Hintergrund:
Immer mehr Familien leben ‚multilokal‘, d.h. die Entfernung zwischen Eltern und ihren
erwachsenen Kindern wächst. Werden Eltern hilfe- oder pflegebedürftig, stellt die
Entfernung viele Angehörige vor Herausforderungen. Das Projekt AniTa, gefördert vom
GKV-Spitzenverband, möchte diesen Entwicklungen mit der Entwicklung, Implementierung
und Evaluation einer internetbasierten Tauschplattform entgegenwirken.
Methoden:
Betroffene können miteinander in den Austausch treten und explizit niedrigschwellig
Unterstützung für hilfebedürftige Verwandte „tauschen“. Um eine empirische Grundlage
für die konzeptionelle Entwicklung der Online-Plattform zu schaffen und die Bedarfe,
Erwartungen und Wünsche potentieller Nutzer darzulegen, wurden qualitative leitfadengestützte
Interviews mit n = 7 in Hamburg lebenden Betroffenen geführt und ausgewertet.
Ergebnisse:
Die individuelle Versorgungssituation entfernt lebender Angehöriger und ihrer hilfebedürftigen
Verwandten ist sehr heterogen. Die Entfernung führt dennoch in den meisten Fällen
zu psychischer und physischer Belastung und stellt Betroffene vor organisationale
Herausforderungen. Um die Distanz zu überbrücken und Informationslücken zu schließen,
wünschen sich entfernt lebende Angehörige vertrauenswürdige Ansprechpartner in der
Nähe ihrer Eltern. Detaillierte Erkenntnisse werden vorgestellt.
Schlussfolgerungen:
Das Projekt AniTa und die zu entwickelnde Tauschbörse können eine wichtige und innovative
Möglichkeit bieten, den Bedarfen multilokaler Familien und speziell entfernt lebender
pflegender Angehörigen zu begegnen und somit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung
bzw. Prävention in den besagten Lebensphasen leisten.