Insulinresistenz und Sekretionsstörung sind die beiden pathophysiologischen Komponenten,
die den Diabetes mellitus Typ 2 bestimmen. Beide bestehen zur gleichen Zeit, sind
aber unterschiedlich ausgeprägt, so Prof. A. Pfützner, Mainz. Das verminderte Ansprechen
der Zellen auf Insulin steht gerade bei Menschen mit Übergewicht am Anfang des langen
Weges hin zum Diabetes mellitus Typ 2. Klinisch manifest wird die Erkrankung aber
erst, wenn die Betazelle die Insulinresistenz durch Mehrproduktion von Insulin nicht
mehr kompensieren kann.
Als hochspezifischer Marker für die Beta-Zelldysfunktion hat sich in neueren Untersuchungen
das Proinsulin erwiesen - eine Peptidkette aus 84 Aminosäuren, die in den Betazellen
produziert und gespeichert wird. Durch die proteolytische Abspaltung vom C-Peptid
entsteht aus Proinsulin Insulin.
Je mehr die Betazelle aber gefordert wird, desto mehr verliert sie an Dynamik und
Sekretionsfähigkeit. Über die Zellmembran gelangt damit immer weniger Insulin, aber
gleichzeitig mehr Proinsulin ins Blut und signalisiert so den fortschreitenden Zusammenbruch
der Beta-Zellfunktion. Da Proinsulin nur ein Zehntel der blutzuckersenkenden Wirkung
des Insulins, aber vermutlich die gleiche fettaufbauende Potenz besitzt und zudem
die Fibrinolyse hemmt, trägt es wesentlich zum kardiovaskulären Risiko des Typ-2-Diabetikers
bei, erklärte Pfützner.
"Zwei Fliegen mit einer Klappe"
Mithilfe der so genannten Inkretine gelingt es, die Beta-Zelle zu vermehrter Insulinsekretion
und gleichzeitiger Abnahme der Proinsulinspiegel zu bewegen. Das "inkretin glucagon-like
peptide 1 (GLP-1)" ist ein im Darm gebildetes Hormon, das bei Aufnahme von Nahrung
freigesetzt wird, berichtete Prof. B. Göke, München. Es stimuliert die Insulinsekretion
glukoseabhängig, senkt den Glukagonspiegel, verzögert die Entleerung des Magens und
hemmt das Appetit- und Durstgefühl. Das Problem des natürlichen Peptids als Therapeutikum
besteht in seiner extrem kurzen Halbwertszeit.
Die Lösung fand sich mit einem Wirkstoff im Speichel einer amerikanischen Krustenechse
(Gila-Monster; Heloderma suspectum): Exendin ähnelt dem Inkretin, verhält sich aber
deutlich stabiler. Exenatid wiederum ist das synthetisch hergestellte Äquivalent von
Exendin und der erste Vertreter der Inkretin-Mimetika. In klinischen Studien bei fast
1500 Typ-2-Diabetikern hat Exenatid bereits seine Fähigkeit unter Beweis gestellt,
die Blutzuckerkontrolle signifikant zu verbessern und das Körpergewicht zu senken.
Quelle: Presseworkshop "Typ-2-Diabetes: Den Ursachen auf der Spur", veranstaltet von
der Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg