In der Palliativversorgung sprechen wir von der unit of care und meinen damit, dass wir nicht nur PatientInnen, sondern deren unmittelbares soziales
Umfeld betreuen. Nehmen wir diesen systemischen Ansatz ernst, so können wir die Versorgung
nach dem Tod des Patienten nicht beenden. Doch wie könnte eine sinnvolle Begleitung
der An- und Zugehörigen nach dem Versterben einer nahen Bezugsperson aussehen? Gesprächsgruppen
oder Trauercafés sind Angebote, die von einer überwiegend weiblichen Minderheit der
Hinterbliebenen genutzt werden und sie haben eine relativ hohe Schwelle, da sie aktiv
aufgesucht werden müssen. Hausbesuche sind bei mehreren Hundert Fällen pro Jahr sehr
zeitaufwändig und vielleicht nicht immer willkommen. Der Ambulante Palliativdienst
des Hospiz Luise in Hannover hat vor dem Hintergrund dieser Problematik ein Konzept
niedrigschschwelliger nachgehender Trauerbegleitung entwickelt. Jeder nahe An- oder
Zugehörige eines betreuten Patienten wird in der Regel drei bis sechs Monate nach
dem Tod der Bezugsperson von einer Mitarbeiterin angerufen, die bisher nicht in der
Versorgung involviert war. Profitiert der Angehörige von diesem Gespräch, wird der
telefonische Kontakt bis zum Jahrestag des Versterbens fortgesetzt. Positive Rückmeldungen
und eine hohe Akzeptanz zeigen, dass Hinterbliebene sich durch diese Kontakte gestützt
und gehalten fühlen. Die Pflegenden schätzen diese Intervention, da sie sich in dem
Wissen, dass es noch einen Kontakt geben wird, leichter aus der Versorgung zurückziehen
können. Teil des Konzeptes ist auch eine kurze Information der Pflegenden über die
Themen der Gespräche, dazu gehören auch Feedbacks über die Versorgungsqualität. Mehr
als zehn Jahre Erfahrung mit diesem Konzept zeigen: der eher distanziert erscheinende
telefonische Kontakt mit einer aussen stehenden Person ermöglicht relativ schnell
ein große Tiefe des Gesprächs und er kann zeitlich unmittelbar an die Bedürfnisse
des Gesprächspartners angepasst werden.