Pädiatrie up2date 2017; 12(03): 227-243
DOI: 10.1055/s-0043-114856
Atemwegsinfektionen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Virale Atemwegserkrankungen – Influenza, RSV und neue Viren

Michael Kleines
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Publication Date:
27 October 2017 (online)

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Atemwegsinfektionen sind häufig und werden meist durch Viren ausgelöst. Bei den meisten Fällen ist der obere Respirationstrakt betroffen, aber bei bis zu einem Drittel der Fälle werden auch Erkrankungen des unteren Respirationstrakts beobachtet. Dabei kann es u. a. zur Bronchitis, zu Exazerbationen chronisch obstruktiver Atemwegserkrankungen oder zu ambulant erworbenen Pneumonien kommen. Die Hauptlast der Respirationstraktinfektionen tragen Kinder.

Kernaussagen
  • Zahlreiche respiratorische Viren wurden identifiziert, viele davon erst in den letzten 2 Jahrzehnten. Sie sind Grundlage für bis zu 90% der respiratorischen Infektionen weltweit.

  • Klinisch sind die Infektionen mit den unterschiedlichen respiratorischen Viren zumeist nicht sicher voneinander zu unterscheiden. Hier hilft nur eine spezifische Labordiagnostik aus geeignetem respiratorischen Material.

  • Höchste Sensitivität und Spezifität haben Nukleinsäureamplifikationsverfahren. Diese stehen sowohl für den Einzelnachweis eines Virus als auch für den syndromorientierten Nachweis aller relevanten Viren durch Multiplexverfahren zur Verfügung. Point-of-Care-Systeme auf Basis von Nukleinsäureamplifikation können die Nachweiszeit auf bis zu 15 min reduzieren.

  • Nur für Influenzaviren sind spezifische antivirale Wirkstoffe oder effektive Impfstoffe zugelassen. Mit Palivizumab steht ein humanisierter monoklonaler Antikörper zur passiven Immunisierung von Frühgeborenen und kleinen Kindern mit einer Grunderkrankung gegen respiratorische Synzytialviren (RSV) zur Verfügung.

  • Für einige länger bekannte oder aber auch neue Viren, wie z. B. RSV, humanes Metapneumovirus und bestimmte Coronaviren, ist die Entwicklung geeigneter Therapeutika und Impfstoffe weit fortgeschritten. Bei anderen respiratorischen Viren gibt es in dieser Hinsicht keinerlei positive Entwicklungen.