Z Orthop Unfall 2020; 158(S 01): S195
DOI: 10.1055/s-0040-1717807
Vortrag
DKOU20-914 Allgemeine Themen->19. Polytrauma

Klinisch-funktionelle und pedobarographische Untersuchungen nach Kompartmentspaltung des Unterschenkels

J Stolberg-Stolberg
*   präsentierender Autor
1   Universitätsklinikum Münster, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster
,
J Freytag
1   Universitätsklinikum Münster, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster
,
R Stange
1   Universitätsklinikum Münster, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster
,
S Ochman
1   Universitätsklinikum Münster, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster
,
MJ Raschke
1   Universitätsklinikum Münster, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster
,
JC Katthagen
2   Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster
› Author Affiliations
 
 

    Fragestellung Das Kompartmentsyndrom ist ein chirurgischer Notfall, der durch eine Fasziotomie behandelt wird. Trotz schneller operativer Versorgung bleiben meist langfristige funktionelle und erwerbsfähigkeitsmindernde Folgeschäden zurück. Der Einfluss auf die Funktion der betroffenen Extremität gemessen mittels Pedobarographie wurde bisher noch nicht untersucht.

    Methodik Alle Patienten eines überregionalen Trauma Zentrums, die im Zeitraum von 2012-2018 eine Kompartmentspaltung des Unterschenkels erhalten haben, wurden mittels OPS Code identifiziert. Von 63 Patienten konnten nach Anwendung der Ausschlusskriterien (< 18 und >65 Jahre, Verletzung der kontralateralen Extremität, Polyneuropathie, Polytrauma, Traumazeitpunkt < 6 Monate, Amputation, Gefäßverletzung, Haft, Tod) 22 Patienten eingeladen und 21 untersucht werden. Neben der pedobarographischen Ganganalyse wurde die Maximalkraft, SF36, Work Ability Index, VAS-Foot und Ankle, EFAS-score erhoben.

    Ergebnisse und Schlussfolgerung 17 männliche und 4 weiblich Patienten (45,6±15,8 Jahre alt) wurden 44,67± 28,2 Monate nach Kompartmentspaltung untersucht. Im Seitenvergleich konnten wir auf der operierten Seite eine verminderte Belastung des Fußes mit geringeren Spitzendrücken im Bereich der Großzehe, MTII, Ferse und Zehen II-V feststellen (p<0,05). Der Gesamtspitzendruck auf der nicht betroffenen Seite betrug 667,1(±206,8)KPa und auf der erkrankten Seite 573,1(±231,4)KPa (p<0,01). Eine verlängerte Kontaktzeit konnte auf der gesunden Seite im Bereich des Vorfußes (MTII 86,2(±4,9)%; MTIII 87,8(±5,6)%; Großzehe 73,3(±8,4)%) erfasst werden (p<0,05). Des Weiteren konnte auf der nicht betroffenen Seite eine vergrößerte Gesamtkontaktfläche von 140,9(±21,7)cm2 im Vergleich zur erkrankten Seite mit 129,8(±21,1)cm2 festgestellt werden (p<0,05). Die Kraftmaxima in Dorsalextension, Plantarflexion und Pronation betrugen 248,3(±70,6)N, 388,2 (±89,3)N und 169,5(±61,1)N auf der gesunden Seite und 194,2(±77,9)N, 300,2(±128,3)N und 118,8(±73,2)N auf der verletzten Seite (p<0,01). Der SF36 zeigte in allen Subkategorien verminderte Messwert im Vergleich zur Vergleichskohorte (p<0,05). Ein Work-Ability Index von 26,1(±11,3)/49 Punkten, VAS-Foot und Ankle 59,2(±22,5)% und EFAS-score von 14,5/24(±7) wurden erhoben. Auf der erkrankten Seite zeigte sich eine verminderte Koordinationsfähigkeit im Einbein- und Hackenstand, Zehen- und Hackengang. Das Kompartmentsyndrom des Unterschenkels ist eine schwere Verletzung, die mit messbaren funktionellen Einschränkungen und verminderter Lebensqualität assoziiert ist. Die Pedobaographie kann als zusätzliches Messinstrument zur Objektivierung von posttraumatischen funktionellen Veränderungen beitragen.

    Stichwörter Kompartmentsyndrom, Pedobarographie, Trauma


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    Publication History

    Article published online:
    15 October 2020

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