physioscience 2025; 21(S 01): S12
DOI: 10.1055/s-0045-1808130
Abstracts
Vorträge

General Movements als therapeutische Unterstützung der neuromotorischen Entwicklung von Frühgeborenen und der mentalen Gesundheit der Eltern: eine randomisierte kontrollierte Studie

A Badura
1   Abteilung für Neonatologie, Universitäts-Kinderklinik Regensburg (KUNO), Klinik St. Hedwig, Regensburg, Germany
,
A Dietz
1   Abteilung für Neonatologie, Universitäts-Kinderklinik Regensburg (KUNO), Klinik St. Hedwig, Regensburg, Germany
,
F Zeman
2   Zentrum für Klinische Studien, Universität Regensburg, Regensburg, Germany
,
L Ammon
1   Abteilung für Neonatologie, Universitäts-Kinderklinik Regensburg (KUNO), Klinik St. Hedwig, Regensburg, Germany
,
M Waltner-Romen
3   Department Kinder- und Jugendheilkunde, Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Austria
,
M Wellmann
1   Abteilung für Neonatologie, Universitäts-Kinderklinik Regensburg (KUNO), Klinik St. Hedwig, Regensburg, Germany
,
E Griesmaier
3   Department Kinder- und Jugendheilkunde, Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Austria
,
V Lehnerer
1   Abteilung für Neonatologie, Universitäts-Kinderklinik Regensburg (KUNO), Klinik St. Hedwig, Regensburg, Germany
,
S Wellmann
1   Abteilung für Neonatologie, Universitäts-Kinderklinik Regensburg (KUNO), Klinik St. Hedwig, Regensburg, Germany
› Author Affiliations
 
 

Einleitung Die moderne Neonatologie bietet auch extrem Frühgeborenen eine Überlebenschance, jedoch oft zum Preis lebenslang erhöhter Morbidität. Eine neuartige Intervention, basierend auf der Imitation altersspezifischer General Movements, zeigte kürzlich in einer ersten Fallstudie vielversprechende Ergebnisse [1]. Diesen Therapieansatz griffen wir auf und erweiterten ihn hinsichtlich des Einbezugs der Eltern, einer Musiktherapie sowie Telemedizin. In einer randomisiert kontrollierten Interventionsstudie wurde anschließend dessen Wirksamkeit auf die neuromotorische Entwicklung von Frühgeborenen und die mentale Gesundheit ihrer Eltern überprüft.

Material und Methodik Von Oktober 2021 bis Mai 2023 wurden 66 Frühgeborene (<32 SSW oder<1500 g) eingeschlossen (DRKS00027996). Die Säuglinge erhielten dreimal täglich für 10 Minuten zusätzliche Übungen für insgesamt 10 Wochen, beginnend ab der 34. SSW. Die Kontrollgruppe erhielt die Standardtherapie. Primäre Endpunkte waren die mittels Motor Optimality Score (MOS) gemessene neuromotorische Entwicklung der Kinder im Alter von 3-5 Monaten korrigiertes Alter (k.A.) sowie parallel die mentale Gesundheit der Eltern, welche anhand der Edinburgh Postnatal Depression Skala (EPDS) und des Warwick-Edinburgh Fragebogens zum psychischen Wohlbefinden (WEMWBS) ermittelt wurde.

Ergebnisse 34 Kinder (28,1±2,8 SSW, 1065±402 g) wurden in die Interventionsgruppe und 32 Kinder (28,8±2,4 SSW, 1238±429 g) in die Kontrollgruppe randomisiert. Nach 3-5 Monaten k.A. fand sich kein signifikanter Unterschied zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe in Bezug auf die neuromotorische Entwicklung der Kinder (MOS: 21,0±6,4 vs. 21,0±6,7; p-Wert=0,986). Auch konnte auf Ebene der Eltern weder ein signifikanter Unterschied in der psychischen Gesundheit (Mutter-EPDS 7,5±4,9 vs. 4,8±3,7; p Wert=0,209/Vater-EPDS 3,9±3,7 vs. 4,4±4,5; p-Wert=0,487) noch im Wohlbefinden (Mutter-WEMWBS 54,2±8,8 vs. 56,0±8,7; p-Wert=0,202/Vater-WEMWBS 55,8±5,7 vs. 56,6±7,9; p-Wert=0,729) gemessen werden. Zum Zeitpunkt der kindlichen Entlassung war allerdings die psychische Gesundheit der Mutter in der Interventionsgruppe signifikant schlechter (r=3,659; CI: 1,041, 6,277; p-Wert=0,007).

Zusammenfassung Diese Studie zeigte keine Hinweise, dass eine Therapie, basierend auf den General Movements, die neuromotorische Entwicklung bei Frühgeborenen mit 3-5 Monaten k.A. verbessert. Eine überwiegend geringe Compliance der Eltern könnte sich negativ auf die Effektivität ausgewirkt haben. Zudem weist die Studie darauf hin, dass zusätzliche Übungen für die Eltern während des Krankenhausaufenthalts einen Stressfaktor darstellen und somit die psychische Gesundheit negativ beeinflussen könnten.


Interessenskonflikt

Es besteht kein Interessenkonflikt.

  • Literatur

  • 1 Soloveichick M, Marschik PB, Gover A. et al. Movement Imitation Therapy for Preterm Babies (MIT-PB): a Novel Approach to Improve the Neurodevelopmental Outcomes of Infants at High-Risk for Cerebral Palsy. Dev Phys Disabil 2020; 32: 587-98

Publication History

Article published online:
21 May 2025

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  • Literatur

  • 1 Soloveichick M, Marschik PB, Gover A. et al. Movement Imitation Therapy for Preterm Babies (MIT-PB): a Novel Approach to Improve the Neurodevelopmental Outcomes of Infants at High-Risk for Cerebral Palsy. Dev Phys Disabil 2020; 32: 587-98