Einleitung
Die Bedeutung nicht-invasiver Verfahren zur diagnostischen und wissenschaftlichen
Analyse zellulärer und löslicher Bestandteile des unteren Respirationstraktes hat
in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen [1 ]. Die Methode des induzierten Sputums ist insbesondere bei entzündlichen Atemwegserkrankungen
wie Asthma bronchiale oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) etabliert
und weit verbreitet [2 ]
[3 ]. Mit der vermehrten Anwendung der Methode stellen sich jedoch zunehmend auch Fragen
nach technischen Details, Validität und Reproduzierbarkeit der Methode. Diese Fragen
sind insbesondere für die Bestimmung löslicher Mediatoren im Sputum nur unzureichend
untersucht. Glutathion (GSH) ist ein pulmonaler Marker für oxidativen Stress und bei
unterschiedlichen Erkrankungen wie idiopathischer Lungenfibrose (IPF) und COPD von
pathogenetischer Bedeutung [4 ]
[5 ]
[6 ]. Die Bestimmung von GSH in respiratorischen Sekreten wird bislang durch die invasive
Methode der Probengewinnung mittels bronchoalveolärer Lavage (BAL) limitiert [7 ]. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Möglichkeit der Quantifizierung
von GSH im induzierten Sputum methodisch zu untersuchen.
Methodik
Patienten/Probanden
Es wurden 14 Patienten bzw. freiwillige Probanden in die Untersuchung aufgenommen.
Sputuminduktion
Die Sputuminduktion erfolgte nach einem etablierten Protokoll [8 ]. Eventuelle Modifikationen ergaben sich aus den Erfordernissen der Studie (s. u.).
Einfluss der Sputumprobenverarbeitung
Dithiotreitol (DTT) wird in den gültigen Standardprotokollen der Sputumverarbeitung
als Probenhomogenisator in Konzentrationen von 0,1 - 0,05 % zugegeben. Um den Einfluss
von DTT auf die GSH-Bestimmung zu beurteilen, wurden die Proben mit verschiedenen
Konzentrationen von DTT oder PBS vorbehandelt.
Stabilität von GSH, Einfluss von Temperatur und Zeit
Um die Stabilität von GSH im induzierten Sputum zu evaluieren, wurden Proben direkt
nach Verarbeitung aliquotiert und gekühlt (4 °C) oder bei Raumtemperatur (20 °C) über
einen Zeitraum von 24 h auf ihre GSH-Konzentration überprüft.
Validierung der GSH-Recovery mittels Spiking-Experimenten
Um die Recovery von GSH aus dem induzierten Sputum zu evaluieren, wurden Sputumproben
aliquotiert und mit definierten GSH-Konzentrationen „gespikt” (32, 16, 8, 4, 0 µM).
Die kalkulierten Messwerte („tatsächliches”, endogenes GSH + Spiking-Konzentration)
wurden gegen die tatsächlich gemessenen Werte grafisch aufgetragen und korreliert.
Einfluss der Induktionsdauer
Hierzu wurde GSH fraktioniert nach Sputumportion (15, 30 und 45 Minuten Induktionsdauer)
im Überstand bestimmt.
Reproduzierbarkeit
Die intraindividuelle Reproduzierbarkeit von GSH im induzierten Sputum wurde bei 12
Patienten zu zwei verschiedenen Zeitpunkten (0 und 72 h) unter gleichen Bedingungen
(Tageszeit, Nahrungskarenz in den 8 h vor der Messung, kein respiratorischer Infekt,
Nikotinkarenz) bestimmt.
Ergebnisse und Diskussion
GSH war bei nahezu allen Probanden und Patienten im Sputum nachweisbar. Die Verwendung
von DTT zur Probenverarbeitung stellte eine relevante Störgröße dar, da sie zu einer
konzentrationsabhängigen Steigerung der gemessenen GSH-Werte führte (Abb. [1 ]). GSH war im Sputum bei Raumtemperatur bzw. 4 °C lediglich über 2 - 4 Stunden stabil,
danach fielen die gemessenen Werte deutlich ab. Demgegenüber fand sich eine hervorragende
Übereinstimmung der Messwerte nach Einfrieren der Probe (Ri native/gefrorene Probe
0.97). In Spiking-Experimenten lag die mittlere GSH-Recovery bei 102 ± 5 %, womit
die Validität der Messung bestätigt werden konnte (Abb. [2 ]). Mit steigender Induktionsdauer konnte eine quantitative Erhöhung der GSH-Werte
von der 1. bis zur 3. Portion beobachtet werden (Abb. [3 ]). Somit konnte für GSH ein Konzentrationsgradient vom oberen zum unteren Respirationstrakt
gezeigt werden. Die intraindividuelle Reproduzierbarkeit wiederholter GSH-Messungen
war mit einer intra-Gruppen-Korrelation der Messwerte von Ri = 0,89 exzellent (Abb. [4 ]).
Die vorliegende Arbeit beschreibt erstmalig ausführlich methodische Aspekte der Bestimmung
von GSH im induzierten Sputum. Die Methode ist bei Beachtung standardisierter Protokolle
valide und gut reproduzierbar. Darüber hinaus konnte die klinische Relevanz der beschriebenen
Methode in einer kürzlich publizierten Untersuchung bei Patienten mit idiopathischer
Lungenfibrose untermauert werden. Hier fand sich ein ausgeprägter GSH-Mangel im induzierten
Sputum bei betroffenen Patienten gegenüber Gesunden [9 ]. Interessanterweise decken sich die Befunde mit Resultaten aus BAL-Studien [10 ], wodurch das große Potenzial der Methode in der nicht-invasiven Überwachung bronchopulmonaler
Erkrankungen erkennbar wird.
Abb. 1 Einfluss von DTT auf die gemessenen GSH-Werte in Relation zu den tatsächlichen GSH-Werten
im induzierten Sputum.
Abb. 2 Korrelation zwischen erwartetem und gemessenem GSH nach Spiking von Sputumproben mit
4, 8, 16 und 32 μM GSH (n = 9).
Abb. 3 Einfluss der Induktionszeit auf die GSH-Konzentration im induzierten Sputum.
Abb. 4 Reproduzierbarkeit von Sputum-GSH: Die individuellen Mittelwerte sind gegen die Differenzen
zwischen Zeitpunkt 1 (T1) und 2 (T2) aufgetragen. Die gestrichelten Linien geben die
2fache Standardabweichung der mittleren Differenzen der zwei Messzeitpunkte an (n
= 12).
Abb. ? Legende.