Laryngorhinootologie 2005; 84: 118-135
DOI: 10.1055/s-2005-861130
Gestörte Funktion der oberen Atemwege
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gestörte Funktion der oberen Atemwege
Pharyngeale Atmung/Schnarchen

T.  Verse1
  • 1Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universitätskliniken des Saarlandes (kommissarischer Direktor: Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Verse)
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Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Verse

Universitäts-HNO-Klinik Homburg

66421 Homburg ·

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Publication Date:
22 April 2005 (online)

Table of Contents #

Zusammenfassung

Die vorliegende Übersicht befasst sich mit Atmungsstörungen, deren pathophysiologische Ursache im Pharynx liegt. Derartige Atmungsstörungen manifestieren sich überwiegend im Schlaf. Diese so genannten obstruktiven schlafbezogenen Atmungsstörungen umfassen drei unterschiedliche Diagnosen, das primäre Schnarchen, das Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) und die obstruktive Schlafapnoe (OSA). Jede dieser Störungen wird unterschiedlich behandelt.

Das primäre Schnarchen ist eine Befindlichkeitsstörung und besitzt keinen eigenen Krankheitswert für den Patienten selbst, wenngleich häufig sekundär soziale Probleme durch die störenden Atmungsgeräusche entstehen. Adäquate konservative Behandlungsmöglichkeiten stellen Bissschienen dar. Auch die transkutane Elektrostimulationstherapie mit Oberflächenelektroden hat sich als nützlich erwiesen. Operative Verfahren bestehen bei Kindern in der Adenototomie, der Tonsillektomie oder der Tonsillotomie. Bei Erwachsenen hat sich die Radiofrequenztherapie der Tonsillen, des Weichgaumens und des Zungengrundes etabliert. Des Weiteren kommen die Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP), laser-assistierte Verfahren am Weichgaumen (LAUP) und Weichgaumenimplantate erfolgreich zur Anwendung.

Das UARS und die milde OSA können sehr gut mit Bissschienen behandelt werden. Die nasale Überdruckbeatmung (nasal continuos positive airway pressure, nCPAP) ist eine sehr erfolgreiche Behandlungsoption, erreicht aber bei dieser Indikationsgruppe nur mäßige Therapieakzeptanz, da insbesondere bei der milden OSA die Tagessymptomatik oft nur gering ausgeprägt ist. An chirurgischen wiederherstellenden Verfahren kommen die UPPP, die Radiofrequenzchirurgie des Zungengrundes, die Hyoidsuspension, die Unterkieferosteotomie mit Vorverlagerung des M. genioglossus entweder isoliert oder in unterschiedlichen Kombinationen als sog. Multi-Level-Chirurgie-Konzepte erfolgreich zur Anwendung.

Goldstandard in der Behandlung der mittelschweren und der schweren OSA ist die nCPAP-Therapie. Alle Patienten mit einer mittelschweren oder schweren OSA sollten zumindest einen nCPAP-Therapieversuch unterlaufen. Chirurgische Verfahren sollten hier nur sekundär im Falle eines nCPAP-Therapieversagens eingesetzt werden, welches in gut 30 % der Fälle zu beobachten ist. Erfolgreiche Verfahren sind die Adenotomie, Tonsillektomie oder Tonsillotomie bei Kindern und bei Erwachsenen darüber hinaus die Hyoidsuspension, die Unterkieferosteotomie mit Vorverlagerung des M. genioglossus, verschiedene Multi-Level-Chirurgie-Konzepte oder Umstellungsosteotomien des Ober- und Unterkiefers. Letztere können bei entsprechenden kraniofazialen Fehlstellungen auch primär indiziert sein.

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung … 119
2 Schlafbezogene Atmungsstörungen … 119
3 Wiederherstellende Verfahren konservativer Art … 121
4 Wiederherstellende Verfahren apparativer Art … 121
5 Wiederherstellende Verfahren operativer Art … 122
5.1 Nasopharynx … 122
5.2 Tonsillen … 122
5.2.1 Tonsillektomie und Tonsillotomie … 122
5.2.2 Radiofrequenz-Chirurgie (RFQ) … 123
5.3 Weicher Gaumen … 123
5.3.1 Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP) … 123
5.3.2 Laser-assistierte Verfahren … 124
5.3.3 Radiofrequenz-Chirurgie (RFQ) … 124
5.3.4 Andere Verfahren … 125
5.4 Zungengrund und Hypopharynx … 127
5.4.1 Radiofrequenz-Chirurgie (RFQ) des Zungengrunds … 127
5.4.2 Hyoidsuspension … 127
5.4.3 Andere Verfahren … 127
5.5 Kieferchirurgische Verfahren … 128
5.6 Multi-Level-Chirurgie … 129
6 Schlussfolgerung … 129
Literatur (Hinweis: erscheint nur in der Online-Ausgabe)
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1 Einleitung

Beeinträchtigungen der pharyngealen Atmung treten überwiegend im Schlaf auf. Im Wachzustand können Tumore, lokale Infektionen und allergische Entzündungen, allen voran das angioneurotische Ödem, die Atemwege verlegen. Spezifische rekonstruktive Verfahren im Bereich des Pharynx existieren nicht. Die Darstellung der Grundzüge der Chirurgie des Oro- und des Hypopharynxkarzinoms würde den Rahmen dieser Übersicht sprengen. Daher konzentriert sich diese Übersicht auf die Abhandlung der wiederherstellenden Verfahren bei schlafbezogenen Atmungsstörungen. Im Vordergrund der Darstellung steht die Diskussion der Effektivität der Verfahren für die jeweiligen Indikationen primäres Schnarchen einerseits und UARS bzw. OSA andererseits.

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2 Schlafbezogene Atmungsstörungen

Die internationale Klassifikation der Schlafstörungen unterscheidet 80 verschiedene Diagnosen als Ursachen für einen nicht-erholsamen Schlaf. Eine Untergruppe stellen die schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS) dar. Innerhalb dieser Gruppe wird wiederum zwischen solchen mit und solchen ohne Obstruktion unterschieden. Erstere haben ihre Ursache im oberen Luftweg, während letztere (primäre und sekundäre Hypoventilation, zentrale Schlafapnoe) zentrale Ursachen haben.

Die SBAS mit Obstruktion umfassen drei Diagnosen, nämlich das primäre Schnarchen, das Upper Airway Resistance Syndrom (UARS) und die obstruktive Schlafapnoe (OSA). Heute werden diese drei Störungen als unterschiedliche Ausprägungsgrade ein und derselben pathophysiologischen Störung interpretiert [1], die jedoch wegen unterschiedlicher therapeutischer Ansätze sorgsam voneinander unterschieden werden müssen.

Schnarchen entsteht durch die Vibration von Weichgewebe an anatomischen Engstellen. Per definitionem geht das primäre Schnarchen nicht mit einer Beeinträchtigung der Atmung im Schlaf einher. Auch besteht keine Tagesschläfrigkeit, die auf das Schnarchen zurückgeführt werden kann. Entsprechend besitzt das primäre Schnarchen keinen Krankheitswert für den Patienten selbst, wenngleich die lästigen Schlafatmungsgeräusche natürlich häufig zu sozialen Spannungen führen.

Drei Kräfte bestimmen im Schlaf die Weite des oberen Luftweges im Pharynx. Einige Muskeln, allen voran der M. genioglossus, erweitern den Pharynx, während der inspiratorische Sog und der umliegende Gewebedruck verengend auf den Pharynx einwirken. Im Gegensatz zum primären Schnarchen kommt es bei der OSA im Schlaf zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichts zwischen den Pharynx erweiternden und verengenden Kräften zugunsten der letzteren und damit zum kompletten Kollaps mit konsekutivem Atemstillstand (Apnoe) bzw. zur Verengung des oberen Luftweges mit konsekutiver Minderatmung (Hypopnoe) [2] [3]. Die OSA tritt ausschließlich im Schlaf auf. Der Grund hierfür liegt im physiologischen Abfall des Muskeltonus der Willkürmotorik insbesondere im Traumschlaf. Beide Atmungsereignisse (Apnoe und Hypopnoe) stellen bei ausreichender Länge eine Notfallsituation für den Körper dar. Dieser reagiert einerseits mit einer Erhöhung des zentralen Erregungszustands (Weckreaktion oder Arousal) und andererseits über eine Ausschüttung von Katecholaminen mit einer Erhöhung des Sympathikotonus mit konsekutiv vermehrter Belastung des kardiovaskulären Systems.

Beim UARS reicht der Muskeltonus im Schlaf noch aus, um ein pharyngeales Restlumen zu erhalten. Apnoen oder Hypopnoen können nicht registriert werden. Allerdings bedingt die schon vorhandene Einengung des oberen Luftweges eine erhöhte Atemarbeit infolge Erhöhung des Atemwegswiderstandes. Dieser kann mit Ösophagusdrucksonden gemessen werden. Die erhöhte Atemarbeit kann ihrerseits auch ohne Apnoen oder Hypopnoen zentrale Weckreaktionen (Arousals) bedingen, welche wiederum die gesunde Schlafarchitektur alterieren [4].

Im Gegensatz zum primären Schnarchen können UARS und OSA verschiedene Gesundheitsstörungen bei den Betroffenen auslösen. Kardinalsymptome der OSA sind intermittierendes, unrhythmisches Schnarchen (94 %), Tagesschläfrigkeit (78 %) und verminderte intellektuelle Leistungsfähigkeit (58 %). Weitere Symptome sind Persönlichkeitsveränderungen (48 %), Impotenz im Sinne von Erektionsstörungen (48 %), morgendliche Kopfschmerzen (36 %) und Enuresis nocturna (30 %) [5].

Die OSA gehört neben der arteriellen Hypertonie und dem Diabetes mellitus zu den drei häufigsten Volkskrankheiten in westlichen Industrienationen mit einer Prävalenz von bis zu 10,9 % bei Männern und 6,3 % bei Frauen [6] [7]. Die OSA geht mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Erkrankungen einher wie z. B. Herzinfarkt [8], Zerebralinsult [9], arterielle Hypertonie [10] und Verkehrsunfällen infolge Müdigkeit [11].

Mit anderen Worten, das primäre Schnarchen stellt eine Befindlichkeitsstörung dar, während OSA und UARS Krankheiten mit im Vergleich zur Normalbevölkerung signifikant erhöhter Morbidität und Mortalität darstellen. Das bedeutet, dass je nach Diagnose unterschiedliche Therapieziele verfolgt werden müssen. Die notwendige Diagnostik umfasst die Erhebung der Krankengeschichte unter Verwendung spezifischer Fragebögen, die körperliche und hno-ärztliche Untersuchung sowie eine Schlaflaboruntersuchung. Zwecks weiterer Details sei an dieser Stelle auf die entsprechende Literatur verwiesen [12] [13].

Der Schweregrad der SBAS ist essenziell für die Auswahl der geeigneten Therapie. Beim primären Schnarchen geht es darum, die Dauer und die Intensität der Schlafatmungsgeräusche auf ein sozial verträgliches Maß abzusenken. Da der Patient, wie ausgeführt, im Grunde nicht selbst krank ist, muss bei der Wahl der Behandlungsmodalität beachtet werden, dass 1. die Therapie dem Patienten nicht schaden darf, 2. dass nur behandelt werden darf, wenn der Patient eine Behandlung ausdrücklich wünscht und 3. nach jeder Art der Therapie eine nCPAP-Beatmung grundsätzlich noch möglich bleiben muss [14]. Dieser letzte Aspekt ist deshalb von Bedeutung, weil die Inzidenz der OSA mit Alter und Körpergewicht zunimmt [15]. Insbesondere nach aggressiver Weichgaumenchirurgie bei primären Schnarchern wurden Fälle beschrieben, bei denen infolge einer postoperativen Nasopharynxstenose oder einer velopharyngealen Inkompetenz eine neu aufgetretene OSA nicht mehr mittels nCPAP-Therapie therapiert werden konnte [16]. Diese Fälle haben die Weichgaumenchirurgie bei SBAS vielerorts zurecht in Misskredit gebracht.

Das Therapieziel bei OSA und UARS besteht in einer möglichst vollständigen Beseitigung von Apnoen, Hypopnoen, Arousals, Schnarchen und anderen vergesellschafteten Symptomen - und das möglichst in allen Körperlagen und in allen Schlafstadien. Auch bei OSA und UARS sollte die Therapie dem Patienten möglichst nicht schaden, allerdings erscheinen zur Beseitigung der bestehenden Gesundheitsstörungen invasivere oder belastendere Verfahren gerechtfertigt als das beim primären Schnarchen der Fall ist.

Im Allgemeinen wird der Schweregrad der SBAS in der Anzahl der Atmungsereignisse (AHI = Anzahl der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf) gemessen. Leider korreliert der AHI insbesondere bei der milden OSA nur schlecht mit der Tagessymptomatik der Patienten. Außerdem ist der AHI altersabhängig. Bei Kindern besteht ein weitgehender Konsens dahingehend, dass ein AHI ≥ 2 als pathologisch anzusehen ist. Neugeborene sollten gar keine Apnoen haben. Bei Erwachsenen fehlt ein solcher Konsens. He et al. [17] konnten zeigen, dass das Mortalitätsrisiko oberhalb eines Apnoe-Index von 20 signifikant zunimmt. In unserem Schlaflabor und im Folgenden wird daher die nachstehende Schweregradeinteilung verwendet:

  • milde OSA 10 ≤ AHI < 20

  • mittelschwere OSA 20 ≤ AHI < 40

  • schwere OSA 40 ≤ AHI.

Unterhalb eines AHI von 10 muss zwischen einem harmlosen primären Schnarchen und einem UARS unterschieden werden. Auch muss beachtet werden, dass die oben angegebene Einteilung für 30-Jährige gilt. Bei älteren Patienten können auch AHI-Werte bis 15 ohne Therapie toleriert werden, wenn der Betroffene keine Tagessymptomatik verspürt. Neben dem AHI spielen wie immer in der Medizin die Beschwerden des Patienten eine wesentliche Rolle bei der Therapieentscheidung. Das bedeutet, dass ein Patient mit einem UARS mit einem AHI von deutlich unter 10 aber einer ausgeprägten Tagessymptomatik behandelt werden muss, während ein älterer Patient mit einem AHI von 15, aber fehlender Symptomatik, nicht zwingend therapiert gehört.

Natürlich müssen auch die vorhandenen Nebendiagnosen in die Überlegungen eingeschlossen werden. Da SBAS das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen erhöhen, müssen Patienten mit eben solchen Vorerkrankungen schnell und suffizient behandelt werden. Da in diesen Fällen häufig ein erhöhtes Narkoserisiko besteht, sind diese Fälle Domäne der nCPAP-Beatmungstherapie. Auch Verkehrsunfälle infolge Müdigkeit am Steuer sollten an eine SBAS denken lassen und zügig zur Diagnostik und Therapie führen.

Moderne Therapiekonzepte sehen das primäre Schnarchen einerseits und die schwere OSA andererseits als Maximalvarianten ein und derselben pathophysiologischen Störung [1]. Aus der Abb. [1] können zwei wichtige Prinzipien für die Therapiefindung bei SBAS abgeleitet werden. Einerseits bestimmt die Schwere der Erkrankung die zu rechtfertigende Invasivität einer operativen Maßnahme. Für das primäre Schnarchen sollte, wenn chirurgisch therapiert wird, ein minimal-invasives Verfahren mit minimaler Morbidität und Komplikationsrate gewählt werden. Bei der mittelschweren und der schweren OSA sind minimal invasive Verfahren nicht ausreichend wirksam. Hier sollte ab einem AHI von 30 primär der Beatmungsbehandlung der Vorzug gegeben werden. Chirurgische Verfahren kommen erst sekundär nach erfolglosem CPAP-Therapieversuch zum Einsatz. Dann sind allerdings invasivere Verfahren gerechtfertigt [18].

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Abb. 1 Kontinuierliche Verengung des oberen Luftweges. Modifiziert nach Moore [1].

Das zweite Prinzip besteht darin, dass SBAS häufig den gesamten oberen Luftweg, aber insbesondere den Abschnitt zwischen Choane und Glottis betreffen. Viele Jahre wurde ein nach Ansicht des Autors zu mechanistisches Konzept verfolgt, nach welchem die Kollapsorte entweder hinter dem Weichgaumen (Fujita Typ I), hinter der Zunge (Fujita Typ II) oder in beiden Regionen (Fujita Typ III) zu suchen war [19]. Zur Suche des/der Kollapsorte wurde eine ganze Palette von Untersuchungsmethoden propagiert, deren Vor- und Nachteile Tab. [1] zusammenfasst.

Tab. 1 Gebräuchliche Techniken in der Topodiagnostik des Kollapsortes
Technikim SchlafquantitativNachteileklinische Routine
Druckmessungen ++SE, limitierte Haltbarkeit der teuren Sonden+
flexible Nasopharyngoskopie+(+)SE, mom+
Analyse der Schlafatmungsgeräusche++SE(+)
Cinefluoroskopie++rad, mom-
schnelles CT++rad, mom-
Radiozephalometrie-+rad, mom+
akustische Reflexion++SE(+)
schnelles MRT++mom (bis zu 1 Stunde)-
SE: Spezielle Erfahrung nötig; mom: beurteilt nur eine kurze Schlafperiode; rad: Strahlenexposition.

Hinter dieser Topodiagnostik steht die Idee, dass sich die Erfolgsquote z. B. der Weichgaumenchirurgie durch die präoperative Identifizierung der geeigneten Kandidaten mit ausschließlich retrovelarem Kollapstyp deutlich steigern lässt. Leider ist es aber bis heute nicht gelungen, die Erfolgsquote der UPPP deutlich über 50 % zu steigern, weshalb die Einteilung in die genannten drei Kollapstypen vermutlich zu einfach ist. Wenn überhaupt, dann scheint diese Einteilung für die ganz milden Formen der SBAS, also das primäre Schnarchen und vielleicht das UARS zu funktionieren, wie die Diskussion anlässlich des letztjährigen Deutschen HNO-Kongresses in Bad Reichenhall zeigte.

Ab einem AHI von etwa 20 sollte aber davon ausgegangen werden, dass der gesamte obere Luftweg im angesprochenen Segment von der Choane bis zum Larynx betroffen ist. Das erklärt auch die deutliche Überlegenheit der nCPAP-Therapie, die den gesamten Bereich pneumatisch schient. Wenn dennoch operiert wird, sollten so genannte Multi-Level-Konzepte (siehe 5.6) bevorzugt werden, die verschiedene Eingriffe in zumindest Oro- und Hypopharynx kombinieren.

Im Folgenden werden die verschiedenen Therapiekonzepte besprochen. Die Diskussion der Effektivität nach den Kriterien der Evidence Based Medicine (EBM) [20] [21] für die einzelnen Indikationen steht dabei im Vordergrund. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den operativen Verfahren, da im Grunde nur diese als rekonstruktive Verfahren im Sinne des Themas dieses Verhandlungsberichtes eingestuft werden können.

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3 Wiederherstellende Verfahren konservativer Art

Konservative Methoden umfassten die Gewichtsreduktion, die Optimierung der Schlafhygiene, die Konditionierung in Bezug auf die Schlafposition und verschiedene medikamentöse Ansätze.

Übergewicht gilt als Hauptrisikofaktor für SBAS [22]. Verschiedene Arbeiten konnten zeigen, dass sich der AHI mittels Körpergewichtsreduktion kurzfristig signifikant senken lässt. Langfristig liegen die Erfolgsraten der alleinigen Körpergewichtsreduktion jedoch nur bei 3 % [23].

Die Einhaltung einer gewissen Schlafhygiene (Vermeidung von Alkohol und Sedativa, Reduktion von Nikotin und anderen Noxen, Einhaltung eines regelmäßigen Schlafrhythmus usw.) gehört zu jeder Standardtherapieempfehlung bei SBAS. Allerdings gibt es keine Langzeitstudien, die den Einfluss der Schlafhygiene sauber belegen.

Bei der sog. lageabhängigen OSA treten die Atmungsereignisse ausschließlich oder überwiegend in Rückenlage auf. In Rückenlage fällt die Zunge infolge des im Schlaf abnehmenden Muskeltonus der Schwerkraft folgend nach hinten. Bei Patienten mit entsprechenden anatomischen Gegebenheiten (Zungen[-grund]hyperplasie oder Mikrogenie) verschließt die Zunge dabei den oberen Luftweg. Diesen Patienten kann durch die konsequente Vermeidung der Rückenlage geholfen werden. Leider gibt es auch hierzu keine Langzeitergebnisse. Kurzfristig werden Erfolgsraten bis zu 75 % bei milder und mittelschwerer, lageabhängiger OSA beschrieben [24].

Kürzlich wurde eine Übersicht über 43 verschiedene Pharmaka bezüglich ihrer Wirksamkeit bei SBAS publiziert [25]. Bislang konnte noch kein Medikament als wirksam in der Behandlung der SBAS bezeichnet werden.

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4 Wiederherstellende Verfahren apparativer Art

Apparative Behandlungsoptionen bestehen in der nasalen Beatmungstherapie mit Überdruck (nCPAP) in ihren verschiedenen Modifikationen, den Bissschienen und der Elektrostimulation des Mundbodens.

Die in der Regel über eine Nasenmaske applizierte CPAP-Beatmung nach Sullivan [26] schient den gesamten oberen Luftweg pneumatisch vom Naseneingang bis zur Glottis. Die Darstellung der Anpassung sowie der zahlreichen Modifikationen würde den Rahmen dieser Übersicht sprengen, weshalb auf die entsprechende Literatur verwiesen wird [27]. Die CPAP-Beatmung reduziert oder beseitigt Schnarchen, Tagessymptomatik und das kardiovaskuläre Risiko. Zwei exzellente Studien, welche die Kriterien der evidence based medicine (EBM Grad 1) erfüllen, belegen die Wirksamkeit der Methode [28] [29]. Mit einer primären Erfolgsrate von 98 % ist die CPAP-Therapie neben der Tracheotomie das erfolgreichste Verfahren überhaupt in der Therapie der SBAS.

Leider liegen die Raten für eine Langzeitakzeptanz bei unter 70 % [30]. Grundsätzlich sinkt die Bereitschaft zur Beatmungstherapie mit sinkendem Lebensalter und mit abnehmendem subjektiven Therapieerfolg [31]. Mit anderen Worten, je mehr ein Patient bezüglich seiner Tagessymptomatik von einer CPAP-Therapie profitiert, desto größer ist seine Compliance, das Gerät ausreichend regelmäßig zu benutzen. Folglich lehnen viele Patienten mit einer milden oder mittelschweren OSA trotz initial erfolgreicher CPAP-Einstellung eine dauerhafte Beatmungstherapie ab, obwohl eine Behandlung medizinisch notwendig wäre. Diese Patienten müssen einer anderen, häufig chirurgischen Therapie zugeführt werden [32].

Unter den oralen Hilfsmitteln (Bissschienen) haben sich in den letzten 5 Jahren die Unterkieferprotrusionsschienen durchsetzen können. Für die milde bis mittelschwere OSA werden Erfolgsraten von 50 - 70 % berichtet [33] [34]. Leider lassen sich der individuelle Erfolg und die Compliance nicht vorhersagen. Die Akzeptanz der Unterkieferprotrusionsschienen wird zwischen 40 und 80 % angegeben [35] [36]. Wichtigste Nebenwirkungen in bis zu 80 % der Patienten sind Hypersalivation, Xerostomie, Schmerzen im Kiefergelenk und dentale Beschwerden [37].

Die Elektrostimulation des Mundbodens wird derzeit für die Anwendung über Oberflächenelektroden am Kinn bzw. am Mundboden kommerziell angeboten. Erste Ergebnisse belegen eine Wirksamkeit in der Behandlung des primären Schnarchens, nicht aber der OSA [38] [39]. Langzeitergebnisse fehlen.

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5 Wiederherstellende Verfahren operativer Art

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5.1 Nasopharynx

Im Kindesalter führen häufig vergrößerte Adenoide zur Entwicklung von SBAS. Die kindliche OSA kommt etwa gleich häufig bei beiden Geschlechtern vor [40]. Es konnte gezeigt werden, dass die Größe der Adenoide streng mit dem Schweregrad der kindlichen OSA korreliert [41] [42]. Eine positive Korrelation zwischen Schnarchen und Größe der Adenoide war bereits vor mehr als 20 Jahren beschrieben worden [43].

Einige Fallberichte belegen eine Schlafatmungsstörung bei Kindern, die nach Adenotomie reversibel war [40] [51]. Allerdings scheinen sowohl die isolierte Tonsillektomie als auch die kombinierte Adenotonsillektomie eine höhere Erfolgsrate zu besitzen. Nichtsdestoweniger verbessert sich die mentale Leistungsfähigkeit und Entwicklung nach Adenotomie [52].

Neben vergrößerten Adenoiden kann eine kindliche OSA auch durch Choanalpolypen hervorgerufen werden. Einige wenige Fallberichte für kindliches Schnarchen [44] [45] und vier gut dokumentierte Fälle einer kindlichen OSA infolge Choanalpolypen finden sich in der Literatur [46] [47] [48] [49].

Bei Erwachsenen kommt eine komplette Verlegung des Nasopharynx naturgemäß seltener vor. Donelly et al. [50] beschrieben aber kürzlich einen im Vergleich zu gesunden Kontrollen verengten Nasenrachenraum bei 16 jungen erwachsenen Schlafapnoikern.

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5.2 Tonsillen

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5.2.1 Tonsillektomie und Tonsillotomie

Es gilt als gesichert, dass die Tonsillenhyperplasie einer der Hauptgründe für die Entwicklung einer kindlichen OSA darstellt [53] [54]. Entsprechend weist die kombinierte Adenotonsillektomie eine hohe Erfolgsrate bei kindlicher OSA auf. Weniger klar ist jedoch, inwieweit eine Tonsillenhyperplasie auch beim Erwachsenen zur Entwicklung von SBAS beitragen kann und inwieweit die Tonsillektomie auch beim Erwachsenen erfolgreich ist. Deshalb soll das Thema für Erwachsene und Kinder getrennt dargestellt werden.

In letzter Zeit haben die Tonsillotomie [55] wieder und verschiedene interstitielle Verfahren zur Gewebereduktion [56] erstmals an Bedeutung in der Tonsillenchirurgie gewonnen. Da die interstitielle Gewebereduktion mit Radiofrequenzenergie eine komplett andere Technik darstellt, wird sie im folgenden Abschnitt eigenständig abgehandelt.

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a) Kinder

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Effektivität bei primärem Schnarchen

Überraschenderweise finden sich kaum Studien, die sich mit dem Effekt der Tonsillektomie bei primärem Schnarchen befassen. Es existieren Daten von 265 Kindern aus 5 Studien [55] [57] [58] [59] [60]. Der Therapieerfolg wird mit durchschnittlich 91 % (88 bis 100 %) angegeben.

Herauszuheben ist die Studie von Hultcranz u. Mitarb. [55], die randomisiert die Effektivität der Tonsillotomie verglichen mit der Tonsillektomie untersucht haben. Die konventionelle Tonsillektomie zeigte sich tendenziell der Tonsillotomie überlegen. Die postoperative Morbidität der Kinder nach Tonsillotomie war aber signifikant gegenüber der bei konventionell operierten Kindern vermindert.

In einer weiteren kontrollierten Studie untersuchten Stradling et al. [61] 61 Kinder vor und 6 Monate nach Adenotonsillektomie sowie 31 gesunde, alters-gematchte Kinder zu Beginn der Studie und nach weiteren 6 Monaten. In der Gruppe der operierten Kinder normalisierten sich postoperativ sowohl die nächtliche Sauerstoffsättigung als auch verschiedene subjektive Parameter auf das Niveau der unbehandelten, gesunden Kinder.

Darüber hinaus konnten mehrerer Untersuchungen belegen, dass schnarchende Kinder schlechter in der Schule abschneiden als ihre nicht schnarchenden Mitschüler [62] [63]. Dieser Unterschied verschwand nach Adenotonsillektomie [64].

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Effektivität bei OSA

Die spontane Heilungsrate der kindlichen OSA infolge adenotonsillärer Hyperplasie liegt bei nur 9 % [58]. Nicht zuletzt deshalb ist die Adenotonsillektomie die häufigste Operation bei Kindern überhaupt [53] [54] [65].

Insgesamt 9 Studien präsentieren sowohl prä- als auch postoperative Schlaflabordaten von insgesamt 221 Kindern [40] [57] [65] [66] [67] [68] [69] [70] [71] [72]. Die Erfolgsrate im Sinne eines postoperativen AHI unter 5 errechnet sich mit 85,8 %. Damit ergeben sich ausreichend Daten, um eine Wirksamkeit der Adenotonsillektomie bei kindlicher OSA anzunehmen. Kudoh und Sanai [73] konnten sogar bei krankhaft übergewichtigen Kindern eine Effektivität der Adenotonsillektomie bei OSA nachweisen. Bei einigen Kindern wurde allerdings ein Wiederauftreten der OSA Jahre nach initial erfolgreicher Adenotonsillektomie beschrieben [74] [75].

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b) Erwachsene

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Effektivität bei primärem Schnarchen

Es gibt in der Literatur keinerlei suffiziente Ergebnisse zur Effektivität der isolierten Tonsillektomie beim primären Schnarchen des Erwachsenen.

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Effektivität bei OSA

Eine substanzielle Tonsillenhyperplasie ist im Erwachsenenalter seltener als bei Kindern. Trotzdem finden sich insgesamt 28 komplette Datensätze von Schlafapnoikern, die ausschließlich mit einer Tonsillektomie behandelt wurden [76] [77] [78] [79] [80] [81]. Der durchschnittliche AHI sank von präoperativ 45,2 auf postoperativ 13,1. Dieser Unterschied ist statistisch hoch signifikant (p < 0,0001). Nach den Erfolgskriterien von Sher [82] ergibt sich in diesem selektierten Patientenkollektiv eine Heilungsrate von 78,6 %.

Eine massive Tonsillenhyperplasie im Erwachsenenalter ist zwar selten, liegt sie aber vor, so ist die Tonsillektomie zur Behandlung der OSA fast so erfolgreich wie im Kindesalter.

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5.2.2 Radiofrequenz-Chirurgie (RFQ)

Die Radiofrequenztechnik verwendet hochfrequente elektrische Energie, um Weichteilgewebe entweder zu schneiden oder zu koagulieren. Durch die interstitielle Applikation von Radiofrequenzenergie wird eine thermische Läsion erzeugt, welche nachfolgend vernarbt. Dieser Vorgang resultiert in einer Versteifung und Schrumpfung des Gewebes. Im Rahmen der chirurgischen Behandlung von SBAS wird diese Technik an den Nasenmuscheln [83] am Weichgaumen [84] und am Zungengrund [85] eingesetzt. Weniger ist bisher über den Einsatz an den Gaumenmandeln bekannt.

Zwischenzeitlich sind verschiedene Radiofrequenzsysteme auf dem Markt. Diese unterscheiden sich durch die Art der Energieabgabe ins Gewebe, der entweder kontrolliert und unkontrolliert erfolgt. Zu den kontrollierten Verfahren gehören u. a. die so genannte Somnoplastie (Somnus, Gyrus ENT, USA), welche die Energieabgabe über die Messung der Gewebetemperatur kontrolliert, und das Celon-System (Celon AG Medical Instruments, Teltow, Deutschland), welches den Gewebewiderstand als Kontrollgröße verwendet. Darüber hinaus gibt es zahlreiche nicht-kontrollierte Systeme, bei denen solange Energie abgegeben wird, wie der Operateur seinen Fuß auf dem Fußschalter belässt.

In der Regel werden Radiofrequenzeingriffe an der Tonsille in örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Nadelelektrode wird in das lymphatische Gewebe eingestochen und eine thermische Läsion gesetzt. Je nach Größe der Tonsillen sind 4 bis 8 Läsionen pro Seite erforderlich. Oft führt die initiale inflammatorische Gewebereaktion zu einer weiteren Größenzunahme der Mandeln, weshalb Patienten mit Kissing Tonsills stationär überwacht werden sollten. Die Schrumpfung der Tonsillen tritt dann innerhalb von ein bis drei Wochen postoperativ ein.

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Effektivität bei SBAS

Die durchschnittliche Volumenreduktion der Tonsillen wird zwischen 51 % [86] und 75 % [87] angeben. Nelson beschreibt Verbesserungen der Tagesschläfrigkeit in 79 % und des subjektiven Schnarchens in 81 % seiner Fälle. Diese Kurzzeitergebnisse hatten auch nach 6 und nach 12 Monaten noch Bestand [88]. Bei Kindern beschreibt derselbe Autor eine Verbesserung mehrerer Lebensqualitätparameter ein Jahr nach Radiofrequenzbehandlung der Tonsillen.

Zur Effektivität der RFQ der Tonsillen bei OSA gibt es nur zwei Veröffentlichungen [86] [89]. Leider lassen diese Arbeiten keine Rückschlüsse auf den Effekt der isolierten Anwendung von RFQ-Energie an den Tonsillen zu, da jeweils noch andere Operationsschritte durchgeführt wurden.

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5.3 Weicher Gaumen

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5.3.1 Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP)

Über kein Operationsverfahren zur Behandlung der SBAS gibt es mehr Literatur als zur Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP). Seit der ersten UPPP durch Ikematsu 1963 sind mehrere Verfahren publiziert worden, die zum Ziele haben, die überschüssigen Gewebekomponenten des weichen Gaumens zu reduzieren, ohne dass die Funktionen des Weichgaumens beim Schlucken und Sprechen beeinträchtigt werden. Vermehrte Radikalität verbessert nicht die chirurgische Erfolgsquote, erhöht aber die Komplikationsrate [90]. So werden nach aggressiver UPPP bleibende velopharyngeale Inkompetenzen in bis zu 24 % der Fälle [91], Nasopharynxstenosen in bis zu 4 % der Fälle [92] und CPAP-Intoleranzen infolge oronasalen Luftlecks [16] beschrieben.

Seit 15 Jahren wird in Deutschland daher eine muskelschonende Modifikation [93] der ursprünglich von Fujita 1981 angegebenen Technik [94] favorisiert. Mit dieser Technik wurden bei inzwischen über 600 Fällen keine schweren Komplikationen mehr beobachtet. Heute gibt es keine Rechtfertigung mehr für aggressive Operationstechniken am Weichgaumen.

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Effektivität bei primärem Schnarchen

Zur Wirksamkeit der isolierten UPPP beim primären Schnarchen sind unzählige Arbeiten erschienen. Die Definitionen des Operationserfolges variieren so sehr, dass im Folgenden nur Arbeiten mit Langzeitdaten zusammengestellt sind. Als Langzeitdaten werden dabei nur Nachbeobachtungszeiträume von mindestens 3 Jahren angesehen. Mehrere Studien [96] [101] [102] beschreiben ein Nachlassen des Kurzzeit-Operationserfolges mit zunehmendem Nachbeobachtungsintervall.

Fasst man die Werte für „Schnarchen verbessert” bzw. „kein Schnarchen mehr” zusammen, so ergibt sich für die isolierte UPPP basierend auf den Daten für insgesamt 868 Patienten [95] [96] [97] [98] [99] [100] [101] [102] eine Langzeit-Erfolgsrate von 69,2 % in der Behandlung des primären Schnarchens. Diese Zahl ist allerdings vorsichtig zu gebrauchen, da die Beurteilungskriterien sehr heterogen sind. Entsprechend variiert die Erfolgsangabe in den zitierten Studien zwischen 44 % und 91 %.

Objektiv konnte eine Reduktion der alpha-EEG-Arousals nach UPPP beim nicht-apnoischen Schnarchen gesichert werden [103]. Janson et al. [104] stellten eine Reduktion von Tagesschläfrigkeit und -müdigkeit bei 155 primären Schnarchern nach UPPP fest.

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Vergleich verschiedener Operationstechniken am weichen Gaumen

Chabolle und Kollegen [97] haben in derselben Nachuntersuchung auch Patienten nach laser-assistierter Weichgaumenoperation eingeschlossen. Die Gruppen waren in Bezug auf Alter, Geschlechterverteilung und BMI vergleichbar. Die Erfolgsrate war in beiden Gruppen mit 44 % genau gleich. Allerdings lag die generelle Zufriedenheit mit der Operation in der UPPP-Gruppe signifikant höher.

Eine objektive Analyse der Schlafatmungsgeräusche ergab sowohl kurz- (2 - 11 Monate) als auch langfristig (29 - 56 Monate) nach UPPP bzw. nach LAUP eine vergleichbare Erfolgsrate für beide Operationstechniken [105] [106].

Lysdahl und Haraldson [107] verglichen die konventionelle UPPP mit einer laser-assistierten Variante bei 121 Patienten. Die konventionelle Technik zeigte sich hierbei in allen Parametern der Laserchirurgie überlegen. Diese Überlegenheit wurde inzwischen von einer anderen Arbeitsgruppe bestätigt [99].

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Effektivität bei OSA

Es liegen nur wenige prospektive Arbeiten über Langzeitresultate bis zu 9 Jahren nach UPPP vor. Die Vergleichbarkeit dieser Daten wird wie bei anderen Techniken durch unterschiedliche Erfolgskriterien erschwert. Fast übereinstimmend finden alle Autoren eine Diskrepanz zwischen guter subjektiver Besserung ihrer Beschwerden und kaum veränderten objektiven Schlafparametern nach UPPP. Deshalb ist eine postoperative Kontrolle im Schlaflabor nach einem bis drei Jahren erforderlich. Die hervorragende Übersicht von Sher et al 1996 [82] sollte von jedem Operateur genau studiert werden. Diese Autoren verwenden als Erfolgskriterien einen AHI < 20 und eine Reduktion des AHI um mindestens 50 % (oder analog: AI < 10 und AI-Reduktion > 50 %). Im nicht-selektierten Patientengut ergab diese Metaanalyse einen Operationserfolg nach UPPP von 40,7 %. In der selektierten Gruppe mit klinisch vermuteter Obstruktion ausschließlich in Höhe des Weichgaumens ergab sich eine Erfolgsrate von 52,3 %. Diese Daten basieren überwiegend auf Kurzzeitergebnissen.

Aus den heute vorhandenen Langzeitdaten [98] [108] [109] [110] [111] [112] geht eindrücklich hervor, dass auch der Effekt der UPPP auf den Schweregrad der OSA mit den Jahren nachlässt. Deshalb sollten Patienten längerfristig nach UPPP schlafmedizinisch kontrolliert werden. Fasst man die vorhandenen Langzeitdaten zusammen, die vergleichbare Erfolgskriterien verwenden, wie von Sher et al. [82] vorgeschlagen, so ergibt sich eine Langzeit-Erfolgsrate von 49,5 %. Damit kann heute mit Recht eine positive Langzeitwirkung der isolierten UPPP ggf. mit Tonsillektomie bei OSA angenommen werden.

Entsprechend konnte in einer Gruppe von 400 Patienten mit SBAS, die eine UPPP oder Laser-UPP bekommen hatten, verglichen mit 744 nicht-schnarchenden Kontrollpersonen keine erhöhte Mortalität nachgewiesen werden [113]. Diese Daten belegen den positiven Effekt der UPPP auf die Mortalität bei Schlafapnoikern. Keenan et al. [114] beobachteten ihre Schlafapnoe-Patienten über einen Zeitrraum von 6 Jahren nach. Die eine Gruppe bekam eine CPAP-Beatmung, die andere eine UPPP. Es ergab sich kein Unterschied bezüglich der Langzeit-Überlebensrate zwischen beiden Gruppen. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass sich nach UPPP einerseits das Abschneiden im Langzeit-Fahrsimulator verbessert [115] und dass sich andererseits die Anzahl der Autounfälle innerhalb eines Zeitraums von 5 Jahren nach der Operation signifikant senken lässt [116].

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5.3.2 Laser-assistierte Verfahren

Eine wesentliche Modifikation der konventionellen UPPP stellen die laser-chirurgischen Weichgaumen-Operationen dar. Diverse solche Techniken wurden bislang vorgestellt. Im Wesentlichen lassen sich 3 verschiedene Grundtypen unterscheiden [117] [118] [119] [120] [121]. Nach eigener Erfahrung liegen die meisten Vorteile in einer muskelschonenden Modifikation der ursprünglichen Kamami-Technik [117]. Wie bei der UPPP ist es essenziell, muskelschonend zu operieren. Andernfalls riskiert man schwere Komplikationen.

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Effektivität bei primärem Schnarchen

Bis heute gibt es keine allgemein anerkannte Methode, das Schnarchen objektiv zu quantifizieren. Die meisten Studien behelfen sich entweder mit visuellen Analog-Skalen (VAS), die der Bettpartner ausfüllt, oder mit dem Schnarchindex (SI), den die meisten Schlaflaborsysteme ausgeben. Da diese Schnarchindices auf unterschiedlichen Algorithmen basieren, sind nur solche Untersuchungen vergleichbar, die mit demselben System prä- und postoperativ gearbeitet haben. Die folgende Tab. [2] fasst alle relevanten Daten aus prospektiven Untersuchungen zusammmen, die visuelle Analogskalen verwenden. Sehr unterschiedliche Definitionen des Operationserfolges zwischen den einzelnen Studien erschweren die Interpretation der Ergebnisse.

Tab. 2 Effektivität der laser-assistierten Weichgaumen-Chirurgie beim primären Schnarchen
AutorNFollow-up (Monate)VASErfolg (%)Def. des ErfolgsLaserEBM
LUPP
Albu et al. [122] 90k. A.0 bis 1080VAS < 4Nd:YAGII-3
Carenfelt [118] 60 (36)3 - 41 bis 485 (89)Red. > 1CO2 II-1
Wennmo et al. [123] 102 - 361 bis 380VAS ≤ 1CO2 II-3
alle 160 2 - 36 83,4
MST
Ellis [121] 143 (15 - 18)1 bis 1087,5 (66)VAS < 4Nd:YAGII-3
Shehab et Robin [124] 24 (27)3 - 521 bis 1079,2 (81,5)Red. > 2CO2 II-1
Morar et al. [125] 2561 bis 10024 (68)Red > 90 % (Red ≥ 25 %)CO2 II-3
alle 85 3 - 18 76,8 (60,4)
LAUP
Hanada et al. [126] 3511 bis 1051,4Red > 50 %Nd:YAGII-3
Vukovic et Hutchings [127] 2560 bis 1284VAS ≤ 6CO2 II-3
Walker et al. [128] 1051,50 bis 10060Red > 70 %CO2 II-3
Astor et al. [129] 38k. A.0 bis 776.3VAS < 4 and Red > 2CO2 II-3
Schlieper et al. [130] 152121 bis 688VAS ≤ 3CO2 II-3
alle 355 1 - 12 74,6
VAS: visuelle Analogskala; Red: Reduktion; k. A.: keine Angabe.

Grundsätzlich lassen sich keine Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den 3 Grundtechniken erkennen. Etwa drei Viertel der untersuchten Patienten zeigten sich bei der kurzfristigen Nachuntersuchung zufrieden mit dem Operationsergebnis. Allerdings lässt die Wirksamkeit, vergleichbar wie bei der UPPP, mit der Zeit nach [121] [131] [132] [133] [134]. Suffiziente Langzeitdaten fehlen noch. Lediglich Osam et al. [106] beschreiben einen signifikanten Langzeiteffekt 29 bis 56 Monate nach LAUP mittels objektiven Analysen der Schlafatmungsgeräusche.

Die vergleichbaren Ergebnisse nach UPPP und Laserchirurgie am Weichgaumen wurden bereits dargestellt. Auch im Vergleich zur RFQ-Therapie am Weichgaumen werden vergleichbare Ergebnisse mitgeteilt [135] [136] [137] [138], wobei die Laserchirurgie deutlich stärkere postoperative Schmerzen verursacht.

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Effektivität bei OSA

Im Jahr 2000 haben wir eine Metaaanalyse zum Thema durchgeführt [139]. Damals gab es noch keine Langzeitergebnisse. Heute finden sich insgesamt polysomnographische Daten von 321 Patienten aus 9 Publikationen [140] [141] [142] [143] [144] [145] [146] [147] [148]. Die mittlere Erfolgsquote liegt bei enttäuschenden 27,7 %. Bei längerer Nachbeobachtung (> 8 Monate) ist die Erfolgsquote sogar noch schlechter. Die Wirksamkeit der laser-assistierten Weichgaumenchirurgie bei OSA nimmt mit der Zeit ab [149]. Kontrollierte Studien [146] [147] implizieren, dass die Laserchirurgie zwar mehr bewirkt als eine Nulltherapie, dass sie aber weniger effektiv ist als die konventionelle UPPP. Die hier zusammengefassten Daten unterstützen die Empfehlung der American Academy of Sleep Medicine [150], nach der die Laserchirurgie am Weichgaumen keine geeignete Therapie der OSA darstellt.

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5.3.3 Radiofrequenz-Chirurgie (RFQ)

Die heute etablierten Radiofrequenzsysteme kommen am Weichgaumen in der Regel mit 3 bis 6 Applikationen pro Therapiesitzung aus. Bis zu 4 Therapiesitzungen sind notwendig, um den maximalen Effekt zu erzielen. Operiert wird üblicherweise ambulant und in Lokalanästhesie.

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Effektivität beim primären Schnarchen

Erstmals berichteten Powell et al. [84] über die interstitielle Anwendung von Radiofrequnzchirurgie am Weichgaumen. Seither haben verschiedene Arbeitsgruppe die Wertigkeit des Verfahrens am Weichgaumen in identischer oder ähnlicher Art untersucht. Wir haben die vorhandenen Ergebnisse kürzlich in einer Metaanalyse zusammengefasst [151]. Wie bei der LAUP verwenden einige Studien visuelle Analogskalen [84] [137] [154] [157] [158] [161] [162] [163] [165] [166] [167] [168] [169], andere den SI [152] [153] [55] [160] [164] [170]. Erstere wurden insgesamt bei 505 Patienten eingesetzt. Der nach Anzahl der jeweiligen Patienten gewichtete durchschnittliche Score lag präoperativ bei 8,2 und sank nach der Operation auf 3,7. Der mittlere Behandlungseffekt liegt damit bei 4,5. Für insgesamt 167 Patienten liegen Daten zum SI vor. Hier lagen die Indizes bei präoperativ 8,1 und postoperativ 3,3. Der durchschnittliche Behandlungseffekt lag bei 4,8. Die Unterschiede für beide Gruppen waren jeweils statistisch hoch signifikant.

Wie bei den anderen Formen der Weichgaumen-Chirurgie auch, ließ der Therapieeffekt mit der Zeit spürbar nach. Hiervon waren 11 bis 41 % der Patienten betroffen [158] [163] [169]. Im Gegensatz zur UPPP und zur LAUP bietet die RFQ des Weichgaumens für diese Patienten aber die potenzielle Möglichkeit zur erneuten Behandlung.

Terris et al. [166] verglichen die interstitielle RFQ-Therapie des Weichgaumens prospektiv und randomisiert mit der LAUP. Die LAUP erzielte eine marginal bessere Wirksamkeit, verursachte aber deutlich mehr postoperative Beschwerden als die RFQ-Therapie.

Wir haben gerade eine eigene prospektive, plazebo-kontrollierte Studie zur RFQ-Therapie am Weichgaumen abgeschlossen. Jeweils 15 Patienten erhielten entweder eine isolierte RFQ-Behandlung des Weichgaumens in 2 Sitzungen oder eine Plazebo-Operation, bei der der Applikator zwar in den Weichgaumen eingestochen, aber keine Energie zugeführt wurde. Für die gesamte Gruppe der 30 Patienten ergab sich eine vergleichbare Reduktion des subjektiven Schnarchens wie bei den oben zitierten Arbeiten. Allerdings ergab sich beim Vergleich der beiden Gruppen keine statistisch signifikante Überlegenheit für die RFQ-Operation im Vergleich zur Nulltherapie. Diese neuesten Ergebnisse werfen natürlich die Frage auf, ob es sich bei den signifikanten Studienergebnissen unserer Metaanalyse [151] nicht um einen Plazeboeffekt handelt. Bevor hierüber abschließend geurteilt werden kann, sollten aber weitere plazebo-kontrollierte Ergebnisse abgewartet werden.

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Effektivität bei OSA

Derzeit gibt es nur zwei Arbeiten, die sich mit der Wirksamkeit der isolierten RFQ-Therapie am Weichgaumen bei OSA beschäftigen [171] [172]. Zwar werden signifikante Verbesserungen des AHI beschrieben, die Datenlage reicht aber noch nicht aus, um eine Wirksamkeit der RFQ-Therapie am Weichgaumen bei OSA zu postulieren.

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5.3.4 Andere Verfahren

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Uvulaflap

Die Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP) ist auch bei ausreichender chirurgischer Erfahrung und Übung eine relativ zeitaufwendige Operation. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat 1996 eine Modifikation aus Stanford - the uvulopalatal flap - Aufmerksamkeit erregt [173]. Heute wird vielfach eine Modifikation der ursprünglichen Technik mit lateraler Ausdehnung auf das Tonsillenbett verwendet, welche durch ihre einfache und schnelle Durchführbarkeit besticht, ohne auf die Vorteile der UPPP zu verzichten [174].

Zur Wirksamkeit des Uvulaflaps in der Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen sind bisher kaum Daten veröffentlicht. Nur eine Publikation befasst sich mit der Therapie des primären Schnarchens [175]. 14 Monate postoperativ konnte sowohl eine subjektive als auch eine objektive Verminderung der Schnarchgeräusche nachgewiesen werden.

Etwas mehr Daten gibt es in Bezug auf die Wirksamkeit des Uvulaflaps zur Behandlung der OSA [174] [176]. Im Vergleich zur UPPP ist die Datenlage bescheiden. Ob der großen Ähnlichkeit der beiden Operationstechniken kann aber vermutlich von einer vergleichbaren Wirksamkeit ausgegangen werden.

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Palatal Implants

Als neues minimal-invasives Verfahren wurde kürzlich die Implantation von zylindrischen Stiften aus Polyethylenterephthalat in den Weichgaumen vorgestellt [177]. Dieses Material wird u. a. auch als Gefäßendoprothese, als Mesh in der Bauchchirurgie und als Zirkumferenz für Herzklappen benutzt. Insgesamt 3 stäbchenförmige Implantate werden in den Weichgaumen eingebracht. Durch diese Implantate wird der Weichgaumen versteift und damit das Schnarchen reduziert bzw. beseitigt.

Es handelt sich wie bei der LAUP oder der interstitiellen Radiofrequenzchirurgie des Weichgaumens um eine ambulante Operation im Behandlungsstuhl in örtlicher Betäubung. Die Implantate werden in einer Hohlnadel geliefert. Das gesamte Handstück ist ein Einmalinstrument, das sich nicht wieder verwenden lässt.

Bisher gibt es nur einen Kongressbericht zum Thema [178]. Das Verfahren konkurriert für die Indikation primäres Schnarchen mit der RFQ-Therapie ob der vergleichbar geringen postoperativen Morbidität. Welches Verfahren hier zu bevorzugen ist, kann derzeit aber noch nicht beurteilt werden. Für die Indikation OSA gibt es bis heute noch gar keine veröffentlichten Daten.

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Uvulakappung

Die schlichte Kappung der Uvula kann nicht als adäquate Methode zur Behandlung von SBAS angesehen werden. Wie bereits ausgeführt gibt es keine Rechtfertigung für Muskelresektionen am Weichgaumen. Mortimore et al. [16] konnten sogar zeigen, dass bereits die Uvulakappung zu messbaren oronasalen Luftlecks bei einer CPAP-Beatmung führt. Die Problematik wurde bereits diskutiert.

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Palatal Stiffening Operation (CAPSO)

Ellis et al. [179] untersuchten die Mechanik beim Schnarchen unter Laborbedingungen. Die Autoren fanden heraus, dass verschiedene Faktoren zum Schnarchen beitragen, von denen das Flattern des Weichgaumens der Wichtigste zu sein scheint. Zum Flattern wiederum tragen Länge und Steifigkeit des Gaumensegels bei. Da der Kürzung des Gaumensegels durch die Gefahr der postoperativen nasopharyngealen Inkompetenz Grenzen gesetzt sind, entwickelten die Autoren eine Methode, das Gaumensegel zu versteifen. Mit dem CO2-Laser vaporisierten sie Teile der oralen Mukosa des Weichgaumens. Die Ergebnisse dieser Technik (MST = mucosal strip technique) wurden bereits mit den anderen Laser-assistierten Verfahren besprochen.

Andere Arbeitsgruppen haben diese Idee aufgegriffen, indem sie statt des Lasers die monopolare Elektrochirurgie verwenden. Mair und Day [180] entfernen einen 2 cm breiten Mukosastreifen in der Mittellinie des Weichgaumens in Lokalanästhesie. Die palatale Muskulatur bleibt intakt. Die Versteifung entwickelt sich innerhalb von 2 bis 3 Wochen durch Vernarbung.

Die Technik wird sowohl für das primäre Schnarchen als auch für die milde OSA empfohlen [180] [181]. Der Kurzzeiterfolg beim primären Schnarchen wird mit 92 % angegeben. Nach 6 bis 36 Monaten sank die Erfolgsquote im identischen Patientengut auf 77 % ab. Die Erfolgsrate bei OSA [181] wird mit 48 % etwas niedriger als nach konventioneller UPPP angegeben.

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Injection Snoreplasty

Die sog. „injection snoreplasty” wurde erstmals 2001 als Behandlungsmethode für das primäre, palatale Schnarchen vorgestellt [182]. Das Operationsprinzip besteht in der Injektion sklerosierender Agentien in den Weichgaumen. In der Folge entsteht eine Vernarbung, über eine Versteifung des Gaumensegels. Als wirksames Agens wurde von den Autoren zunächst 3 % Sodiumtetradecylsulfat (STS) verwendet. Diese Substanz ist in Europa für diese Anwendung nicht zugelassen, weshalb es aus Europa keine Erfahrungsberichte gibt. In einer kürzlichen Publikation wurden weitere Agentien auf ihre Wirksamkeit hin untersucht [183]. Keine der getesteten Substanzen zeigte bessere Ergebnisse als das STS. Lediglich 50 %iges Ethanol war vergleichbar bei allerdings erhöhter Komplikationsrate im Sinne von durchgehenden Weichgaumendefekten.

Die Effektivität dieser Methode wird nach durchschnittlich 1,8 Therapiesitzungen mit 92 % im Kurzzeit-Follow-up und mit 75 % nach 19 Monaten angegeben [182] [184]. Bis heute gibt es nur Daten dieser einen Arbeitsgruppe, so dass eine abschließende Beurteilung nicht möglich ist.

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Transpalatal Advancement Pharyngoplasty (TAP)

Untersuchungen der pharyngealen Anatomie mittels Computertomograhie und akustischer Rhinometrie vor und nach UPPP konnten eine Vergrößerung des naso- und oropharyngealen Querschnitts und eine Reduktion der Kollapsibilität in diesen Bereichen nachweisen. Größere Veränderungen waren mit höherem Operationserfolg assoziiert [185]. Basierend auf diesen Ergebnissen entwickelten Woodson und Toohill [186] die sog. transpalatal advancement pharyngoplasty (TAP).

Das Operationsprinzip besteht darin, dass nicht nur die kaudale Kante des Weichgaumens im Sinne einer UPPP verändert, sondern auch der Ansatz des Weichgaumens am harten Gaumen nach vorne verlagert wird. Hierfür wird die Hinterkante des harten Gaumens teilreseziert. Operiert wird in Vollnarkose. Insgesamt wurden die Ergebnisse von 10 Patienten nach isolierter TAP vorgestellt. Die Erfolgsrate nach Sher wird mit 70 % angegeben [186] [187]. Die TAP ist ob ihrer Invasivität nur eine Behandlungsoption für die OSA und hier speziell für Patienten, bei denen nach UPPP immer noch eine Enge auf der oropharyngealen Ebene besteht.

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5.4 Zungengrund und Hypopharynx

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5.4.1 Radiofrequenz-Chirurgie (RFQ) des Zungengrundes

Die RFQ Therapie des Zungengrundes lässt sich sehr gut in Lokalanästhesie mit Sedierung durchführen [189]. Mit den entsprechenden Nadelelektroden werden je nach Größe des Zungengrundes pro Therapiesitzung zwischen 8 und 16 Läsionen gesetzt. Eine bis zwei Therapiesitzungen sind erforderlich.

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Effektivität beim primären Schnarchen

Bisher liegen keine Ergebnisse zum Einsatz der Zungengrund-RFQ beim primären Schnarchen vor. Allerdings konnte zumindest im Rahmen der Behandlung milder Schlafapnoiker eine signifikante Reduktion des Schnarchens beobachtet werden [190].

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Effektivität bei OSA

Während noch 2001 die RFQ-Behandlung des Zungengrundes als nicht ausreichend untersucht eingestuft wurde, liegen heute suffiziente Daten vor. Die applizierten Gesamtenergiemengen variieren von 7915 J [85] [192] bis 13 394 J [191], ohne dass sich eine klare Tendenz der applizierten Gesamtenergiemenge auf das Operationsergebnis erkennen lässt.

Polysomnographische Daten von insgesamt 108 Patienten [85] [190] [191] [192] [193] liegen vor. Unter Verwendung von Sher-Kriterien ergibt sich eine operative Kurzzeit-Erfolgsrate von 33,5 % für die RFQ des Zungengrundes bei durchschnittlich mittelschwerer OSA. Jedoch müssen die Daten vorsichtig interpretiert werden, da sich bei den RFQ-Studien das Studiendesign grundlegend unterscheidet. Bei allen anderen Verfahren wird vor und nach der Therapie eine Schlaflaboruntersuchung gemacht. Bei den RFQ-Untersuchungen wird solange weiter therapiert, bis sich in der Polysomnographie ein zufrieden stellendes Ergebnis zeigt. Hier liegt die Problematik, denn die Polysomnographie weist eine hohe Nacht-zu-Nacht-Variabilität auf, die sich bei den RFQ-Studien ausschließlich im positiven Sinne beim Operationsergebnis einbringt [194] [195]. Mit anderen Worten, es ist unsicher, ob sich die dargestellten Ergebnisse bei einem im Voraus festgelegten Therapieschema mit definierter Anzahl an Sitzungen, Läsionen und zugeführter Energie bestätigen lassen.

Bei genauem Studium der Rohdaten in den zitierten Arbeiten kann man herauslesen, dass sich vor allem die milde OSA für eine Therapie mit RFQ am Zungengrund eignet. Mit der RFQ-Technik steht damit erstmals ein minimal-invasives Therapieverfahren für die Anwendung am Zungengrund zur Verfügung. Die postoperative Morbidität ist beeindruckend gering, weshalb die RFQ-Chirurgie das Therapiespektrum für diesen Obstruktionslevel wesentlich bereichert.

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5.4.2 Hyoidsuspension

Der gedankliche Ansatz, durch eine Suspension des Zungenbeins den Kollaps der im Schlaf erschlafften Zungenmuskulatur nach dorsal in den oberen Luftweg zu verhindern, ist nicht neu. Bereits Anfang der 80er-Jahre konnte eine Erweiterung des oberen Luftwegs nach Hyoidsuspension zunächst im Tiermodell [196] und später am Menschen [197] gezeigt werden. Initial wurde versucht, das Hyoid am Kinn zu fixieren.

Zwischenzeitlich wird von einigen Autoren die Suspension am Schildknorpel favorisiert. Diese Modifikation erfordert weniger Präparationsarbeit und hat sich als gleichermaßen sicher und effektiv wie die Originaltechnik erwiesen [198]. Operiert wird in der Regel in Vollnarkose [199], obwohl die Hyoidsuspension als isolierter Eingriff auch in Lokalanästhesie durchgeführt werden kann [200].

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Effektivität bei SBAS

Die Hyoidsuspension ist eine Operationstechnik, die bisher nur für Behandlung der OSA angegeben worden ist. Erfahrungen über einen Einsatz beim primären Schnarchen gibt es bislang nicht.

Auch für den Einsatz zur Therapie der OSA sind Daten über eine isolierte Hyoidsuspension rar, da die Hyoidsuspension fast immer zusammen mit einer sagittalen Unterkieferosteotomie mit Genioglossus-Advancement (GA) eingesetzt wird. Lediglich Riley et al. [198] stellten bisher Ergebnisse nach isolierter Hyoidsuspension vor. Die Erfolgsrate nach Sher-Kriterien wird mit 53,3 % angegeben. Darüber hinaus gibt es Berichte, nach denen sich die Hyoisdsuspension im Rahmen verschiedener Multi-Level-Konzepte als effektiver Bestandteil erwiesen hat [201].

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5.4.3 Andere Verfahren

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Teilresektionen des Zungengrunds

Bevor Mitte der 90er-Jahre mit der RFQ erstmals eine minimal-invasive Operationsmethode am Zungengrund zur Verfügung stand, gab es bereits mehrere operative Ansätze zur Volumenreduktion der Zunge durch offene Resektionen. Sofern am Zungengrund operiert wurde, war in vielen Fällen eine passagere Tracheotomie zur Sicherung des oberen Luftweges erforderlich. Ein weiteres Problem stellten schmerzhafte Schluckstörungen dar, die häufig 3 Wochen und mehr anhielten. Deshalb waren diese Operationsverfahren schon immer den schweren Fälle einer OSA vorbehalten, die einer Beatmungstherapie nicht zugänglich waren. Auch heute noch gibt es Einzelfälle, bei denen ein solch invasives Vorgehen noch angezeigt sein kann.

Operiert wird in Vollnarkose. In der Regel wird ein transoraler Zugang verwendet [202], die meisten Autoren verwenden den CO2-Laser [203] [204] [205]. Lediglich Chabolle u. Mitarb. [206] bevorzugen eine transcollare Operationstechnik.

Ob der geschilderten Invasivität verwundert es nicht, dass in der Literatur ausschließlich Daten zur Behandlung der schweren OSA zu finden sind. Es fällt auf, dass die Ergebnisse zwischen 25 % und 80 % Erfolgsrate (nach Sher-Kriterien) schwanken. Insgesamt stehen nur Daten von 68 Patienten zur Verfügung, von denen 22 Datensätze aus retrospektiven Analysen stammen. Die Datenlage kann somit nur als vorläufig betrachtet werden und lässt nur einen vorsichtigen Schluss zu. Es scheint so, als ob einige Patienten mit schwerer OSA infolge hypopharyngealem Kollaps durchaus von einer Zungenteilresektion profitieren, insbesondere wenn klinisch eine Makroglossie vorliegt [205].

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Zungenligatur

Die retrolinguale Obstruktion wird beim Fehlen anderer anatomischer Besonderheiten, wie etwa skelettalen Fehlbildungen oder Zungengrundtumoren durch ein Nach-Hinten-Fallen der Zunge im Schlaf hervorgerufen. Tagsüber verhindert die Willkürmotorik dieses Phänomen. Basierend auf dieser Beobachtung wurde bereits 1992 eine sog. Glossopexie vorgeschlagen, bei der der Zungengrund durch eine Gewebsschlinge aus autologer Faszia lata am Kinn fixiert wurde [207] (Abb. [2]).

Zoom Image

Abb. 2 Originaltechnik der Glossopexie mit Fascia lata modifiziert nach Faye-Lund et al. [207].

Diese Technik konnte sich ob der aufwändigen Präparation und der Notwendigkeit der Gewinnung von Fascia lata nicht durchsetzen. Erst mit der Einführung des als minimal-invasiv bezeichneten Repose®-Systems (Influ-ENT, USA) hat die Methode wieder Verbreitung gefunden [208]. Es handelt sich hierbei um einen chirurgischen Kit, welcher neben chirurgischen Instrumenten nicht-resorbierbares Nahtmaterial enthält, welches durch den Zungengrund geführt wird und diesen mittels einer Schraube an der inneren Kortikalis der Mandibula in der Mittellinie aufhängt. Im Gegensatz zur RFQ-Therapie des Zungengrundes handelt es sich beim Repose®-System um einen Eingriff in Vollnarkose, weshalb die Technik nur bedingt als minimal-invasiv anzusehen ist.

Daten für das primäre Schnarchen stammen aus zwei Multizenterstudien [209] [210], die offenbar teilweise dieselben Patientendaten enthalten. Nach diesen Studien ergibt sich eine Wirksamkeit bei primärem Schnarchen mit vermuteter pharyngealer Enge auf Höhe des Zungengrundes. Es handelt sich um Kurzzeitdaten.

Zur OSA gibt es Daten über 43 Patienten aus 4 Studien. Die angegebenen Durchschnittswerte für den prä- und postoperativen AHI sowie für die chirurgische Erfolgsrate nach Sher gleichen fast exakt denen nach isolierter Radiofrequenztherapie am Zungengrund. Beide Techniken werden bei gleicher Indikation, nämlich klinisch evidenter Obstruktion auf Zungengrundniveau, eingesetzt, und offenbar sind beide Techniken bezüglich ihrer Effektivität vergleichbar.

Leider weist das Repose-System gegenüber der RFQ-Therapie zwei grundsätzliche Nachteile auf. Einerseits bedarf es zum Einbringen der Naht einer Vollnarkose. Zum anderen ist es schwierig, die korrekte Spannung zu erzielen. Es muss immer eine Gratwanderung zwischen ausreichender Effektivität in Bezug auf den Schweregrad der SBAS einerseits und einer ungestörten Funktion der Zunge am Tage andererseits vollführt werden. Eventuell notwendige Nachkorrekturen erfordern eine weitere Vollnarkose.

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5.5 Kieferchirurgische Verfahren

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Genioglossus Advancement

Die inferiore, sagittale Osteotomie der Mandibula mit Vorverlagerung des M. genioglossus wurde erstmals 1986 von der Stanforder Arbeitsgruppe als Behandlungsmethode für die OSA vorgestellt [212]. Seither ist das sog. Genioglossus-Advancement (GA) Bestandteil vieler Multi-Level-Chirurgie-Konzepte geworden. Erstaunlicherweise gibt es aber bis heute keinen einzigen Bericht über die isolierte Anwendung dieser Methode bei Schlafapnoikern.

Der M. genioglossus entspringt an der Innenseite der Mandibula. Das Operationsprinzip besteht darin, den gesamten Bereich dieser Muskelinsertation durch eine entsprechende Osteotomie des Kinns zu mobilisieren und nach vorne zu verlagern. In dieser neuen Position wird das Knochensegment osteosynthetisch fixiert. Um ein kosmetisch störendes Vorstehen des Kinns zu vermeiden, werden äußere Kortikalis und Spongiosa abgeschliffen.

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Maxillo-Mandibuläre Umstellungsosteotomie (MMO)

Kieferchirurgische Eingriffe zur Korrektur von Fehlstellungen des Ober- und des Unterkiefers wurden erstmals von Kuo et al [215] als Alternative zur Tracheotomie bei OSA vorgeschlagen. Die Grundidee dieser Therapieform liegt in der Erweiterung sowohl des Naso-, Oro- und Hypopharynx durch gleichzeitige Vorverlagerung von Weichgaumen, Zunge und Pharynxseitenwänden. Obwohl die MMO heute als Standardeingriff angesehen werden kann, bleibt sie doch technisch anspruchsvoll und erfordert ein chirurgisches Team, eine Vollnarkose und eine stationäre Nachbehandlung [216].

Das MMO ist nach der Tracheotomie das erfolgreichste Operationsverfahren zur Behandlung der OSA. In mehreren kontrollierten Studien konnten nach MMO und unter CPAP vergleichbare Reduktionen des AHI gezeigt werden [217] [218] [219] [220] [221] [222] [223] [224]. Außerdem wurde eine ebenfalls im Vergleich zu CPAP gleichwertige Optimierung der Schlafarchitektur nach MMO mitgeteilt [225]. Der Therapieerfolg scheint über längere Zeit erhalten zu bleiben. So weisen die Stanforder Arbeiten eine Kurzzeit-Erfolgsrate nach 6 Monaten von 97 % [218] und eine Langzeit-Erfolgsrate nach 51 Monaten von 90 % [226] aus.

Heute hat sich das MMO als erfolgreichstes Operationsverfahren nach der Tracheotomie etabliert. Allerdings handelt es sich um ein invasives Operationsverfahren mit entsprechender Morbidisierung und Komplikationsrate, weshalb es als primäre Therapie überwiegend bei Patienten mit entsprechenden Dysmorphien des Gesichtsschädels zum Einsatz kommt. Für Schlafapnoiker ohne Kieferfehlstellungen hat sich allgemein das Stanforder 2-Phasen-Konzept durchgesetzt, welches in Phase 1 eine Multi-Level-Chirurgie an Weichgaumen und Zungengrund durchführt und erst in zweiter Linie den Therapieversagern aus Phase 1 ein MMO als Phase 2 anbietet.

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Distractionsosteogenese (DOG)

Seit ihrer Einführung in die Kieferchirurgie durch McCarthy et al. [227] im Jahre 1992 hat sich die DOG zu einem anerkannten Operationsverfahren bei schwerer, syndromaler und nicht-syndromaler maxillomandibulärer Deformität entwickelt. Nachdem retropositionierte Unterkiefer oder Mittelgesichter häufig mit einer Einengung des Pharynx einhergehen, leiden diese Patienten oft unter einer OSA. Daher ist die DOG das Verfahren der Wahl bei allen Fällen, in denen eine konventionelle MMO entweder nicht durchgeführt werden kann oder instabile Ergebnisse befürchtet werden. Das gilt insbesondere bei Neugeborenen und Kleinkindern [228].

Bisher umfassen die Publikationen bezüglich des Einsatzes der DOG bei OSA nur kleine Fallzahlen oder sind Fallberichte. Für Neugeborene und Kinder gibt es praktisch keine schlafmedizinischen Daten. Als primäres Therapieziel wird in der Regel die Vermeidung einer Tracheotomie angestrebt. Diesbezüglich hat sich die DOG als sehr effektives Verfahren erwiesen. Langzeitergebnisse stehen noch aus.

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5.6 Multi-Level-Chirurgie

Ein Multi-Level-Konzept zur chirurgischen Therapie der OSA wurde erstmals 1989 von Waite u. Mitarb. [217] vorgestellt. Diese Autoren kombinierten einen Naseneingriff mit einer UPPP, einem Zungeneingriff, einem Genioglossus-Advancement und einer maxillomandibulären Umstellungsosteotomie. Die Einteilung der potenziellen Obstruktionsorte in verschiedene Level geht auf Fujita zurück [19]. Er unterschied zwischen ausschließlich retropalatalem (Typ I), kombiniert retropalatal-retrolingualem (Typ II) sowie isoliert retrolingualem Obstruktionsort (Typ III). Basierend auf dieser Einteilung begründeten Riley et al. [229] den Begriff der Multi-Level-Chirurgie. Seither sind praktisch alle denkbaren Kombinationen von Eingriffen am oberen Luftweg vorgeschlagen worden.

Die Multi-Level-Chirurgie wird auch bei Kindern mit schwerer OSA auf der Basis verschiedener Grundkrankheiten erfolgreich eingesetzt, um eine ansonsten notwendige Tracheotomie zu vermeiden [230] [231] [232].

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Chirurgische Konzepte

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Effektivität minimal-invasiver Multi-Level-Chirurgie bei milder OSA

Als minimal-invasiv kann von den vorgeschlagenen Konzepten ausschließlich die reine RFQ-Therapie angesehen werden. Von den bisher vorhandenen Daten [89] [233] lassen sich zwei Trends ableiten. Zum einen scheint die kombinierte Behandlung von Zungengrund plus Weichgaumen die Ergebnisse der alleinigen Zungengrundbehandlung in Hinblick auf den AHI nicht wesentlich zu verbessern. Zweitens scheint sich der Operationserfolg auf Patienten mit einer milden OSA mit einem AHI von maximal 20 zu beschränken. Bestätigt wird dieser Trend durch die Ergebnisse der derzeit einzigen plazebo-kontrollierten Studie zum Thema [234].

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Effektivität der Multi-Level-Chirurgie bei mittelschwerer und schwerer OSA

Invasivere Therapieschemata umfassen auf Höhe des Weichgaumens entweder eine UPPP oder einen Uvulaflap jeweils mit Tonsillektomie. Zur Therapie der hypopharyngealen Enge werden unterschiedliche Verfahren empfohlen.

Insgesamt liegen Daten von 764 Patienten aus retrospektiven Studien und aus prospektiven Fall-Kontrollstudien vor [200] [202] [222] [224] [229] [235] [236] [237] [238] [239] [240] [241] [242] [243] [244] [245] [246]. Damit ergibt sich für die aktuelle Studienlage nach den Kriterien der Canadian Task Force on Periodic Health Examination eine Graduierung der Evidenz Grad III. Die Erfolgsrate nach Sher liegt bei 53 %. Es handelte sich mit Ausnahme der Studie von Nelson [241] um eine im Durchschnitt schwere OSA. Die Datenlage reicht aus, um die Wirksamkeit der Multi-Level-Chirurgie bei schwerer OSA zu belegen.

Dagegen kann derzeit noch nicht abgesehen werden, welche Kombination von Eingriffen überlegen ist. Vermutlich bleibt es jedem Chirurgen selbst überlassen festzustellen, mit welchen Verfahren er die besten Ergebnisse erzielt.

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6 Schlussfolgerung

Zwischenzeitlich gibt es eine breite Palette an wiederherstellenden Verfahren zur Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen. Abb. [3] bündelt die Ergebnisse dieser Übersicht in einem Indikationsschema in Abhängigkeit vom Schweregrad der SBAS.

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Abb. 3 Indikationsbereich für verschiedene wiederherstellende Verfahren am oberen Luftweg in Abhängigkeit von der Schwere der schlafbezogenen Atmungsstörung.

Keine Indikation dagegen gibt es nach den vorgestellten Daten für folgende Verfahren: Uvulakappung, Injection Snoreplasty, Cautery Assisted Palatal Stiffening Operation, Transpalatal Advancement Pharyngoplasty sowie Zungengrundteilresektionen. Streng nach den Kriterien der EBM gilt das auch für den Uvulaflap und die Weichgaumenimplantate. Weitere Studien müssen hier für Klarheit sorgen.

Im Bereich des Weichgaumens muss mit einem Nachlassen der Wirksamkeit mit wachsender Nachbeobachtungszeit gerechnet werden. Das gilt unabhängig für alle verwendeten Verfahren. Demgegenüber scheinen die Ergebnisse nach Operationen in anderen anatomischen Regionen über die Zeit konstant zu bleiben.

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Literatur

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Verse

Universitäts-HNO-Klinik Homburg

66421 Homburg ·

Email: [email protected]

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Abb. 1 Kontinuierliche Verengung des oberen Luftweges. Modifiziert nach Moore [1].

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Abb. 2 Originaltechnik der Glossopexie mit Fascia lata modifiziert nach Faye-Lund et al. [207].

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Abb. 3 Indikationsbereich für verschiedene wiederherstellende Verfahren am oberen Luftweg in Abhängigkeit von der Schwere der schlafbezogenen Atmungsstörung.