Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44(02): 153
DOI: 10.1055/s-0039-1684932
11) Besondere Fälle
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diagnostische Kostform zur Vorbereitung nuklearmedizinischer Untersuchung am Herzen

N Schregenberger
1  Universitätsspital Basel, Schweiz
,
F Caobelli
1  Universitätsspital Basel, Schweiz
,
C Kiss
1  Universitätsspital Basel, Schweiz
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Publication Date:
26 April 2019 (online)

 
 

    Einleitung:

    Der Glukosestoffwechsel spielt eine zentrale Rolle bei der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit 18F-2-Fluorodesoxyglucose (FDG) am Herzen. Die postprandiale Glukoseaufnahme des Myokards ist hoch, wodurch während der Untersuchung viel FDG ins Myokard aufgenommen wird und es eher zu unklaren Befunden kommt. Es gibt Hinweise darauf, dass eine vorgängige fettreiche, proteinreiche, kohlenhydratarme Diät die Aussagekraft des kardialen FDG-PET positiv beeinflusst [1,2,3]. Ziel war die Entwicklung einer standardisierte Kostform für die FDG-PET-Untersuchung am Herzen. Zudem sollten Patienten, welche die Untersuchung ambulant durchführten, ein geeignetes Hilfsmittel für diese Vorbereitungsdiät erhalten.

    Methodik:

    In der Literatur wurde nach Vorgaben für die Vorbereitungsdiät gesucht. Da die Angaben zur Kohlenhydratmenge in den Studien Interpretationsspielraum liessen, legten wir diese streng aus, damit zum Untersuchungszeitpunkt eine möglichst ketogene Stoffwechsellage vorlag. Unter Berücksichtigung der betrieblichen Möglichkeiten wurde ein dreitägiger Menüplan erstellt und mithilfe der Nährwert-Berechnungssoftware Prodi® berechnet. Die Umsetzbarkeit wurde von einer Diätköchin geprüft.

    Ergebnisse:

    Für die Vorbereitungsdiät wurden folgende Kriterien festgelegt: Beginn 72 Stunden vor dem Untersuchungstermin, mindestens 6 Stunden vor der Untersuchung nüchtern. Pro Tag enthält die Vorbereitungsdiät durchschnittlich 2400 kcal, 190 g Fett, 130 g Protein und 27 g Kohlenhydrate. Die „Diagnostische Kostform FDG“ ist mit Fleisch oder vegetarisch im Menüwahlsystem bestellbar. Der behandelnde Arzt verordnet diese, informiert den Patienten über mögliche Nebenwirkungen und veranlasst erforderliche medikamentöse Anpassungen, insbesondere Insulindosierung. Für ambulante Patienten wurde ein einfacher Austauschplan mit einzelnen Rezepten und Erklärungen erstellt. Seit Einführung der Vorbereitungsdiät kam es zu einer deutlich besseren Bildqualität infolge der adäquaten Suppression der FDG-Aufnahme ins Myokard.

    Schlussfolgerung:

    Trotz immer besserer Untersuchungsmöglichkeiten gibt es weiterhin einen Bedarf an diagnostischen Kostformen. In diesem Falle sind Kenntnisse des Stoffwechsels, die Umsetzung von Nährstoffvorgaben in ein praktikables Menü und das Erstellen von patientengerechtem Informationsmaterial erforderlich. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Nuklearmedizin und Ernährungsberatung können bestmögliche Untersuchungsergebnisse erzielt werden.

    Literatur:

    [1] Skali H., et al.: 18F-FDG PET/CT for the assessment of myocardial sarcoidosis. Curr Cardiol Rep 2013, 15(4):352 – 370.

    [2] Lu Y., et al.: suppression of myocardial 18F-FDG uptake through prolonged high-fat, high-protein, and very-low-carbohydrate diet before FDG-PET/CT for evaluation of patients with suspected cardiac sarcoidosis. Clin Nucl Med 2017, 42(2):88 – 94.

    [3] Dilsizian V., et al.: ASNC imaging guidelines/SNMMI procedure standard for positron emission tomography (PET) nuclear cardiology procedures. J Nucl Cardiol 2016, 23(5):1187 – 1226.


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