Z Orthop Unfall 2007; 145(6): 697
DOI: 10.1055/s-2007-1019441
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Bandscheibenschäden - Die Reaktion des Nucleus Pulposus auf unterschiedliche Belastungssituationen

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Publication Date:
21 December 2007 (online)

 
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The Response of the Nucleus Pulpous of the Lumbar Intervertebral Discs to Functionally Loaded Positions. Spine Volume 2007; 32(14): 1508-1512

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Einleitung

Bandscheibenschäden durch Dislokation des Nucleus Pulposus und Ruptur des Anulus Fibrosus stellen eine der Hauptursachen unspezifischer Rückenschmerzen dar. Bei 40 % der Rückenschmerzen ist der Ursprung der Beschwerden in Bandscheibenläsionen zu finden. Dies hat einen großen ökonomischen Einfluss.

Die anteriore und posteriore Migration des Nucleus Pulposus während der Extensions- und Flexionsbewegung wird bereits in der konservativen Therapie berücksichtigt, um eine mögliche Protusion oder Prolaps nicht zu forcieren. Aufgrund fehlender geeigneter Diagnostik existierten bisher kaum in-vivo Daten über die Migrationsreaktion des Nucleus Pulposus auf alltägliche Bewegungen der Wirbelsäule. Die neuartige Diagnostik des Upright-MRTs erlaubt eine Beurteilung des Migrationsverhaltens des Nucleus in funktionell unterschiedlichen Belastungspositionen.

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Studiendesign

Das Upright-MRT wurde in dieser Studie verwendet, um T2-gewichtete sagittale Schnitte der Lendenwirbelsäule (L1/2 bis L5/S1) von elf freiwilligen Probanden mit gesunden Wirbelsäulen in verschiedenen Körperpositionen zu gewinnen. Mittels der medianen Rekonstruktion wurde die sagittale Bewegung des Nucleus anhand der Distanz der anterioren Bandscheibenbegrenzung zum Bildpunkt der maximalen Intensität (= Nukleus) beurteilt. Die Messungen wurden in stehender und sitzender Position (aufrecht, gebeugt und überstreckt) sowie in Rückenlage und Bauchlage bestimmt. Für jede Haltung wurde gleichzeitig die Lumballordose anhand des Winkels nach Cobb gemessen.

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Ergebnisse

Bauch- und Rückenlage verursachen signifikant weniger posteriore Migration des Nucleus Pulposus als die sitzende Position. Weiterhin zeigte die Studie eine vermehrte Bewegung des Nukleus in gebeugter und aufrecht sitzender Position verglichen mit stehender Position sowie eine vermehrte Bewegung in gebeugt sitzender verglichen mit überstreckt sitzender Position.

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Kommentar

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen erstmalig die Gültigkeit der klinischen Annahme bezüglich des Verhaltens der Bandscheibe in verschiedenen Positionen mittels in-vivo Daten. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die sitzende Haltung das Risiko einer Verschiebung des Nucleus Pulposus nach posterior erhöht. Diese Bestätigung ist hilfreich für die Prophylaxe und Therapiekonzepte von Bandscheibenschäden. Weiterhin wird in dieser Studie das neuartige Upright-MRT verwendet. Die Verwendung dieses neuartigen, diagnostischen Hilfsmittels scheint somit auch für spezielle Fragestellungen geeignet zu sein.

Dr. med. Thilo Flörkemeier

Dr. med. Thilo Flörkemeier

Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover

Email: Thilo.Floerkemeier@annastift.de