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DOI: 10.1055/s-0042-117531
Periphere Gelenke
Peripheral JointsAuthors
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Publication History
Publication Date:
29 December 2016 (online)
Liebe Leserinnen und Leser der Aktuellen Rheumatologie,
die orthopädische Behandlung rheumatischer Erkrankungen hat sich durch den großen Erfolg der medikamentösen Entzündungshemmung grundlegend gewandelt. Waren bis zur Jahrtausendwende unter der Basistherapie mit DMARDs mit und ohne additiver, niedrig dosierter Kortisonbehandlung akut schmerzhafte Gelenke mit hoch progressiver Destruktion sehr häufig und somit Synovialektomien an der Tagesordnung, so treten diese heute nur noch sehr selten beim Versagen der medikamentösen Therapie auf. Gering entzündete Gelenke sind meistens nicht oder nur gering schmerzhaft.
Dies führt dazu, dass diese Patienten, trotz eines breiteren therapeutischen Fensters zur Vermeidung von Destruktionen, dem Rheumaorthopäden zu spät vorgestellt werden, um protektiv tätig werden zu können. Eine Schmerzbefreiung kann bei fortgeschrittenen Destruktionen und sekundären Fehlstellungen häufig nur noch durch eine Endoprothese oder eine Versteifung, welche mit bleibenden Funktionseinschränkungen einhergehen, erzielt werden. Auch chronische Sehnenscheidenentzündungen sollten zügig der Tenosynovialektomie zugeführt werden, um Defektrupturen der Sehnen, welche komplex in der Nachbehandlung sind und häufig mit unbefriedigenden mittel- und langfristigen Ergebnissen einhergehen, vorzubeugen.
Bei Patienten mit geringer Entzündungsaktivität oder in Remission kommen zunehmend Operationsverfahren aus der Therapie degenerativer Erkrankungen zur Anwendung, welche bessere Ergebnisse erwarten lassen, früher beim Rheumatiker aber kontraindiziert waren.
Der erste Artikel dieses Heftes beschäftigt sich mit dem speziellen perioperativen Management, die 3 folgenden mit der modernen operativen Therapie der kleinen Gelenke an der Halswirbelsäule sowie an Händen und Füßen. Die Halswirbelsäule wird aufgrund der besonderen Anatomie der Kopfgelenke und dem daraus resultierenden Befallsmuster auch als „fünfte Extremität“ bezeichnet. Im Anschluss an die operative Therapie werden die Prinzipien der orthopädischen Schuhversorgung als Ergänzung oder Alternative zur operativen Therapie dargestellt.
Den Abschluss dieses Heftes bildet ein Thema, welches in der Vergangenheit nur sehr wenig Beachtung fand: Die Behandlung des verunfallten Rheumatikers. Durch die geringeren Beschwerden unter suffizienter Immunsuppression sind die Rheumatiker heute aktiver und führen ein annähernd normales Leben unter Einschluss von Risikosportarten. Dies führt dazu, dass sie sich häufiger schwerere Verletzungen bis hin zum Polytrauma zuziehen. Schwerverletzte werden in Deutschland durch die flächendeckenden Traumanetzwerke von der Unfallstelle direkt den Traumazentren zugeführt, um die Überlebenschancen zu erhöhen. Da in der Ausbildung zum Unfallchirurgen rheumaorthopädische Inhalte fehlen, besteht die Gefahr von Behandlungsfehlern bei dieser besonderen Klientel.
Zusammenfassend hat sich die Rheumaorthopädie in den letzten Jahren in ihrem Anforderungsprofil so stark wie keine andere operative Disziplin gewandelt. Dieses Heft soll dazu beitragen dieses neue Wissen zu verbreiten. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der für Orthopäden und Internisten gleichermaßen wichtigen Lektüre.
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Gaulke
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