Der Klinikarzt 2015; 44(S 01): 6
DOI: 10.1055/s-0035-1549196
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schlaganfallpatienten – Behandlung von Hirnblutungen unter Antikoagulation

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Publication Date:
16 April 2015 (online)

 
 

Mit der bislang größten Untersuchung über den Zusammenhang zwischen Antikoagulanzien und Hirnblutungen ist es deutschen Neurologen gelungen, neue Therapieempfehlungen zu erarbeiten. „Potenzielle Nutznießer sind annähernd 1 Million Menschen, die hierzulande Phenprocoumon und andere Substanzen zur Blutverdünnung einnehmen“, so Prof. Martin Grond aus Siegen, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Für die Studie, die aktuell im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht ist, haben Experten aus 19 deutschen Universitätskliniken und Krankenhäusern retrospektiv die Daten von fast 1200 Schlaganfallpatienten ausgewertet. Diese hatten Antikoagulanzien bekommen und eine Hirnblutung erlitten. Die Frage war, wie sich Maßnahmen zur Hemmung der Antikoagulation und zur Senkung des Blutdrucks kurz- und langfristig auswirken würden.

Größenzunahme der Hämatome gemessen

Wie Studienleiter Prof. Hagen Huttner von der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen berichtet, konnte man bei 853 Patienten den Größenzuwachs der Hirnblutung analysieren und bei 307 (36 %) von ihnen eine Volumenzunahme um mehr als ein Drittel dokumentieren. „Verringerte Raten einer Hämatomvergrößerung fanden wir bei einer Reduktion des INR-Wertes unter 1,3 binnen 4 Stunden nach der Einweisung“, so Huttner. In dieser Gruppe von Patienten hatte man nur bei 19,8 % eine Hämatomvergrößerung beobachtet, während der Anteil unter Patienten mit einem INR ≥ 1,3 mit 41,5 % mehr als doppelt so groß war.

Auch systolische Blutdruckwerte unter 160 mmHg 4 Stunden nach der Einweisung waren mit einem verringerten Risiko einer Hämatomvergrößerung assoziiert: In der Gruppe der Patienten, wo dieses Ziel erreicht wurde, wiesen 33,1 % vergrößerte Hämatome auf. Wurde das Ziel verfehlt, waren es dagegen 52,4 %.

Gemessen wurde auch der Einfluss beider Maßnahmen auf die Mortalität im Krankenhaus. Gelang es, die Antikoagulation schnell zu neutralisieren bei gleichzeitigen systolischen Blutdruckwerten unter 160 mmHg, so betrug die Sterblichkeit 13,5 % gegenüber 20,7 %, wenn beide Ziele verfehlt wurden.

Außerdem wurde untersucht, wie häufig unter den Patienten im Jahr nach der Behandlung erneute Hirnblutungen und Schlaganfälle aufgetreten sind, und ob dabei ein Zusammenhang mit der erneuten Gabe von Antikoagulanzien besteht. Hier verglichen die Forscher jene 172 Patienten (23,9 %) unter den Überlebenden, die im Therapieverlauf erneut mit Antikoagulanzien behandelt wurden, mit jenen, die keine Blutverdünner mehr bekamen. Ischämische Komplikationen traten in der ersten Gruppe mit einer Häufigkeit von 5,2% auf, in der zweiten Gruppe mit 15%. Hämorrhagische Komplikationen waren in beiden Gruppen annähernd gleich.


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Schutz durch erneute Antikoagulation nachgewiesen

„Die Wiederaufnahme der Blutverdünnung zeigte einen klaren Schutz vor Schlaganfällen, ohne dass wir in unserer Patientenkohorte gleichzeitig ein vermehrtes Auftreten der gefürchteten Hirnblutung beobachteten“, so Hagen Huttner. „Somit ergibt sich ein Netto-Nutzen zugunsten der Wiederaufnahme der Blutverdünnung.“

Diese Fragestellung wird auch in der Studie PRODASt in Essen prospektiv untersucht. Hier werden ab Frühjahr 2015 in etwa 100 Stroke Units in Deutschland Patienten mit Vorhofflimmern, die eine intrakranielle Blutung erlitten hatten, erfasst. Diese Patienten werden ein Jahr lang verfolgt mit den Fragen, welche Patienten wieder antikoaguliert werden müssen und wie sich die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) von Phenprocoumon unterscheiden. Derzeit laufen bereits prospektive Studien mit wirksamen Antidots zu den DOAKs. Wir können in den kommenden Monaten mit interessanten Ergebnissen rechnen“, so Martin Grond.

Quelle: Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).


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