Subscribe to RSS
DOI: 10.1055/s-0037-1604871
POLD1-Mutationen als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf ATR-Inhibitoren in gastrointestinalen Tumoren
Publication History
Publication Date:
02 August 2017 (online)
Einleitung:
Synthetisch letale Interaktionen zwischen Genen stellen einen neuen Ansatz zur individualisierten Tumortherapie dar. Eigene Daten aus einem RNAi-Modell legen solche Interaktionen zwischen den DNA-Reparaturgenen ATR und POLD1 nahe. Da zum einen POLD1-Mutationen in gastrointestinalen Tumoren beschrieben wurden, zum anderen ATR-Inhibitoren sich bereits in klinischer Entwicklung befinden, könnten diese Daten unmittelbare klinische Relevanz erlangen.
Ziele:
-
Bestätigung und Quantifizierung synthetisch letaler Interaktionen zwischen ATR und POLD1 in einem humanen Tumorzell-Knockout (KO)-Modellsystem.
-
Vergleich der Effekte von ATR- und CHK1-Inhibitoren auf POLD1-defiziente Tumorzellen.
-
Funktionelle Klassifizierung vorbeschriebener POLD1-Varianten unklarer Signifikanz (VUS).
Methodik:
DLD-1 Tumorzellen weisen mehrere funktionell nicht sicher klassifizierte, heterozygote POLD1-Mutationen auf. Durch separate Inaktivierung beider POLD1-Allele mittels CRISPR/Cas9 wurden KO-Klone mit definierten homozygoten POLD1-Mutationen erzeugt und die Sensitivität dieser Klone gegenüber ATR- und CHK1-Inhibitoren sowie konventionellen Chemotherapeutika untersucht.
Ergebnis:
Durch Etablierung eines humanen POLD1-KO-Zellmodells konnte die zuvor in einem RNAi-Modell charakterisierte synthetisch letale Beziehung zwischen ATR und POLD1 bestätigt werden, wobei sich im KO-Modell sogar ausgeprägtere Effekte zeigten. Des Weiteren konnte die funktionelle Bedeutung mehrerer vorbeschriebener POLD1 VUS (G10V, R506 H, R689W und S746I) definiert werden. Lediglich die R689W-Mutation zeigte einen Einfluss auf die Sensitivität gegenüber ATR-Inhibitoren und in geringerem Ausmaß auch gegenüber CHK1-Inhibitoren, nicht aber gegenüber konventionellen Chemotherapeutika.
Schlussfolgerung:
In einem neu etablierten POLD1-Tumor-KO-Modell konnten frühere Daten zur synthetisch letalen Interaktion zwischen POLD1 und ATR bestätigt und erweitert werden. Des Weiteren konnte die funktionelle Relevanz verschiedener POLD1-VUS in diesem Modell eindeutig definiert werden. Diese Daten untermauern die Hypothese, dass ATR-/CHK1-Inhibitoren einen zielgerichteten Ansatz zur Therapie von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, die spezifische POLD1-Mutationen aufweisen, darstellen.