Ultraschall in Med 2018; 39(01): 108
DOI: 10.1055/s-0044-100878
DEGUM-Mitteilungen
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Kindliche Fehlbildungen, Unfallverletzungen, Baucherkrankungen – nur qualifizierte Ärzte diagnostizieren sicher

Bericht zur DEGUM-Pressekonferenz am 12. Dezember in Berlin
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Publication Date:
07 February 2018 (online)

 

Bei vielen Untersuchungen ist die Ultraschalldiagnostik die Methode der Wahl. Eine wichtige Voraussetzung für ein treffsicheres Ergebnis ist jedoch die Qualifikation des untersuchenden Arztes. Diese ist aber nicht immer ausreichend vorhanden: So wird beispielsweise bei Routineschwangerschaftsuntersuchungen nur ein Drittel aller Herzfehler bei Ungeborenen erkannt – obwohl die Erkennungsraten von gut ausgebildeten Ultraschallexperten bereits bei über 90 Prozent liegen. Mit Blick auf die aktuelle Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung für Ärzte forderten Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM) deshalb auf einer Pressekonferenz in Berlin klare Qualitätsrichtlinien für die Ultraschalldiagnostik.


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Zu Beginn der Veranstaltung berichtete Professor Dr. med. Peter Kozlowski, enges Vorstandsmitglied der DEGUM und Facharzt in der Düsseldorfer Praxis für Praenatal-Medizin und Genetik, wie wichtig eine hochwertige Weiterbildung für Ärzte ist, die in der geburtshilflichen Diagnostik tätig sind. „Mediziner, die eine Organdiagnostik bei Schwangeren durchführen, sollten nach den Qualitätskriterien der DEGUM zertifiziert sein“, sagte Kozlowski. „Nach dem dreistufigen Kurssystem der Fachgesellschaft, das eine Qualifikationsmöglichkeit für Ärzte darstellt, sollten sie nach den Kriterien der Stufe II oder III qualifiziert sein.“ Diese Zertifizierungen erhielten Experten, die in ihrem Fachgebiet sonografisch recht stark spezialisiert sind. Zudem sollten sie – entsprechend den Vorgaben des DEGUM-Stufensystems – in regelmäßigen Abständen rezertifiziert werden. Kozlowski kritisierte, dass es in der aktuellen (Muster-)Weiterbildungsordnung für Ärzte unter anderem in der Pränataldiagnostik an klaren Ultraschall-Qualitätskriterien mangele. Das sei vor allem deshalb problematisch, weil in den novellierten Richtlinien eigentlich ein stärkerer Fokus auf die Inhalte der Weiterbildung gelegt würde als bisher. Zudem bemängelte der Pränatalmediziner, dass die umfassende Organultraschalluntersuchung in der 20. Schwangerschaftswoche von vielen Frauen noch selbst bezahlt werden müsse. Da bei dieser feindiagnostischen Untersuchung mit sehr hoher Sicherheit feststellt werden könnte, ob mit der körperlichen Entwicklung des Kindes alles in Ordnung sei, sollte sie allen Schwangeren zugänglich gemacht werden.

Hoffnung im Kampf zwischen Leben und Tod – dank hochwertiger Ultraschallverfahren in der Notaufnahme

Anschließend referierte DEGUM-Experte Dr. med. Thomas Ermert, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie der Uniklinik Münster, über den Einsatz des Ultraschalls in der Anästhesiologie und in der Notfall- und Intensivmedizin. „Geschulte Ärzte können heute im Notfall anhand der exakten Bildgebung des Ultraschalls zügig lebensrettende Behandlungsschritte einleiten – und zwar ohne den Patienten einer Strahlenbelastung auszusetzen“, so Ermert. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei die Qualifikation des Mediziners. Diese kommt nach Ansicht des Experten jedoch sowohl in der Notfall- und Intensivmedizin als auch in der Anästhesiologie in der Ausbildung häufig zu kurz. „Oft lernen angehende Ärzte erst während ihrer Facharztausbildung, mit dem Diagnosegerät umzugehen“, kritisierte Ermert.

Dr. med. Tim Mäcken, stellvertretender Leiter der Sektion Anästhesiologie der DEGUM, hob die Relevanz sonografischer Techniken für die Anästhesiologie hervor: „Wenn qualifizierte Ultraschallverfahren in der Anästhesiologie von geschulten Ärzten durchgeführt werden, dann hat das zwei Vorteile: Zum einen werden dadurch häufig höhere Erfolgsraten erzielt als mit anderen Verfahren, zum anderen entstehen so oft weniger Komplikationen bei der Intervention.“


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Sonografie der Bauchorgane – Qualifizierung des Untersuchers ist entscheidend

Auch bei der Diagnostik des Bauchraumes ist die Qualifikation des untersuchenden Arztes von sehr hoher Relevanz. „Ein nicht ausreichend qualifizierter Mediziner erreicht hier beispielsweise nur eine Treffsicherheit von knapp 39 Prozent – ein Experte hingegen diagnostiziert in fast 95 Prozent der Fälle korrekt“, so Dr. med. Hans Worlicek, Leiter der Kommission Ultraschall in der Praxis der DEGUM.

Um die Qualität der Sonografie der Bauchorgane zu verbessern – und so für eine höhere Treffsicherheit bei ärztlichen Diagnosen zu sorgen – hat die DEGUM eine neue Maßnahme entwickelt. „Sie bietet in insgesamt 13 Modulen zu je acht Unterrichtsstunden intensive Ultraschallkurse zu speziellen Themen der Inneren Medizin an, zum Beispiel zum Darmtrakt, zur Kontrastmittel-Sonografie und zum Gefäß-Ultraschall“, so Worlicek, der früher an der Gastroenterologischen Praxis im Facharztzentrum Regensburg tätig war.

Er forderte neben einer qualifizierten flächendeckenden Basissonografie ein transparentes landesweites Netz von hochqualifizierten Referenzuntersuchern der DEGUM-Stufe II für die Untersuchung der Bauchorgane.


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