Aktuelle Rheumatologie 2019; 44(01): 52-56
DOI: 10.1055/s-0043-122674
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Patient Reported Outcomes (PROs) im rheumatologischen Praxisalltag – App hat sich bewährt

Patient-Reported Outcomes (PROs) in Daily Rheumatology Practice: App Proves Successful
Sarah Ohrndorf
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Marie-Christin Weber
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Sandra Hermann
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Karlfried Aupperle
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Beate Follendorf
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Daniela Krahl
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Anne Kücük
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Gabriela Schmittat
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Anne-Eve Roske
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Michael Schoettler
2  Roche Pharma AG, Rheumatologie, Grenzach-Wyhlen
,
Tobias Alexander
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Marina Backhaus
1  Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin
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Korrespondenzadresse

Dr. Sarah Ohrndorf
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und
Klinische Immunologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
Berlin, 10117
Phone: +49/30/450 513 060   
Fax: +49/30/450 513 939   

Publication History

Publication Date:
05 February 2018 (online)

 

Zusammenfassung

Hintergrund Patient-reported-outcomes (PROs) haben einen zunehmenden Einfluss auf die unmittelbare Therapieentscheidung des Arztes in der klinischen Praxis.

Zielstellung Überprüfung der Integration und des Nutzens von elektronisch erhobenen PROs per ScoreCheck Rheuma®-App (SCR App) im klinischen Praxisalltag der rheumatologischen Fachambulanz (Dispensaire) der Charité - Universitätsmedizin Berlin in Hinblick auf Praxistauglich, Patientenakzeptanz und medizinischen Mehrwert.

Patienten und Methoden N=190 Patienten (63% weiblich, mittleres Alter: 55 Jahre, min 23-max 82; Diagnosen: 52,9% Rheumatoide Arthritis, 28,6% Spondyloarthritis, 9,3% Kollagenosen, 3,6% Vaskulitis, 5,6% sonstiges) sowie 3 medizinische Fachangestellte (MFA) und 3 Ärzte (Rheumatologen) haben an diesem Pilotprojekt teilgenommen. Die folgenden PROs wurden elektronisch mittels SCR App von den eingeschlossenen Patienten ausgefüllt: FFbH (Funktionsfragebogen Hannover), BASDAI (Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index) und BASFI (Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index) sowie ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung. Zusätzlich wurde für jeden eingeschlossenen Patienten je ein Beurteilungs-Protokoll vom Patienten selbst, von der zuständigen MFA und vom betreuenden Arzt ausgefüllt.

Ergebnisse Von den 190 teilnehmenden Patienten gaben 147 (77%) an, Vorerfahrungen mit Touchpad-Geräten zu haben. 96% der Patienten fühlten sich außerdem gut bis sehr gut in die Bedienung des iPADs und der SCR App durch die MFAs eingewiesen und fanden das Ausfüllen der Fragebögen auf dem iPAD einfach; Schwierigkeiten, wie z. B. mit der Schriftgröße, der Handhabung, usw. wurden nur von 10% der Patienten angegeben. Immerhin 74% der Patienten wünschten sich den vermehrten Einsatz elektronischer Hilfsmittel beim Arztbesuch und 75% bevorzugten den Einsatz des iPADs gegenüber dem Ausfüllen der Fragebögen auf Papier. Die MFAs gaben in über 80% der Fälle an, dass die Patienten die Fragebögen zu den PROs ohne oder mit nur wenig Hilfe selbstständig ausfüllen konnten. In ca. 2/3 der Fälle sahen die MFAs Vorteile durch die Anwendung der SCR App sowohl bezüglich der Qualität der Patientenbetreuung als auch bezüglich der Erfassung der Funktionsscores. Die Ärzte sahen in 2/3 der Fälle eher keine Zeitersparnis durch den Einsatz des iPADs. In 78% der Fälle konnte der Patientenscore in das Arzt-Patienten-Gespräch eingebracht werden, jedoch sparte die Anwendung der SCR App nur in 50% der Fälle Zeit im Praxisalltag. Die Ärzte sahen v. a. Vorteile bezüglich der Anamneseerhebung und der Therapieempfehlungen.

Schlussfolgerung Insgesamt zeigt das vorgestellte Pilotprojekt zur Anwendung und Integration der SCR App eine gute Resonanz bei den Patienten, MFAs und Ärzten. Die Arztbewertung ergibt, dass durch die SCR App bei jedem zweiten Patienten ein Vorteil bei der Therapieempfehlung gesehen wurde.


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Abstract

Background Patient-reported outcomes (PROs) have an increasing impact on therapeutic decisions in clinical practice.

Aim To review the integration of electronically collected PROs via the ScoreCheck Rheuma® App (SCR App) in the clinical routine of the outpatient rheumatology department of the Charité - Universitätsmedizin Berlin with respect to its practical usefulness, patients’ acceptance and additional medical value.

Patients and methods 190 patients (63% female; median age: 55 years, range 23–82) with the diagnosis of rheumatoid arthritis (52.9%), seronegative spondyloarthritis (28.6%), connective tissue disease (9.3%), vasculitis (3.6%) and others (5.6%) as well as three medical assistants and three physicians (rheumatologists) participated in this pilot project. The following PROs were electronically completed by the included patients via the SCR App: FFbH (Functional Questionnaire Hannover), BASDAI (Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index) and BASFI (Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index) and one questionnaire addressing patients’ self-assessment. In addition, medical assistants, physicians and patients themselves had each to fill out an assessment protocol at patients' inclusion.

Results 147 patients (77%) reported that they had previous experience in using touchpad devices. 96% of patients said that they were well instructed in the use of the SCR App through the medical assistants. Difficulties with the SCR App were reported in 10% of patients, mostly due to font size, touchpad handling, etc. 74% of patients wished to use electronic devices in medical settings more often, and 75% preferred to use iPADs instead of paper forms. The medical assistants reported that more than 80% of patients were able to complete the PROs via SCR App without any help. In about two thirds of cases, medical assistants saw an advantage of the SCR App regarding the quality of patient care and the detection of functional scores. Two thirds of the physicians did not report any saving of time through the SCR App. In 78% of cases, patient scores could be integrated into the patient-physician communication. However, the use of the SCR App was time-saving in only 50% of cases. Physicians mainly saw advantages in the use of the SCR App in terms of medical history taking and therapeutic decisions.

Conclusion In summary, this pilot project, which investigated the implementation of the SCR App in the daily rheumatology routine, met with positive feedback from patients, medical assistants and physicians. From the physicians’ perspective, the use of the SCR App provided advantages regarding therapeutic decisions in every other patient.


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Einleitung

‚Patient-reported-outcomes (PRO)‘ werden in der Patientenbetreuung immer wichtiger; sie haben einen zunehmenden Einfluss auf die unmittelbare Therapieentscheidung des Arztes in der klinischen Praxis und können damit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das optimale Therapiekonzept für den jeweiligen Patienten zu finden („individualisierte Medizin“) [1] [2].

Dieses Pilotprojekt hatte zum Ziel, die so genannten Score Check Rheuma® -App (SCR App) auf ihren Nutzen in Hinblick auf Praxistauglich, Patientenakzeptanz und medizinischen Mehrwert zu überprüfen. Durchgeführt wurde das Projekt in der rheumatologischen Fachambulanz der Charité (Dispensaire). Die Bewertung wurde sowohl von Patienten als auch von medizinischen Fachangestellten (MFA) und Ärzten vorgenommen. Normalerweise werden Patientenscores in der rheumatologischen Fachambulanz mittels Papierfragebögen erfasst. Durch die SCR App werden u. a. folgende PROs von den eingeschlossenen Patienten elektronisch ausgefüllt: FFbH (Funktionsfragebogen Hannover), BASDAI (Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index), BASFI (Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index) sowie ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung. Letztlich sollte eine Optimierung der SCR App erfolgen (z. B. durch eine Datenübertragung in die elektronische Patientenakte usw.) (Abb. 7 Im Internet).


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Patienten und Methoden

Projekt-Teilnehmer

190 Patienten (63% weiblich, mittleres Alter: 55 Jahre, min 23-max 82) mit folgender Verteilung der Diagnosen: 52,9% Rheumatoide Arthritis, 28,6% Spondyloarthritis, 9,3% Kollagenosen, 3,6% Vaskulitis, 5,6% sonstiges) sowie 3 medizinische Fachangestellte (MFA) und 3 Ärzte haben an diesem Pilotprojekt teilgenommen.


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Patient reported outcomes

Die folgenden PROs wurden elektronisch mittels der SCR App von den eingeschlossenen PatientInnen ausgefüllt: FFbH (Funktionsfragebogen Hannover) bei Rheumatoider Arthritis, BASDAI (Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index) und BASFI (Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index) bei Spondyloarthritis sowie ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung bei allen eingeschlossenen Patienten. Für jeden eingeschlossenen Patienten wurde zusätzlich je ein Beurteilungs-Protokoll vom Patienten selbst, vom betreuenden Arzt und von der zuständigen MFA ausgefüllt.


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Laufzeit des Projektes

Nach einer ca. 2-wöchigen Vorbereitungszeit begann der Einsatz des iPADs mit der SCR App im April 2014. Insgesamt dauerte die Phase dieses Pilotprojektes ca. 5 Monate an und endete im Oktober 2014.


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Projektdurchführung

Innerhalb der Projektphase wurden Korrekturen durchgeführt, die aber keine Änderungen in der Methodik beinhalteten. Im Verlauf des Projektes wurde eine Reduktion der Scores auf 3 Scores (HAQ, BASDAI, BASFI) vorgenommen. Dies waren die bereits vor dem Projekt routinemäßig am häufigsten angewandten Scores, was die Durchführbarkeit des Projektes erleichterte. Es wurde also keine Änderung in der Methodik durchgeführt, sondern nur eine Fokussierung auf 3 bekannte Scores (s. o.) durchgeführt.

Pro Tag haben 3-5 Patienten am Projekt teilgenommen und die 3 genannten PROs (FFbH, BASDAI, BASFI) mit Hilfe der SCR App auf dem iPAD (anstatt - wie normalerweise üblich - auf einem Papier-Fragebogen) ausgefüllt. Die Auswahl der 3-5 Patienten pro Tag entsprach der im Protokoll angesetzten Patientenzahl, da als „Zusatzarbeit“ zum normalen medizinischen Alltag für mehr Patienten keine Zeit war. Die Auswahl der Patienten wurde durch die MFAs zufällig vorgenommen, wobei ein Bias dadurch nicht sicher ausgeschlossen werden kann.


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Ablauf

Zu Beginn einer Projektwoche wurden die Patienten, die am Projekt teilnehmen sollten, von der zuständigen medizinischen Fachassistentin (bzw. von einer stud. Hilfskraft) ausgewählt und die iPADs mit den entsprechenden Fragebögen vorbereitet.

Der Ablauf beinhaltete im Einzelnen:

  • Auswahl der teilnehmenden Patienten aus dem Wochenkalender der rheumatologischen Fachambulanz

  • Eingabe der Patientendaten in RheumaDoc®

  • Auswahl der entsprechenden Fragebögen in RheumaDoc® und Absenden der Fragebögen

    • FFbH (Funktionsfragebogen Hannover) bei Rheumatoider Arthritis

    • BASDAI (Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index) und BASFI (Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index)

    • Fragebogen zur Selbsteinschätzung für alle PatientInnen (VAS)

  • Einlesen der Patienten aus RheumaDoc® auf das iPAD (siehe App im Überblick)

  • Auswahl der Fragebögen, individuell für jeden Patienten

Während der Sprechstunde wurde nun das iPAD durch die medizinischen Fachassistenten an den teilnehmenden Patienten ausgehändigt und dieser wurde in die Bedienung der SCR App und des iPADs eingewiesen.

Nachdem der Patient die Scores ausgefüllt hatte, wurden die Fragebögen vom iPAD via WLAN zurück an RheumaDoc® gesendet und die Ergebnisse am PC in RheumaDoc® eingelesen.

Beim Arzt-Patienten-Gespräch konnte der Arzt nun die Scores in RheumaDoc® aufrufen und in die Anamnese klinische Untersuchung und Therapieentscheidung miteinbeziehen.

Anschließend erfolgte die Evaluation (je Patient) durch den Arzt, den Patienten und die medizinische Fachassistentin mittels der zu Beginn des Projektes erstellten Protokolle.

Dieses Pilotprojekt zielte nicht darauf ab, Papier- und elektronische Version miteinander zu vergleichen, sondern sollte den Nutzen der SCR App in Hinblick auf ihre Praxistauglichkeit, ihre Patientenakzeptanz und ihren medizinischen Mehrwert überprüfen.


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Ergebnisse

Von den 190 teilnehmenden Patienten gaben 147 (77%) an, Vorerfahrungen mit Touchpad-Geräten zu haben. 96% der Patienten fühlten sich außerdem gut bis sehr gut in die Bedienung des iPADs und der SCR App eingewiesen. 96% der Patienten fanden das Ausfüllen der Fragebögen auf dem iPAD einfach; jedoch wurden von 10% der Patienten Verbesserungsmöglichkeiten angegeben (Details siehe [Tab. 1]). Immerhin 74% der PatientInnen wünschten sich den vermehrten Einsatz elektronischer Hilfsmittel beim Arztbesuch und 75% der PatientInnen bevorzugten den Einsatz des iPADs gegenüber dem Ausfüllen der Fragebögen auf Papier ([Abb. 1]).

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Abb. 1 Die abschließende Bewertung der Anwendung der ScoreCheck Rheuma®-App (SCR App) von Seiten der eingeschlossenen Patienten.

Tab. 1 Folgende Schwierigkeiten wurden von den Patienten angegeben.

Anzahl der Nennungen

Lesbarkeit der Schrift

3

Handhabung des Stiftes

4

Drücken der Oberfläche

10

Größe/Gewicht des Gerätes

3

„Anderes“

4

Unter „Anderes“ wurden genannt:
-Schriftgröße zu klein; -Patient spricht kein Deutsch; -fehlende Erfahrung mit Touchpadgeräten; -Zahlen innerhalb der visuellen Analogskala wären besser

Die MFAs gaben in über 80% der Fälle an, dass die Patienten die Fragebögen zu den PROs ohne oder mit nur wenig Hilfe selbstständig ausfüllen konnten. In ca. 2/3 der Fälle sahen die MFAs Vorteile durch die Anwendung von SCR App, sowohl bezüglich der Qualität der Patientenbetreuung als auch bezüglich der Erfassung der Funktionsscores ([Abb. 2]). Die Anwendung der SCR App wurde größtenteils als hilfreich beschrieben ([Abb. 3]).

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Abb. 2 Die abschließende Bewertung von Seiten der MFAs hinsichtlich der Vorteile bzgl. der Patientenbetreuung durch die Anwendung von SCR App.
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Abb. 3 Die abschließende allgemeine Bewertung der Anwendung von SCR App von Seiten der MFAs.

Durch die MFAs wurden in 10% Schwierigkeiten seitens der Patienten im Umgang mit dem iPAD wie folgt angegeben: ([Tab. 2])

Tab. 2 Angabe der MFAs hinsichtlich der Schwierigkeiten der Patienten im Umgang mit dem iPAD.

Anzahl der Nennungen

Umgang mit dem iPAD generell

13

Navigation zw. Fragebögen

1

Auswahl der Antworten

1

Sonstiges

4

Es wurde Folgendes angemerkt:

  • Die Auswahl und Eingabe der Zahlen mit dem Zahlenrad fällt vielen Patienten schwer: aus Erfahrungen beim Einsatz der SCR App für die Kerndokumentation fällt auf, dass manche Patienten aufgrund des Zahlenrads falsche Angaben machen, z. B. statt 1 eine 10 oder 100 angeben;

  • es fällt manchen Patienten schwer, die Hand nicht auf der iPAD-Oberfläche abzulegen, wenn sie die Fragebögen ausfüllen, wodurch die Berührung der Oberfläche durch den Stift nicht erkannt wird;

  • die Fragebögen sollten in verschiedenen Sprachen auf dem iPAD verfügbar sein.

  • Die Ärzte sahen in 2/3 der Fälle eher keine Zeitersparnis durch den Einsatz des iPADs. In 78% der Fälle konnte der Patientenscore in das Arzt-Patienten-Gespräch eingebracht werden, jedoch sparte die Anwendung von SCR App nur in 50% der Fälle Zeit im Praxisalltag ([Abbs. 4] und [5]). Die Ärzte sahen v. a. Vorteile bezüglich der Anamneseerhebung und der Therapieempfehlung ([Abb. 6])

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Abb. 4 Die abschließende allgemeine Bewertung der Anwendung von SCR App von Seiten der Ärzte.
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Abb. 5 Die abschließende Bewertung von Seiten der Ärzte hinsichtlich der Zeitersparnis in der Praxisroutine durch die Anwendung von SCR App.
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Abb. 6 Die abschließende Bewertung von Seiten der Ärzte hinsichtlich der Vorteile (bzgl. Anamnese, körperliche Untersuchung, Einschätzung der Krankheitsaktivität, Erkennen/Abklären von Co-Morbiditäten und Therapieempfehlungen) in der Praxisroutine durch die Anwendung von SCR App.

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Zusammenfassung und Diskussion

Die Resonanz der Patienten gegenüber der Anwendung der SCR App war insgesamt sehr gut; fast alle eingeschlossenen Patienten standen dem elektronischen Ausfüllen der Funktionsscores positiv gegenüber. Patienten, die keine bzw. nur geringe Vorerfahrungen mit Touchpadgeräten hatten, brauchten zu Beginn des Projektes oft eine ausführliche Erklärung durch die medizinischen Fachangestellten. Es ist anzunehmen, dass diese Patienten bei den später folgenden Besuchen in der rheumatologischen Fachambulanz der Charité kaum bzw. keine mehr Einweisung in die Bedienung benötigen würden, was den zusätzlichen zeitlichen Aufwand (z. B. für die medizinischen Fachangestellten) bei langfristigem Einsatzes des iPADs zur Fragebodenerhebung reduzieren würde.

Aufgrund der engen Personalsituation in der rheumatologischen Fachambulanz kam es zum Projektbeginn oft zu Schwierigkeiten, das iPAD in den Praxisalltag zu integrieren. Erschwerend kam bei dem Projekt außerdem hinzu, dass der Einsatz des iPADs durch den Patienten und die MFA mit dem zusätzlichen Protokoll evaluiert werden sollte. Beim routinemäßigen Einsatz des iPADs würde dies entfallen und der Zeitaufwand entscheidend geringer sein. Bei längerfristigem Einsatz käme hinzu, dass die Patienten, die zum wiederholten Male die Scores auf dem iPAD ausfüllten, keine Einweisung mehr bräuchten. In Zukunft wird der Anteil der Patienten, die den Umgang mit Touchpadgeräten gewohnt sind, ohnehin größer sein.

Zusätzlich kann die Weiterentwicklung der SCR-App dazu führen, dass die Patienten die Funktionsscores bzw. PROs selbständig vor dem Arztbesuch (z. B. im Wartezimmer) oder sogar bereits in der Häuslichkeit benutzen können und die Ergebnisse automatisiert in die Medizinischen Datenbanken eingelesen werden.

Generell werden Funktionsscores bzw. PROs, wie FFbH und BASDAI/BASFI im klinischen Alltag und auch bei der Therapieentscheidung eingesetzt; allerdings ist deren Bedeutung, im Vergleich zu anderen Parametern (wie z. B. Laborwerten), noch relativ gering. Die Betrachtung der PROs gewinnt bei der Patientenbetreuung jedoch immer mehr an Bedeutung, da es, um ein optimales Therapiekonzept für den individuellen Patienten zu entwickeln („individualisierte Medizin“), einer direkten Beurteilung durch den Patienten bedarf [1] [2]. In der Arztbewertung zu diesem Projekt konnten v. a. Vorteile bezüglich der Anamneseerhebung und der Therapieempfehlung gesehen werden, was diesen Punkt unterstützt.

Insbesondere bei der derzeit existierenden Vielfalt an Behandlungsoptionen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis oder der Spondyloarthritiden, können regelmäßig erhobene Funktionsscores einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, den einzelnen Patienten optimal zu behandeln, denn PROs machen die Einschätzung der Krankheitsaktivität durch den Patienten objektivierbar. Die Anwendung der SCR App kann perspektivisch entscheidend dazu beitragen, PROs noch stärker in die Behandlung des Patienten miteinzubeziehen und damit eine individualisierte Behandlung voranzutreiben.


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Interessenkonflikt

Dieses Projekt wurde von der Firma Roche Pharma AG, dem Anbieter der Score Check Rheuma-App in einem Umfang von ges. 28.500 € finanziell unterstützt.

Danksagung

Wir danken allen Patienten, die an diesem Pilotprojekt teilgenommen haben. Dieses Projekt wurde initiiert und finanziell unterstützt von der Roche Pharma AG, dem Anbieter der ScoreCheck Rheuma®-App.

Ergänzendes Material


Korrespondenzadresse

Dr. Sarah Ohrndorf
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und
Klinische Immunologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
Berlin, 10117
Phone: +49/30/450 513 060   
Fax: +49/30/450 513 939   


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Abb. 1 Die abschließende Bewertung der Anwendung der ScoreCheck Rheuma®-App (SCR App) von Seiten der eingeschlossenen Patienten.
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Abb. 2 Die abschließende Bewertung von Seiten der MFAs hinsichtlich der Vorteile bzgl. der Patientenbetreuung durch die Anwendung von SCR App.
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Abb. 3 Die abschließende allgemeine Bewertung der Anwendung von SCR App von Seiten der MFAs.
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Abb. 4 Die abschließende allgemeine Bewertung der Anwendung von SCR App von Seiten der Ärzte.
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Abb. 5 Die abschließende Bewertung von Seiten der Ärzte hinsichtlich der Zeitersparnis in der Praxisroutine durch die Anwendung von SCR App.
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Abb. 6 Die abschließende Bewertung von Seiten der Ärzte hinsichtlich der Vorteile (bzgl. Anamnese, körperliche Untersuchung, Einschätzung der Krankheitsaktivität, Erkennen/Abklären von Co-Morbiditäten und Therapieempfehlungen) in der Praxisroutine durch die Anwendung von SCR App.