Einleitung:
Mit dem Videokopfimpulstest lässt sich der vestibulo-okuläre Reflex (VOR), insbesondere
die Funktion der hochfrequenzsensiblen vestibulären Haarzellen, seitengetrennt prüfen.
Funktionseinschränkungen werden sicher erkannt. In dieser Studie soll mittels Ableitungen
des Videokopfimpulstests untersucht werden, ob und wie sich Defizite im VOR erholen.
Methoden:
Das Untersuchungsgut umfasste 50 konsekutive Patienten (31 Männer, 19 Frauen) mit
ein- oder beidseitigen Defiziten im VOR, die an Hand des Auftretens pathologischer
Sacccaden festgestellt worden waren. Es handelte sich um unterschiedliche Krankheitsbilder,
unter denen die Neuropathia vestibularis deutlich am häufigsten vertreten war. Die
Beobachtungszeiträume reichten von 1 Monat bis zu 75 Monaten, im Durchschnitt 18,8
Monate. Beurteilungskriterium war das Auftreten von Korrektursaccaden. Die Größe der
Saccaden wurde nicht berücksichtigt, da sie reizabhängig variieren können.
Ergebnisse:
In der Entwicklung von Defiziten im VOR kristallisieren sich hauptsächlich 2 Formen
heraus: unverändert (n = 30), also keine Erholung, oder verspätetes Auftreten der
Saccaden bis hin zum Verschwinden (n = 20).
Schlussfolgerungen:
In einem nicht unerheblichen Teil der Patienten (20/50) mit einem Defizit im VOR kommt
es zu Erholungen. Diese sind nicht als Kompensation zu verstehen, sondern spiegeln
Erholungen am Rezeptor, also an den hochfrequenzsensiblen vestibulären Haarzellen,
wider. Die Erholung, der Rückgang der Schädigung, zeigt sich als Latenzverlängerung
der Saccaden, bis sie völlig verschwinden, eine Korrektursaccade nicht mehr nötig
ist.