ZWR 2016; 125(11): 577
DOI: 10.1055/s-0036-1597149
Colloquium
Aus Anlass der Übernahme des MDI-Systems durch condent
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mini-Implantate lösen einen klassischen Patientenfall – und heute noch ganz andere

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Publication Date:
25 November 2016 (online)

 

Mit der condent GmbH hat ein mittelständischer Dentalhändler zunächst den Vertrieb und kürzlich auch die Produktion von MDI („mini dental implants“) übernommen, zuvor ein Bereich von 3M ESPE. Im Folgenden wird aufgezeigt, wie die Leistungsfähigkeit dieses System einzuschätzen ist.


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Im Zuge des demografischen Wandels ist mit immer mehr älteren Patienten mit einem immer größeren Bedarf für eine implantologische Behandlung zu rechnen. Dies wird gerade für diejenigen Zahnärzte, die jetzt ins Berufsleben treten oder kurz davor stehen, eine der wesentlichen Herausforderungen sein. Doch wie wird die implantologische Therapie der Zukunft aussehen? „Sicher wünscht sich jeder eine luxuriöse Lösung, doch viele können dies finanziell nicht bewältigen“, bemerkt dazu Philip Müller, Geschäftsführer des neuen MDI-Eigentümers condent. Andere Patienten verfügen über die finanziellen Mittel, aber über kein ausreichendes Knochenangebot für eine klassische Implantation.

Bekanntes Problem – probate Lösung

Es ist ein klassischer Fall: Der Patient hat das Gefühl, dass seine vorhandene Totalprothese nicht richtig sitzt, und ohnehin möchte er grundsätzlich lieber festsitzenden Zahnersatz. Damit stellt sich die Frage nach einer implantologischen Behandlung, doch ist sie aus einer Reihe von Gründen nicht für jeden Patient eine wählbare Option. Eine Alternative bieten Mini-Implantate. Auch für Patienten, die von einer konventionellen implantologischen Therapie nicht profitieren können, sind sie interessant. Denn sie lassen sich auch bei geringem Knochenangebot inserieren und sind preislich attraktiv. Trotzdem ermöglichen sie den Komfort von festsitzendem Zahnersatz. Meist kann sogar die vorhandene Prothese verwendet und einfach mit einer ausreichenden Zahl von Mini-Implantaten fixiert werden. Sie in den Kiefer einzubringen, dauert üblicherweise rund 2 Stunden, sodass der Patient in einer einzigen Sitzung komplett versorgt werden kann. Wird die Primärstabilität (35 Ncm) erreicht, ist eine Sofortbelastung möglich.

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Mindestens 4 Mini-Implantate im Unterkiefer, mindestens 6 im Oberkiefer – eine attraktive Option für viele Patienten, die ihre Prothese stabilisiert haben möchten (Bild: condent)

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Eine langjährige Erfolgsgeschichte

Das MDI-System hat Dr. Victor Sendax bereits in den 1970er Jahren entwickelt. In den 1990er Jahren begann dann Dr. Ronald A. Bulard als praktizierender Mini-Implantat-Pionier und Unternehmer mit ihm eine strategische Zusammenarbeit und erweiterte das System um den Kugelkopf. Das entsprechende Implantationsprotokoll wurde 2004 patentiert. So können heute Metallgehäuse mit einem halbelastischen Gummiring in die bestehende Totalprothese eingebracht werden. Durch diese speziellen Retentionen werden eine Überbelastung der frisch inserierten Implantate vermieden und eine langfristige Lagestabilität erreicht. Ganz wesentlich trugen zum Erfolg die grundlegenden Arbeiten der 1990er Jahre und ihre Vorstellung durch Dr. Bulard auf dem legendären Implantologen-Kongress in Orlando 1999 bei. Bereits 1 Jahr zuvor hatte die strenge amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) Mini-Implantate für die Langzeitanwendung anerkannt.

Bis heute ist die Zahl der klinischen Studien zu MDI stetig gestiegen, sodass dieses System unter den Mini-Implantaten als das am besten untersuchte gilt. Es eignet sich ideal zur Stabilisierung einer Unterkieferprothese (mindestens 4 MDIs) oder auch einer Oberkieferprothese (mindestens sechs MDIs). Außerhalb dieser Indikationen haben sich Mini-Implantate in bestimmten Fällen bei der Fixierung von Interimsprothesen im Rahmen einer implantologischen Behandlung bewährt. Auch kann sich eine Teleskopbrücke nach Pfeilerverlust bis zu einer definitiven Neuversorgung mit MDI stabilisieren lassen.


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Erfolgreicher Lückenschluss

Diese Beispiele zeigen, wie Mini-Implantate in einer ganzen Reihe von klinischen Situationen für Zahnarzt und Patient eine zusätzliche Option darstellen können. Auf diese Weise schließt das System eine „therapeutische Lücke“, denn hier besteht höchster Komfort für den Patienten, und die Kosten bleiben vergleichsweise überschaubar. Aktuell zeigt sich dies an der anhaltend hohen Nachfrage nach Fortbildungen zum dem System. Dabei vermitteln erfahrene Anwender Wissenswertes rund um das Thema Mini-Implantate – oft inklusive praktischer Übungen und Live-OP. Und auf Grundlage der Punktebewertung der BZÄK/DGZMK werden für die Teilnahme Fortbildungspunkte vergeben.

Christian Ehrensberger

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der condent GmbH, Hannover.


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Mindestens 4 Mini-Implantate im Unterkiefer, mindestens 6 im Oberkiefer – eine attraktive Option für viele Patienten, die ihre Prothese stabilisiert haben möchten (Bild: condent)