Aktuelle Dermatologie 2016; 42(10): 390
DOI: 10.1055/s-0042-117108
Derma-Fokus
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Berufsbedingtes Handekzem – Differenziertes klinisches Bild

Further Information

Publication History

Publication Date:
13 October 2016 (online)

 

Handekzeme (HE) sind die häufigsten berufsbedingten Hauterkrankungen. Klinisch zeigen sich unterschiedliche Typen, die mit bestimmten individuellen und Umweltfaktoren assoziiert sind, wie R. Brans und S. M. John zeigen konnten.
J Eur Acad Dermatol Venereol 2016; 30: 798–805

Die Autoren werteten retrospektiv Daten von 723 Patienten mit berufsbedingtem HE aus, die an Kliniken in Osnabrück und Hamburg an einem individuellen Präventionsprogramm (TIP) teilgenommen hatten. Die größten Kohorten kamen aus Gesundheitsberufen, der metallverarbeitenden Industrie, dem Friseurhandwerk und dem Baugewerbe. Es wurden 3 Subtypen von HE unterschieden: vesikuläres, hyperkeratotisches und HE mit Erythem und Schuppung. Weibliche Pa­tienten mit HE waren signifikant jünger als männliche (Odds Ratio [OR] 0,97; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,96–0,99). Die Prävalenz eines Beugeekzems und einer atopischen Komponente war bei ihnen höher als bei den Männern (OR Beugeekzem 1,60; 95 %-KI 1,15–2,23; OR Atopie 1,84; 95 %-KI 1,36–2,48). Die Subtypen zeigten eine unterschiedliche Verteilung unter den Geschlechtern. Bei Frauen war das vesikuläre HE häufiger (OR 1,44; 95 %-KI 1,07–1,94) und öfter assoziiert mit Hyperhidrose (OR 1,69, 95 %-KI 1,23–2,33), Beugeekzem (OR 1,37; 95 %-KI 0,99–1,89) und einer atopischen Komponente (OR 1,93; 95 % KI 1,44–2,61) als bei Männern. Dagegen waren hyperkeratotische HE deutlich häufiger bei Männern als bei Frauen zu finden (OR 3,70; 95 %-KI 2,27–6,25) und assoziiert mit höherem Alter (OR 1,04; 95 %-KI 1,02–1,06). HE mit Erythemen und Schuppung waren sehr heterogen. Hier ließ sich in der Kohorte kein klares Muster zeigen. Die Assoziation von beruflich bedingtem HE und Rauchgewohnheiten ist bekannt. Eine deutliche Assoziation ließ sich in der untersuchten Kohorte für das vesikuläre HE bestätigen (OR 1,94; 95 %-KI 1,40–2,68, p < 0,001). Ein hyperkeratotisches Hand­ekzem war aber seltener bei Rauchern als bei Nichtrauchern (OR 0,38; 95 %-KI 0,22–0,65; p < 0,001). Nach der Regressionsanalyse war Rauchen unabhängig von Geschlecht, Alter, Hyperhidrose, Beugeekzem, Beruf und verschiedenen ätiologischen Faktoren ein statistisch signifikanter Risikofaktor für ein vesikuläres HE.

Fazit

Individuelle und Umweltfaktoren sind in der untersuchten Kohorte mit unterschiedlichen klinischen HE-Charakteristika assoziiert. Sie könnten relevant für die Prognose sein und sollten bei der individuellen Versorgung berücksichtigt werden. Rauchen scheint nach diesen Daten speziell ein Risikofaktor für ein vesikuläres HE zu sein.

Friederike Klein, München