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DOI: 10.1055/s-0035-1563465
Schlaganfallprophylaxe mit Dabigatran – Langzeit-Daten bestätigen RE-LY-Studie
Publication History
Publication Date:
28 October 2015 (online)
Dabigatran (Pradaxa®) ist seit über 5 Jahren für die Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) zugelassen. Grundlage der Zulassung war die RE-LY-Studie [1, 2], die im Vergleich mit dem Vitamin-K-Antagonisten Warfarin die signifikante Überlegenheit des reversiblen direkten Thrombin-Hemmers hinsichtlich der Verminderung von Schlaganfällen und systemischen embolischen Ereignissen sowie eine Reduktion der Gesamtmortalität bei verringerter Blutungsrate gezeigt hatte.
Trotz sehr großer Studien und hoher Patientenzahl wurde seitdem immer wieder die Forderung nach „Real-World“-Daten laut. Inzwischen liegen solche Daten vor und umfassen mehr als 200 000 eingeschlossene Patienten mit Vorhofflimmern. Diese Langzeit-Daten bestätigten die Zulassungsstudie in allen Aspekten der Effektivität und Sicherheit, wie Prof. Dr. Stefan Hohnloser, Frankfurt, bei einem Symposium in Mannheim berichtete.
„Real-World“-Daten liegen vor
So zeigte eine FDA-Analyse der US Medicare Database [3] bei 134 000 Patienten mit neu diagnostiziertem VHF pro 1000 Patientenjahre eine Abnahme der Inzidenzrate von Schlaganfall um 20 % und intrakranieller Blutungen um 60 % gegenüber Warfarin. Die Gesamtmortalität verringerte sich um 14 %. „Eindrucksvoll, wie genau die Register-Studie die Daten aus RE-LY bestätigt“, kommentierte Hohnloser. Auch die Analyse der Daten zweier US-amerikanischer Krankenversicherungen [4] mit über 38 000 Neueinstellungen auf Dabigatran oder Warfarin demonstrierte eine Reduktion von Schlaganfall um 23 %, schwerer Blutungen um 25 % und intrakranieller Blutungen um 69 % bei vergleichbarem Risiko für gastrointestinale Blutungen. Eine dänische Register-Studie [5] untersuchte das Blutungsrisiko unter dem Thrombin-Hemmer und dem Vitamin-K-Antagonisten. Unter der Dosierung mit zweimal 150 mg/d verringerte sich das Risiko für alle Blutungen um 32 % und für schwere Blutungen um 33 %. Das Risiko für fatale Blutungen reduzierte sich um 30 % und für intrakranielle Blutungen um 67 %. In der niedrigeren Dabigatran-Dosis (zweimal 110 mg/d) konnte das Risiko für tödliche Blutungen sogar halbiert werden. Mit Idarucizumab befindet sich ein Dabigatran-spezifisches Antidot weit in der klinischen Entwicklung, das sich in Phase I an freiwilligen Gesunden als schnell wirksam und sicher erwiesen hat. Derzeit wird das Antidot in einer großen Studie an Patienten mit Blutungen und chirurgischen Patienten untersucht. Boehringer Ingelheim hat bei den Behörden in Europa, USA und Kanada ein beschleunigtes Prüfverfahren beantragt.
Michael Koczorek, Bremen
Quelle: Symposium „Fünf Jahre antithrombotische Therapie mit oralen Antikoagulanzien (NOAK): Sicherheit im Fokus“, 81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), am 10. April 2015 in Mannheim. Veranstalter: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG.
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Literatur
- 1 Connolly SJ et al. Engl J Med 2009; 361: 1139-1151
- 2 Connolly SJ et al. N Engl J Med 2010; 163: 1875-1876
- 3 Graham DJ et al. Circulation 2015; 131: 157-164
- 4 Seeger JD et al. AHA 2014;
- 5 Larsen TB et al. Am J Med 2014; 127: 650-656
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Literatur
- 1 Connolly SJ et al. Engl J Med 2009; 361: 1139-1151
- 2 Connolly SJ et al. N Engl J Med 2010; 163: 1875-1876
- 3 Graham DJ et al. Circulation 2015; 131: 157-164
- 4 Seeger JD et al. AHA 2014;
- 5 Larsen TB et al. Am J Med 2014; 127: 650-656
