Hintergrund
Die Erfahrung des letzten Jahrzehnts hat gezeigt, dass die rechnerisch anspruchsvolle
3D-Bildgebung aufgrund des rasanten technologischen Fortschritts zunehmend
verfügbar ist. Angewandt in der thorakalen Bildgebung, vereinfacht das
Verständnis der Anatomie sowohl für den Auszubildenden als auch
für den erfahrenen Operateur und kann die operativ-technische
Qualität in Präzision, Sicherheit und Geschwindigkeit steigern.
Material und Methode
Verwendet wurde eine Rechnereinheit mit leistungsstarkem Grafikprozessor sowie eine
VR-Brille. Die gewöhnlichen DICOM-Daten aus der Schnittbildgebung wurden
mittels innovativer Software in farbkodierte 3D-Rekonstruktionen transorfmiert und
können im VR–Space biokulär betrachtet, gefenstert,
bearbeitet und vermessen werden. Das System wurde für die
präoperative Planung bei Brustwandresektion, Operationen bei kongenitale
Anomalien, akuten Thoraxverletzungen und zentral liegende Lungenraumforderungen
verwendet und interdisziplinär betrachtet.
Ergebnis
Ein zusätzlicher trachealer Oberlappenbronchus bei einem Erwachsenen und ein
abwesender Oberlappenbronchus bei einem Neugeborenen konnten identifiziert werden.
Eine virtuelle Bronchoskopie konnte für die Planung einer endobronchialer
Tumorresektion erfolgen. Die 3D-Rekonstruktion war bei einer Schussverletzung des
Thorax hilfreich. Das Ausmaß einer Brustwandinfiltration bei lokal
fortgeschrittenem Tumorleiden konnte nachvollzogen werden.
Schlussfolgerung
Mittels stereoskopischer Darstellung der 3D-Rekonstruktion erhöht sich die
Wertigkeit der Schnittbildgebung im periprozedualen Setting deutlich. Insbesondere
bei Fällen mit hoher operativ-technischer Komplexität bietet das
System eine verbesserte Einschätzung zur Planung des operativen Vorgehens.
Die Bedienung ist hierbei so einfach wie intuitiv. Als zunehmend erschwingliches
Werkzeug bietet die VR-Rekonstruktion das Potential eine breite Anwendung in der
operativen Planung zu finden.
Die Systeme werden mit künftig voranschreitender Entwicklung der Hard- und
Software sowie zunehmender Breitbandvernetzung um eine Vielzahl an
Möglichkeiten erweitert. Kollaborative ortsungebundene Betrachtung und
Bearbeitung der Rekonstruktion werden implementiert werden. Operationsschritte
können hier antizipiert oder simuliert werden und beschleunigen die
chirurgische Weiterbildung. Die 3D-Rekonstruktion in der erweiterten
Realität bieten die Möglichkeit einer intraoperativen Anwendung.