS: 14,95 Monate vs. 14,49 Monate [61]

AE-related on treatment deaths erhöht[1]

Everolimus (BOLERO-3)

mTOR

HER2

III

569

Vinorelbin/Trastuzumab

PFS: 7,00 Monate vs. 5,78 Monate

hohe SAE-Rate![1] [115]

Ridaforolimus

mTOR

II/random.

 80

Dalotuzumab/Exemestan

PFS: nicht signifikant[3]

HR 1,18; 80 %-KI 0,8 – 1,72; p = 0,565 [116]

BKM120 (Burparlisib)

PI3K

Class I (pan)

Ib

 51

Letrozol

Clinical Benefit-Rate: 31 % [117]

BKM120 (Burparlisib)

PI3K

Class I (pan)

I

 31

Fulvestrant

Nachweis von Antitumoraktivität [118]

GDC0941 (Pictilisib)

FERGIE-Trial

PI3K

Class I (pan)

II/random.

168

Fulvestrant

PFS: 6,6 Monate vs. 5,1 Monate[4] [119]

mehr Benefit bei ER/PR-positiven Tumoren

BYL719

PI3K

selektiv

(Class 1, α)

I

 64

Fulvestrant stratefiziert nach PI3K-Mutationen

Nachweis von Antitumoraktivität[5] [120]

BYL719

PI3K

selektiv

(Class 1, α)

I

 14

Letrozol oder Exemestan

Nachweis von Antitumoraktivität [121]

1 Serious-adverse-Event-Todesfälle durch Everolimus-Behandlung signifikant erhöht (0 vs. 36 %).


1 Hohe SAE-Rate im Everolimus-Arm (42 vs. 20 %).


3 23,3 Wochen (mit Ridaforolimus) vs. 31,9 Wochen.


4 Nicht statistisch signifikant; PIK3CA-Mutationen waren nicht prädiktiv für ein Therapieansprechen.


5 Partielle Remissionen wurden nur bei Patientinnen mit PIK3CA-Mutationen gesehen.


Andere Studienkonzepte setzen PI3K/AKT/mTOR-Inhibitoren mit Trastuzumab ein, um die Trastuzumab-Resistenz zu umgehen ([Tab. 2]). Phase-III-Daten zeigen, dass durch die zusätzliche Gabe des mTOR-Inhibitors Everolimus kein oder nur ein mäßiger Benefit für die HER2-positive Patientin zum Preis einer deutlich höheren Toxizität erzielt wird. Aus diesem Grund muss man annehmen, dass die duale Blockade von HER2 und mTOR derzeit nicht in der klinischen Routine Eingang finden wird. Die [Tab. 2] fasst die wichtigsten aktuellen Studien zur PI3K/mTOR-Inhibition zusammen.


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CDK4/6-Inhibition bei metastasierten Patientinnen

Die Dysregulation des Zellzyklus ist eines der Hauptkennzeichen der Krebserkrankung. Die Familie der cyclinabhängigen Kinasen (CDK) spielt eine entscheidende Rolle im geordneten und kontrollierten Ablauf des Zellzyklus. Die CDK 4 und 6 und das Cyclin D regulieren den Übergang von der G1-Phase in die S-Phase durch Beeinflussung des Phosphorylierungszustands von pRb (phosphoryliertes Retinoblastoma). Bei einer Hyperphosphorylierung von pRb werden Transkriptionsfaktoren freigesetzt, die den G1/S-Übergang ermöglichen und so die Progression des Zellzyklus hochregulieren [53]. Zum besseren Verständnis ist der Einfluss von CDK4/6 auf Proliferation und Zellüberleben in [Abb. 2] schematisch dargestellt.

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Abb. 2 CDK4/6 und interagierende Signalwege.

Drei Substanzen zur Inhibition dieser Wirkung von CDK4/6 befinden sich zurzeit in der klinischen Erprobung bei der fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung: Palbociclib (PD-0332 991), Ribociclib (LEE011) und Abemaciclib (LY2835 219). Am weitesten fortgeschritten ist dabei die Entwicklung von Palbociclib. Bereits 2009 konnte im Rahmen von In-vitro-Untersuchungen mit Brustkrebszelllinien der hemmende Effekt von Palbociclib v. a. auf ER-positive sowie auf HER2-überexprimierende Mammakarzinomzellen gezeigt werden [54]. Klinisch wurde zunächst der Fokus auf die Weiterentwicklung in Richtung des ER-positiven, metastasierten Mammakarzinoms gelegt. In der Phase-II-Studie PALOMA-1/TRIO-18 wurden 165 Patientinnen mit östrogenrezeptorpositiven, HER2-negativen Mammakarzinomen in der ersten Linie der metastasierten Erkrankung randomisiert mit Letrozol plus Placebo vs. Letrozol plus Palbociclib behandelt. Das PFS für die Kombination von Letrozol mit dem CDK4/6-Inhibitor war 20,2 Monate vs. 10,2 Monate für Letrozol alleine. Der Unterschied war hochsignifikant mit einem p-Wert von 0,0004. Die wichtigsten Nebenwirkungen waren wie erwartet Hämatotoxizität und Fatigue [55]. Zurzeit wird die Weiterentwicklung der CDK4/6-Inhibitoren als eine der vielversprechendsten Optionen für das ER-positive, metastasierte Mammakarzinom betrachtet, wobei der besondere Aspekt auf die Untersuchung prädiktiver Faktoren für das Ansprechen gelegt werden muss. Eine Phase-III-Studie zu Palbociclib rekrutiert zurzeit [55] [56]. Seit der ersten Vorstellung der Daten auf dem AACR-Meeting in San Diego im Frühjahr 2014 prüft die FDA auch die beschleunigte Zulassung von Palbociclib.

Auch die vorliegenden Daten zu Abemaciclib [57] und Ribociclib [58] zeigen klinische Effektivität in Kombination mit endokrinen Therapien und keine unerwarteten Sicherheitssignale, beide Substanzen werden ebenfalls in Phase-III-Studien untersucht. Für Ribociclib liegen auch Daten aus der Phase Ib zur Kombination mit Letrozol und dem PI3K-Inhibitor BYL719 vor, wobei im Moment nur die Kombination mit Letrozol in der Phase III untersucht wird [58]. Das zurzeit aktive Studienprogramm zu CDK4/6 Inhibitoren zum metastasierten Mammakarzinom kann [Tab. 3] entnommen werden.

Tab. 3

Klinische Studien mit CDK4/6-Inhibitoren.

Agent

Phase

Regimen

Patientinnencharakteristika (geplante Patientinnenzahl n)

Palbociclib (PD0332 991)

Phase III (PALOMA-2) (NCT01 740 427)

Palbociclib + LET vs. LET + PBO

ER+, HER2− MBC (450)

Phase III (PALOMA-3) (NCT01 942 135)

Palbociclib + FUL vs. FUL + PBO

ER+, HER2− MBC oder LABC nach Progression unter antiendokriner Therapie (417)

Phase I/II (TRIO-18/PALOMA-1) (NCT00 721 409)

PD0332 991 + LET vs. LET

Untreated ER+, HER2− MBC ohne vorherige Behandlung für MBC (177)

LEE011

Phase III (MONALEESA-2) (NCT01 958 021)

LEE011 + LET vs. LET + PBO

ER+, HER2− MBC ohne vorherige Behandlung für MBC (500)

Phase I/II (NCT01 857 193)

LEE011 + EVE + EXE

ER+, HER2− MBC oder LABC therapieresistent gegenüber LET oder ANA (185)

Phase I/II (NCT01 872 260)

LEE011 + BYL719 + LET

ER+ MBC oder LABC (130)

Abemaciclib (LY2835 219)

Phase III (MONARCH-2) NCT02 107 703

Abemaciclib + FUL vs. FUL

ER+, HER2− MBC (keine vorherige antiendokrine Therapie oder Progression unter vorheriger Therapie mit AI oder TAM) (550)

MBC: metastasiertes Mammakarzinom; LET: Letrozol; PBO: Placebo; FUL: Fulvestrant; ANA: Anastrozol; EVE: Everolimus; AI: Aromataseinhibitor; TAM: Tamoxifen; EXE: Exemestan; LABC: lokal fortgeschrittenes, inoperables Mammakarzinom

Die guten bisher vorliegenden Daten für die CDK4/6-Inhibitoren beim ER-positiven HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom haben ihren Niederschlag auch bei der Planung der zurzeit rekrutierenden Phase-III-Studie Penelope B der GBG gefunden, die den Einsatz von Palbociclib bei Patientinnen mit Tumorrest nach neoadjuvanter Chemotherapie und bei hohem Rezidivrisiko untersucht. Diese Studie wird auch eine Frage beantworten, die sich bei allen neuen Substanzen stellt und die für die Beschränkung auf die metastasierte Situation oder den Einsatz in Adjuvanz, Neoadjuvanz und Post-Neoadjuvanz von entscheidender Bedeutung ist: die Frage nach dem Carry-over-Effekt, ob die Substanz auch nach Beendigung der Therapie eine Wirkung hat.

Zusammenfassend handelt es sich bei den CDK4/6-Inhibitoren um eine der vielversprechendsten Innovationen in der Behandlung der Brustkrebserkrankung der letzten Jahre. Während mit ihrer Einführung in die klinische Routine in der metastasierten Situation bereits in den nächsten 2 Jahren gerechnet werden darf, werden die Daten zum postneoadjuvanten Einsatz naturgemäß erst deutlich später vorliegen.


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Anti-HER-Therapie bei metastasierten Patientinnen

Nicht alle HER2-positiven Mammakarzinome sprechen auf Anti-HER2-Therapien an. Gründe für diese primäre (aber auch eine sekundäre Resistenz) könnten eine im Laufe der Erkrankung herabregulierte HER2-Expression, hochregulierte Pro-Survival-Signale und, insbesondere im Falle des Zytostatika-Trastuzumab-Konjugats T-DM1, eine verstärkte Effluxfunktion von Medikamentenpumpen sein.

Eine Möglichkeit der Resistenzüberwindung dürfte in der Entwicklung von T-dependent bispecific Antibodies (TDB) liegen ([Abb. 3]). Hierbei wurde ein „Ärmchen“ des Antikörpers gegen CD3, ein lymphozytenspezifisches Antigen, entwickelt, das andere „Ärmchen“ gegen ein tumorspezifisches Antigen, sodass eine unmittelbare, polyklonale T-Zell-Antwort an die Tumorzelle „herangezogen“ wird. Insbesondere T-DM1-resistente, HER-2/neu-positive Zelllinien sprechen auf solche TDBs gut an [59].

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Abb. 3 T-abhängige bispezifische Antikörper (TBD), die sowohl an Tumorzellen als auch an Tumorantigene binden können.

Das wichtigste Update des Jahres zur Therapie des HER-2/neu-positiven, metastasierten Mammakarzinoms stammt vom ESMO 2014 [60]. Die CLEOPATRA-Studie (Zulassungsstudie von Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Docetaxel) ergab nie dagewesene Gesamtüberlebenszeiten in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen HER2-positiven Mammakarzinoms. Bei einem medialen Follow-up von 50 Monaten lag die statistisch signifikante Verbesserung im Gesamtüberleben für die Kombination aus Pertuzumab/Trastuzumab/Docetaxel bei 56,5 Monaten im Vergleich zur alleinigen Gabe von Trastuzumab/Docetaxel mit 40,8 Monaten (HR = 0,68; p = 0,0002). Dieser Gesamtüberlebensvorteil konnte in allen, laut Protokoll vordefinierten Subgruppen nachgewiesen werden und gilt trotz des Crossovers von 48 Patientinnen im Placebo-Arm in den Pertuzumab-Arm.

Die Erwartungen nicht erfüllen konnten die Ergebnisse aus der BOLERO-1-Studie [61]. In der Erstlinientherapie des HER2-positiven Mammakarzinoms konnte die Kombination aus wöchentlichem Paclitaxel, Trastuzumab und Everolimus (in einer Dosierung von 10 mg täglich) das progressionsfreie Überleben bei einer HR von 0,89 (95 %-KI 0,73 – 1,08) nicht verbessern. Die mediane, relative Dosisintensität von Everolimus lag dabei nur bei 5 mg aufgrund von Dosisreduktionen im Rahmen des Nebenwirkungsmanagements.

Wie wenig über regulatorische Phänomene und ihre Zeitabhängigkeit bekannt ist, zeigen Daten im Zellkultursystem zu Kombination oder Sequenz von Pertuzumab und T-DM1 [62]. Eine „Vorbehandlung“ von HER2-positiven Mammakarzinomzellen mit Pertuzumab senkt die Wirksamkeit von T-DM1 im Vergleich zu einer simultanen Exposition deutlich ab. Diese Daten wurden nicht, wie häufig in präklinischen Systemen, mit sehr hohen (im Menschen nicht erreichbaren) Dosierungen erhoben, sondern in deutlich niedrigeren Dosierungen als in der Klinik. Diese Ergebnisse könnten für klinische Studien extrem wichtig sein und mit kleinen Mitteln große Effekte herbeiführen.


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Immunbiologie und Immuntherapie

Immunologische Aspekte werden beim Mammakarzinom immer besser verstanden. Zum einen kann der Nachweis von peritumoralen immunologischen Zellen als prognostischer [63] und sogar als prädiktiver Faktor für das Ansprechen auf eine neoadjuvante platinhaltige Chemotherapie bei triple-negativen Mammakarzinomen gewertet werden [64]. Der lokale Nachweis immunologischer Reaktionen gelingt jedoch nur bei einem kleinen Anteil der Patientinnen, und bisher fehlen prospektive Studien, die eine Therapierelevanz aufzeigen.

Bei einem Großteil der Brustkrebserkrankungen können immunologische Reaktionen in lymphoiden Organen wie dem Knochenmark nachgewiesen werden [65], die im peripheren Gewebe unterdrückt zu sein scheinen. Die Rekrutierung regulatorischer T-Zellen durch den Tumor selbst scheint ein Hauptmechanismus dieses Immune Escapes zu sein. Die Aktivierung der regulatorischen T-Zellen wird durch ein Antigen des Programmed Cell Death vermittelt (PD-1), das von Tumorzellen exprimiert werden kann. Ligand ist das PD-L1 oder PD-L2, die wiederum von antigenpräsentierenden Zellen wie dendritischen Zellen exprimiert werden. Der Nachweis von PD-1 auf Brustkrebszellen ist mit einer schlechteren Prognose korreliert [66], da durch die inhibitorische Interaktion mit den antigenpräsentierenden Zellen Immunreaktionen verhindert werden. In klinischer Erprobung sind die PD-1 Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab, die bereits beim malignen Melanom sehr erfolgreich untersucht wurden [67]. CTLA-4 (cytotoxic T-lymphocyte associated protein 4) ist ein weiteres Antigen, das den Immune Escape von Tumorzellen vermittelt und auf T-Helferzellen exprimiert wird. Eine Blockade des CTLA-4 durch den Antikörper Ipilimumab führte zu klinischen Erfolgen. Allerdings wurden bei einem Teil der Patientinnen Autoimmunreaktionen (Pankreatitiden) beobachtet.

Neben diesen immunmodulatorischen Therapieansätzen werden aktive und passive Vakzinierungsstrategien erforscht. Als aktive Vakzinierungen werden v. a. HER2-Antigene eingesetzt, um primär- oder sekundärpräventiv eine Primärerkrankung oder ein Rezidiv eines HER2-positiven Mammakarzinoms zu verhindern [68]. Passive Vakzinierungen durch die Applikation von immunkompetenten Effektorzellen sind sehr aufwendige, aber auch sehr vielversprechende Therapieoptionen, die momentan in einigen Zentren untersucht werden.


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Biomarker

Genexpressionsmarker

Die am längsten bekannten und klinisch relevanten molekularen Biomarker sind Marker auf der Ebene der Genexpression, gemessen an der Menge der vorhandenen Proteinmenge. Beispiele hierfür sind der Östrogenrezeptor oder der Progesteronrezeptor. Seit der Entdeckung der molekularen Subtypen wurde die Bestimmung der Genexpression weiterentwickelt, und zwar sowohl in Bezug auf die Anzahl der bestimmten Marker als auch in Bezug auf die Analysemethoden. In sogenannten Multigentests wird z. B. die Genexpression auf mRNA-Ebene bestimmt. Hierdurch kann eine Vielzahl von Genen gleichzeitig mit einer hohen Qualität bestimmt werden. Genexpressionsanalysen auf mRNA-Ebene werden wie immunhistologische Untersuchungen am Paraffinmaterial der Tumoren durchgeführt. Als Beispiele für solche Tests sind der Oncotype DX Assay, der EndoPredict Test und der Prosigna Test zu erwähnen, der auf dem PAM50 Risk-of-Recurrence-(ROR-)Score basiert [1] [2]. Ein weiterer Test, der auf der Bestimmung der mRNA von frischem Tumorgewebe beruht, heißt Mammaprint. In Deutschland ist die Anwendung des OncotypeDX-Tests im Rahmen der planB-Studie und des ADAPT-Studienkonzepts weit verbreitet. Erst kürzlich konnte gezeigt werden, dass der Einsatz dieses Tests bei den Patientinnen der planB-Studie tatsächlich die Prognose der Patientinnen gut beschreiben konnte [69]. Hierbei hatten Patientinnen mit einem niedrigen oder mittleren Risiko-Score ein 3-Jahres-krankheitsfreies-Überleben (3J-EFS) von 98 %, während Patientinnen mit einem hohen Risiko-Score ein 3J-EFS von 92 % hatten [69].


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Genetische Veränderungen des Tumors

Nach und nach werden die Ursachen für verschiedene Genexpressionsprofile im Tumor verstanden. Hierbei scheinen genetische Veränderungen der Tumor-DNA eine Schlüsselrolle einzunehmen. Mutationen und Genkopieveränderungen sind in den letzten Jahren genomweit auf ihren Einfluss für die molekularen Subtypen und die Prognose des Mammakarzinoms untersucht worden [70] [71] [72] [73] [74] [75]. Während in den letzten Jahren hauptsächlich die Bedeutung von Mutationen und Genkopieveränderungen in Bezug auf die Pathogenese untersucht wurde, mehren sich nun Untersuchungen, die systematisch versuchen, Gene zu identifizieren, die bei der Prognose eine Rolle spielen. So konnte die Hinzunahme genomweiter Information über Genkopieanzahl die Prädiktion der Prognose deutlich verbessern [71]. In die klinische Praxis sind diese Klassifikationen noch nicht aufgenommen worden. Auch die Bedeutung einzelner Mutationen für das Ansprechen auf einzelne Therapien konnte in ersten Studien beleuchtet werden. In einer Analyse mehrerer neoadjuvanter Studien, in denen Patientinnen mit einer Anti-HER2-Therapie behandelt wurden, konnte gezeigt werden, dass die Therapie am besten wirksam in Bezug auf die pathologische Komplettremission ist, wenn die Patientinnen keine Mutation im Gen PI3K hatten [72]. Lag eine Mutation vor, so war eine Anti-HER2-Therapie durchschnittlich weniger wirksam. Patientinnen mit einer Mutation erreichten unter einer Anti-HER2-Therapie in ca. 19 % eine Komplettremission, während bei Patientinnen mit einem Tumor ohne Mutation die Komplettremissionsrate bei 33 % lag [72]. Es bleibt spannend, wie welche Gene zukünftig in Bezug auf ihre genetischen Alterationen als prognostische und prädiktive Parameter in der klinischen Praxis verwendet werden können.


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Die Bedeutung von genetischen Varianten der Keimbahn

Nicht nur somatische Varianten, sondern auch vererbbare Keimbahnveränderungen werden in Bezug auf die Prognose von Mammakarzinomen diskutiert. Die genetische Ausstattung, mit der die Patientin geboren wurde, könnte zu einem spezifischen molekularen Subtyp des Mammakarzinoms führen. Das prominenteste Beispiel sind Patientinnen mit einer BRCA1-Mutation. Entwickelt eine Patientin mit einer BRCA1-Mutation ein Mammakarzinom, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses triple-negativ ist, über 50 % [45] [46] [76]. Auch weitere, niedrig penetrante genetische Varianten sind beschrieben worden, die mit einem spezifischen molekularen Subtyp assoziiert sind [77] [78] [79] [80] [81] [82] [83]. Einige von ihnen sind ähnlich wie BRCA1 und BRCA2 sowohl beim Mammakarzinom als auch beim Ovarialkarzinom von Bedeutung [84] [85] [86]. So ist es nicht verwunderlich, dass genetische Varianten auch mit der Prognose nach einer Mammakarzinomerkrankung assoziiert werden konnten [87] [88] [89] [90]. Zurzeit sind einige Studien in der aktiven Rekrutierung (OLYMPIA, BRIGHTNESS, EMBRACA, ABRAZO), die bei Patientinnen mit einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation die Effektivität einer PARP-Inhibition prüfen [48] [49] [50] [91]. Diese Studien stellen die Studienlandschaft vor neue Herausforderungen, weil die Therapien nur einem zuvor klar zu definierenden, kleinen Teil von Patientinnen angeboten werden können.


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Zirkulierende Tumorzellen und zirkulierende Tumor-Nukleinsäuren

Auch wenn es einige vererbbare genetische Informationen gibt, die bei der Therapieplanung helfen können, werden die meisten Biomarker am Tumor bestimmt. Vor diesem Hintergrund sind Bestrebungen, Tumoreigenschaften aus dem Blut zu bestimmen, von besonderem Interesse. Diese Analysemethoden werden als sogenannte „liquid biopsies“ bezeichnet.

Alleine die Präsenz von zirkulierenden Tumorzellen (CTC) im Blut konnte konsistent mit der Prognose von Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom assoziiert werden [92] [93] [94] [95]. Auch in der nicht metastasierten Situation ist die Präsenz von CTCs ein unabhängiger prognostischer Faktor [96]. Der nächste logische Schritt ist die Bestimmung von molekularen Eigenschaften an den zirkulierenden Tumorzellen [97] [98]. Inwieweit diese bei der Therapieplanung helfen und die Prognose vorhersagen ist zurzeit Fragestellung klinischer Studien [99] [100] [101] [102].

Weniger aufwendig als die CTC-Analyse könnte die Analyse von zirkulierenden Nukleinsäuren sein. Tumorzellen im Körper geben in kleinen Mengen z. B. DNA in die Blutbahn ab. Diese wird als zirkulierende DNA (ctDNA) bezeichnet. Verschiedene Analysen sind möglich an ctDNA. Diese reichen von der Bestimmung von bekannten Punktmutationen bis hin zur Sequenzierung von ganzen Genregionen oder zur Bestimmung von Genkopieveränderungen in bestimmten Genregionen. Weitere Genotypisierungsmethoden sind in der Entwicklung. Die Genotypisierung von ctDNA würde so eine relativ praktikable Möglichkeit bieten, Veränderungen des Genoms im Verlauf einer Tumorerkrankung, z. B. bei Progress oder zur Kontrolle des Therapieansprechens, zu untersuchen. Ein Beispiel für Veränderungen unter einer Therapie zeigte eine Untersuchung von solidem Tumormaterial im Verlauf einer antihormonellen Therapie [103]. Es konnte gezeigt werden, dass sich die molekularen Muster somatischer Mutationen bei Therapieansprechen und Therapieprogress spezifisch ändern. Wie dies für die Therapieplanung und das Überwachen einer Therapie genutzt werden kann, ist noch unklar. Wenn solche Untersuchungen jedoch auch an Blut möglich werden, könnte so ggf. frühzeitig ein Hinweis auf die Effektivität einer Therapie gewonnen werden. Erste kleinere Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse in Bezug auf eine Übereinstimmung von Mutationen, die an Tumormaterial und ctDNA von denselben Patientinnen bestimmt wurden [104].


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eHealth in der individualisierten Versorgung

Mit dem steigenden Kommunikations- und Informationsbedarf der Patientinnen mit Mammakarzinom einerseits und der zunehmenden Vernetzung aufseiten der Gesundheitsanbieter andererseits [105] zeigt sich das Potenzial von eHealth-Lösungen für die Versorgungsforschung. eHealth wird dabei als die Verwendung elektronischer Medien für Informations- und Kommunikationsprozesse in der Medizin definiert [106]. Unterschieden werden dabei Anwendungen für die Patient-Gesundheitsanbieter-Interaktion (z. B. Erfassung des Gesundheitsstatus, Monitoring von Nebenwirkungen und Lebensqualität), Selbstmanagement für Patientinnen (z. B. Interventionen zur Vermeidung von Nebenwirkungen) und Gesundheitsanbieter-Gesundheitsanbieter-Interaktion mittels elektronischer Gesundheitsakten (EHR).

In zahlreichen Indikationen existieren bereits erfolgreiche Einsatzbeispiele der Unterstützung der Arzt-Patienten-Interaktion: Die Applikation einer Online-Intervention konnte z. B. eine signifikante Reduktion von Depressionen erzielen [107]. Ebenfalls zeigte der Einsatz von wöchentlichen SMS-Erinnerungen einen Benefit bei Patientinnen mit chronischen Schmerzen [108]. Ebenso hat sich der Einsatz von SMS hilfreich bei Betreuung von Patienten mit chemotherapieassoziierter Übelkeit gezeigt [109].

Im Rahmen der Plattform www.brustkrebs-studien.de von Senopedia können sich Patientinnen schon heute zu potenziell passenden klinischen Studien informieren und individuelle Anfragen zur Eignung stellen.

Im Vordergrund der Optimierung der Lebensqualität und des individualisierten Therapiemanagements steht u. a. die frühe Identifizierung von spezifischen Nebenwirkungen wie bspw. einer Stomatitis unter Everolimus-Therapie. Eine frühzeitige Identifizierung mit konsekutiver Supportivtherapie könnte möglicherweise eine Progression zu höhergradigen AEs verhindern. Ein hohes Potenzial bietet hier die patientinnenzentrierte Dokumentation von „Patient reported outcomes“ (PRO). Mittels eHealth-Algorithmen ließen sich Risikopatientinnen potenziell zeitnah identifizieren und individueller behandeln. In einer randomisierten, deutschen Studie [110] wurde ein tabletbasiertes Screening an 206 Patientinnen mit Mammakarzinom evaluiert, wobei die Akzeptanz dem konventionellen Ansatz überlegen war. Neben geringerem Dokumentationsaufwand im Zentrum konnten Risikopatientinnen ohne Zeitverzögerung für weitere Behandlungen identifiziert werden. Webbasiertes AE-Reporting zeigt in einer Arbeit an 381 onkologischen Patientinnen eine hohe Langzeitakzeptanz [111] mit einer monatlichen Adhärenz von 75 % bei einem Follow-up von 34 Wochen. Unterstützend wurden hierbei wöchentliche E-Mail-Erinnerungen eingesetzt.

Eine Pilotstudie demonstrierte eine hohe Anwenderzufriedenheit eines patientenzentrierten Portals zur Dokumentation der Nebenwirkungen unter Chemotherapie mit allgemeinen Handlungsempfehlungen an 55 Patientinnen [112]. Die Integration der Patientin und anderer Zielgruppen in diesem Gesundheitssystem stellt eine große Herausforderung für die Versorgungsforschung dar, ebenso wie die Anforderungen an den Datenschutz, des Medizinproduktegesetzes MPG sowie des Heilmittelgewerbegesetzes (HWG).

Als Ausblick gilt es nun, erfolgreich Pilotstudien im multizentrischen Setting zu evaluieren und im Rahmen der Konzeption von eHealth-Applikationen die adäquate Balance zwischen Privatsphäre und Benutzerfreundlichkeit für die Akteure zu definieren. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität der Patientin. Moderne, internetbasierte Interaktionsportale könnten hier flexibel auf die Bedürfnisse der Patientinnen reagieren und gleichzeitig Ressourcen sparen. Im Rahmen der PRAEGNANT-Studie [50] werden verschiedene PRO-Module in den Bereichen Lebensqualität, Therapieadhärenz (Compliance), Sport, Ernährung, und Nebenwirkungen (AEs) getestet und validiert.


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Schlussfolgerung

Insgesamt zeigt sich, dass sich die Therapie beim Mammakarzinom in Abhängigkeit von Tumor- und Patientinneneigenschaften immer mehr in Richtung einer individualisierten Präzisionsmedizin entwickelt. Neue Therapien und molekulare, diagnostische Tests zeigen deutliche Fortschritte und nähren die Hoffnung auf weitere Therapieerfolge innerhalb der nächsten Jahre. Das Verständnis der neuen molekularen Diagnostik und Therapie muss gefördert werden und die Integration der Erkenntnisse in klinische Prozesse sollte im Fokus der wissenschaftlichen Bestrebungen der nächsten Jahre liegen.


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Interessenkonflikt

PAF erhielt Honoraria für Vorträge von Amgen, Novartis, Genomic Health, Pfizer, Roche und Teva. PAF führt Forschung durch für Amgen und Novartis. MPL erhielt Honoraria für Vorträge und Beratung von Novartis, Roche, Medac, Eisai, GSK, AstraZeneca und Celgene. MPL führt Forschung durch für Novartis. NM erhielt Honoraria von AstraZeneca, Novartis, Teva, Amgen, Eisai, Pfizer, Roche. SK erhielt Honoraria für Vorträge von Amgen, Novartis, Genomic Health, Roche, Celgene und Teva. SK führt Forschung durch für Roche. FS erhielt Honoraria für Vorträge von Amgen, Novartis, Roche, Celgene und AstraZeneca. WJ erhielt Honoraria für Vorträge von Amgen, Novartis, Genomic Health, Pfizer, Roche, AstraZeneca, Sanofi, Chugai, Verridex, GSK und Teva. HCK erhielt Honoraria für Vorträge und Beratung von Amgen, Novartis, Teva, Pfizer, Carl Zeiss Meditec, GSK und Roche. Alle anderen Autoren erklären, dass sie keinen Interessenkonflikt haben. Die Entstehung dieses Artikels wurde von Novartis Deutschland unterstützt. Der Text wurde komplett von den Autoren alleine erstellt.


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Korrespondenzadresse

Prof. Peter A. Fasching, MD
University Hospital Erlangen, Department of Gynecology and Obstetrics
Universitätsstraße 21–23
91054 Erlangen


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Abb. 1 Der PI3K-Pathway.
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Abb. 2 CDK4/6 und interagierende Signalwege.
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Abb. 3 T-abhängige bispezifische Antikörper (TBD), die sowohl an Tumorzellen als auch an Tumorantigene binden können.