Der Klinikarzt 2017; 46(08): 390-394
DOI: 10.1055/s-0043-116606
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Pulmonale Hypertonie bei Lungenerkrankungen

Diagnostik, Schweregradabschätzung und Therapie

Authors

  • Tobias J. Lange*

    1   Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Bereich Pneumologie, Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg
  • Hans Klose*

    2   II Medizinische Klinik und Poliklinik, Sektion Pneumologie, Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Hamburg
  • Jan F. Grimminger

    2   II Medizinische Klinik und Poliklinik, Sektion Pneumologie, Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Hamburg
  • Matthias Held

    3   Zentrum für pulmonale Hypertonie und Lungengefäßkrankheiten, Innere Medizin und Pneumologie, Standort Missioklinik, Klinikum Würzburg Mitte, Würzburg
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Publication Date:
24 August 2017 (online)

Zusammenfassung

Insbesondere fortgeschrittene und länger andauernde Lungenerkrankungen gehen oft mit einer pulmonalen Hypertonie (PH) einher, wobei diese in der Regel hämodynamisch nur gering ausgeprägt ist und das klinische Erscheinungsbild nicht dominiert, aber dennoch die Prognose der Patienten verschlechtert. Hinweise auf das Vorliegen einer PH bei Lungenerkrankungen können eine progrediente Dyspnoe und/ oder ein rückläufiger Transferfaktor bei stabiler Ventilationsstörung in der Lungenfunktion, ein erhöhter oder steigender NT-proBNP-Wert, ein erniedrigter oder fallender pCO2-Wert in der Blutgasanalyse oder das Auftreten kardialer Dekompensationszeichen sein.

Bei Verdacht auf PH bei Patienten mit Lungenerkrankungen sollte eine Echokardiografie erfolgen, um die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer PH abzuschätzen. Bei niedriger PH-Wahrscheinlichkeit oder geringer Ausprägung der Rechtsherzbelastung sollten unter optimaler Therapie der Grunderkrankung zunächst nicht-invasive Verlaufskontrollen erfolgen. Besteht anhand der nicht-invasiven Untersuchungen der Verdacht auf eine schwere PH bzw. Rechtsherzbelastung, welche durch die Schwere der Lungenerkrankung nicht gut erklärt ist, müssen weitere PH-Ursachen wie Linksherzerkrankungen und rezidivierende Lungenembolien ausgeschlossen werden, wobei letzteres jedoch insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittenen Lungenerkrankungen schwierig sein kann. Die zur definitiven Diagnosesicherung einer PH bei Lungenerkrankungen erforderliche Rechtsherzkatheteruntersuchung wird nach aktuellen Leitlinien nur im Falle voraussichtlicher therapeutischer Konsequenzen wie z. B. vor einer Lungentransplantation empfohlen.

Therapeutisch steht die optimale Behandlung der Lungenerkrankung im Vordergrund, der Einsatz Lungengefäß-erweiternder Medikamente wird aufgrund fehlender Zulassung sowie möglicher nachteiliger Effekte nicht empfohlen. Patienten mit schwerer PH bei Lungenerkrankung sollten zur Entscheidung über eine individuelle Therapie und für den Einschluss in klinische Studien im PH-Zentrum vorgestellt werden.

Fußnoten

* geteilte Erstautorenschaft