Akt Rheumatol 2018; 43(01): 12-14
DOI: 10.1055/s-0043-123750
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

CD8-positive T-Zellen sind an Pathogenese des Sjögren-Syndroms beteiligt

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Publication Date:
05 March 2018 (online)

 

    Das primäre Sjögren-Syndrom betrifft in erster Linie exkretorische Drüsenzellen, z. B. in Tränen- und Speicheldrüsen. Es kann aber darüber hinaus auch zu systemischen Manifestationen etwa in Lunge, Gelenken und Gefäßen kommen. Die derzeit vorhandene Therapie erfolgt rein symptomatisch, da die verfügbaren DMARD (disease-modifying drugs) den Verlauf der Erkrankung kaum beeinflussen.


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    Aktuelle offene Studien haben gewisse Fortschritte mit Biologika gezeigt, die an CD-20-Rezeptoren angreifen, aber insgesamt waren die Erfolge eher bescheiden. Der Bedarf an neuen Therapien ist also ungebrochen – deren Entwicklung scheitert aber oft daran, dass über die pathogenetischen Mechanismen der Erkrankung auf molekularer und zellulärer Eben nur wenig bekannt ist. Mediziner aus Japan haben nun mit einem neuen Ansatz versucht, Antworten darauf zu finden. Shinya Tasaki und Kollegen haben dazu ein Multiomics-Verfahren herangezogen, mit dem Moleküle verschiedener Klassen (Nukleinsäuren, Proteine, Lipide u. a.) in 1 Schritt gemeinsam untersucht werden können. Die Wissenschaftler analysierten und verglichen dabei zwischen März 2012 und Mai 2013 Transkriptom, Epigenom, Proteom und immunologische Phänotypen bei 30 Patienten mit gesichertem primärem Sjögren-Syndrom und 30 Kontrollprobanden ohne rheumatologische Erkrankungen. Patienten unter hoch dosierter Behandlung mit Kortikosteroiden, Immunsuppressiva und/oder Biologika waren allerdings ausgeschlossen. Bei ihrer Untersuchung fanden die Forscher eine einzigartige Gensignatur für das Sjögren-Syndrom, die auf den verschiedenen Ebenen signifikante Abweichungen gegenüber den Verhältnissen bei Kontrollprobanden zeigte. Unter anderem war bei den Patienten eine größere Zahl von Substraten der ADAM-Familie exprimiert (ADAM: a disintegrin and metalloproteinase), und die meisten dieser Substrate zeigten eine deutliche positive Korrelation mit der Aktivität der Erkrankung, beurteilt anhand des ESSDAI (EULAR Sjögren’s syndrome disease activity index). Weiterhin waren Gene und Proteine der Interferon-Signalwege betroffen (Interferon-regulierte Gene, IRGs), deren Expression durch die Bindung von Interferon an seinen Rezeptor reguliert wird. Dazu gehörten z. B. HERC5 (Beteiligung an Transportvorgängen über Membranen), EPSTI1 (Beteiligung an der Kommunikation zwischen epithelialen und stromalen Geweben) und Interferon-induziert Chemokine. In einem letzten Schritt zeigten die Wissenschaftler dann, dass die gefundene Signatur vor allem in zytotoxischen, CD8-positiven T-Zellen nachweisbar war, die von Patienten mit Sjögren-Syndrom isoliert worden waren. Und das galt nicht nur für die Zellen im peripheren Blut, sondern auch für die im Gewebe der großen Speicheldrüsen.

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    Lungenbeteiligung beim Sjögren-Syndrom. CT-Bild. Rundherde (Pfeile), histologisch gesichert als Amyloidose, sowie Zysten (Pfeilspitzen) und Milchglastrübungen als Befunde einer lymphozytären interstitiellen Pneumonie (Quelle: Wormanns D. Thoraxdiagnostik. 1. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2016)
    Fazit

    Demnach scheinen CD8-positive T-Zellen eine wichtige Rolle bei der Pathogenese eines primären Sjögren-Syndroms zu spielen, so die Autoren. Dieses Ergebnis könnte sich bei der Entwicklung neuer Therapien nutzen lassen. Auf alle Fälle zeigten ihre Daten, so Tasaki et al. abschließend, den Wert des integrativen Untersuchungsansatzes, bei dem gleichzeitig verschiedene biologische Ebenen vom Genom über das Proteom bis hin zum Phänotyp analysiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden können.

    Dr. Elke Ruchalla, Bad Dürrheim


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    Lungenbeteiligung beim Sjögren-Syndrom. CT-Bild. Rundherde (Pfeile), histologisch gesichert als Amyloidose, sowie Zysten (Pfeilspitzen) und Milchglastrübungen als Befunde einer lymphozytären interstitiellen Pneumonie (Quelle: Wormanns D. Thoraxdiagnostik. 1. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2016)