Pneumologie 2015; 69(03): 126
DOI: 10.1055/s-0035-1547498
Pneumo-Fokus
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kompetenznetzwerk CAPNETZ – Ambulant erworbene Pneumonie: Einfluss des Vitamin-D-Spiegels auf den Schweregrad

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Publication Date:
06 March 2015 (online)

 

Vitamin D reguliert nicht nur den Kalziumstoffwechsel sondern ist ein wichtiger Modulator der angeborenen und erworbenen Immunantwort. Es wird mit der Nahrung aufgenommen und unter UV-Einstrahlung in der Haut gebildet. In den Wintermonaten – wenn auch die Pneumonie-Inzidenz am höchsten ist – entwickelt daher ein Teil der Bevölkerung Mangelzustände.

Vitamin D wird durch eine zweistufige Hydroxilierung in der Leber (25-OH-Vitamin D: niedrige Aktivität, lange Halbwertszeit – Speicherform) gefolgt von der Niere (1,25-OH2-Vitamin D: hohe Aktivität, kurze Halbwertszeit – aktive Form) aktiviert. Es gibt sehr gute Evidenz, dass ein Vitamin-D-Mangel für Tuberkulose prädestiniert und eine Vitamin-D-Substitution die kulturelle Sputumkonversion beschleunigt. Inwieweit es einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Pneumonie gibt, ist hingegen weniger klar. Einige Interventionsstudien untersuchten Vitamin-D-Substitution während der Wintermonate und zeigten protektive Effekte bei Kindern, jedoch nicht bei älteren Erwachsenen.

In der vorliegenden Arbeit [ 1 ] wurden die Spiegel der Speicherform 25-OH und der aktiven Form 1,25-OH2 bei Pneumonie-Patienten bei Aufnahme gemessen. Es erfolgte eine Stratifikation nach Komorbiditäten, Schweregrad und Erregergruppen. Über eine komplexe Statistik wurden die hohen jahreszeitlichen Schwankungen des Vitamin-D-Spiegels kontrolliert. Es zeigte sich eine deutliche, von Alter, Pathogen und Jahreszeit unabhängige Korrelation zwischen der aktiven Form und dem Schweregrad der Pneumonie: je niedriger der 1,25-OH2-Spiegel, desto höher war der CURB-Score. Für die Speicherform (25-OH) war dieser Zusammenhang nicht statistisch signifikant. Desweiteren gab es deutliche Assoziationen zwischen respiratorischen und hepatischen Begleit-erkrankungen und niedrigen 25-OH-Spiegeln sowie Niereninsuffzienz und niedrigen 1,2-OH2-Spiegeln.

Unsere Daten unterstützen nicht die mittlerweile häufige Praxis, Vitamin D bei Erwachsenen zur Prophylaxe von Atemwegsinfektionen zu rezeptieren. Eine mögliche Erklärung für das Versagen der Substitution mit (nicht hydroxyliertem) Vitamin D in den o.g. Interventionsstudien bei Älteren wäre eine aufgrund von Begleiterkrankungen fehlende Kapazität, das Vitamin zu hydroxilieren und damit zu aktivieren.

Unsere Studie kann allerdings wegen des nicht-interventionellen Designs, die Frage nach Kausalität nicht beantworten: Es bleibt unklar, ob die niedrigen Spiegel an 1,25-OH2 Ursache oder Folge des schweren Verlaufes sind. Für eine Substitution von 1,25-OH2, das leicht überdosiert werden kann, gibt es außer zur Therapie des sekundären Hyperparathyreodismus bei Dialysepatienten derzeit keine Evidenz [ 2 ]. Eine nach unserer Arbeit erschienene Pilotstudie zur Substitution von 1,25-OH2 bei Patienten mit schwerer Sepsis zeigte zwar eine Erhöhung des durch 1,25-OH2 induzierten antimikrobiellen Peptids Cathelicidin, jedoch keinen Einfluss auf die Sterblichkeit [ 3 ].

Prof. Mathias W. Pletz, Jena


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