Talamonti M.
et al.
Alexithymia and Plaque Psoriasis: Preliminary Investigation in a Clinical Sample of
250 Patients.
Dermatology 2016;
232: 648-654
Diesem Gedanken folgend testeten Marina Talamonti et al. 250 Patienten mit moderater
bis schwerer Psoriasis mittels Toronto Alexithymia Scale auf Alexithymie. Diese auch
als Gefühlsblindheit bezeichnete Störung beschreibt ein typisches Muster von Problemen,
die dadurch gekennzeichnet sind, dass der Betroffene Gefühle schlecht erkennen und
beschreiben kann, ein nur geringes Vorstellungsvermögen hat und ein nach außen gerichtetes
Denken aufweist. Alexithymie findet sich grundsätzlich häufig bei verschiedenen chronischen
Leiden, inklusive Hautkrankheiten, ist aber bei Psoriasis nur wenig untersucht.
Die Patienten der Studie hatten bisher keine systemische Therapie erhalten, wiesen
keine diagnostizierte psychische Krankheit auf; Raucher und Alkoholiker waren ausgeschlossen.
Als Kontrolle dienten 215 gesunde Personen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht
gematcht waren. Wie sich zeigte, wiesen 32,4 % der Patienten für eine Alexithymie
typische Persönlichkeitsmerkmale auf (zusätzlich 27,6 % einen Borderline-Befund).
In der Vergleichsgruppe zeigten 9,3 % eine Alexithymie (plus 10,2 % Borderline). Der
mittlere Score im Toronto Alexithymia Scale mit 20 items (TAS-20) betrug bei den Patienten
53,5 versus 45,1 bei den Kontrollen (p < 0,0001). Auch innerhalb der Gruppe der Psoriasis-Patienten
unternahmen die Autoren Subanalysen: Hier ergaben sich positive Korrelationen zwischen
einem hohen TAS-20-Wert und weiblichem Geschlecht (OR 0,21), der Beteiligung sensibler
Hautareale (Gesicht, Hände, Genitalbereich; OR 1,87) sowie dem Vorliegen von Begleitkrankheiten
(OR 3,16). Im Gegensatz dazu spielten Dauer (>/< 10 Jahre) und Schweregrad der Psoriasis
(Psoriasis Area and Severity Index [PASI] </> 10) für das Vorliegen einer Alexithymie
keine Rolle. Anhand des PASI ließ sich also die psychische Belastung eines Patienten
grundsätzlich nicht gut abschätzen.
Die Beurteilung einer Alexithymie sollte Teil einer umfassenden Betreuung von Patienten
mit mäßiger oder starker Psoriasis mit den dadurch bedingten sozialen und psychiatrischen
Problemen sein, schreiben die Autoren. Als tool eigne sich hierfür der TAS-Score.
Dadurch ließen sich die oft nicht diagnostizierten psychischen Probleme der Patienten
erkennen und, ggf. durch Überweisung an einen Psychiater, berücksichtigen.
Dr. med. Susanne Meinrenken, Bremen