Trotz der Fortschritte, die wir in der konservativen Epilepsietherapie aufgrund der
Einführung von mittlerweile zehn neuen Antiepileptika erreicht haben, hat sich wenig
daran geändert, dass 30 % aller Epilepsien pharmakoresistent sind.
In diesen Fällen sollte frühzeitig an die Möglichkeit epilepsiechirurgischer Eingriffe
gedacht werden. Die präoperative Diagnostik hat dabei zur Aufgabe, mit größtmöglicher
Präzision die epileptogene Zone zu identifizieren, also das kortikale Areal, dessen
Resektion notwendig ist, um postoperative Anfallsfreiheit zu erreichen.
Gleichzeitig dient diese Diagnostik dazu, die notwendige präoperative Risikoeinschätzung
zu ermöglichen, da wir epilepsiechirurgische Eingriffe vermeiden wollen, die für die
Beseitigung einer temporären Behinderung (Epilepsie) eine operationsbedingte permanente
Behinderung in Kauf nimmt, durch die eine unter Umständen wesentlich relevantere Minderung
der Lebensqualität unserer Patienten resultieren würde.
Die Kernstücke der präoperativen Diagnostik betreffen die genaue Kenntnis typischer
operationszugänglicher Epilepsiesyndrome und hierzu passender elektroklinischer iktaler
Befunde, also der zu erwartenden klinischen und elektroenzephalografischen Befunde
unter Annahme notwendiger Hypothesen zur Epileptogenese in jedem einzelnen Fall, ferner
die bildgebende und neuropsychologische Diagnostik. Insbesondere Letztere ermöglicht
uns dann auch, das postoperative Outcome bei Operationen im Bereich kortikaler Areale
zu beurteilen, die von wesentlicher Bedeutung für unabdingbare kognitive und mnestische
Funktionen sind.
Die Qualität der präoperativen Diagnostik und Epilepsiechirurgie lässt sich durch
die Bildung geeigneter Netzwerke verbessern. Die Kooperation des Epilepsiezentrums
Kork mit dem Neurozentrum der Universität Freiburg, die in diesem Jahr ihren 10. Geburtstag
feiert, ist hierfür beispielhaft. Verschiedene funktionelle Stärken lassen sich in
dieser Kooperation komplementär nutzen. Die Qualität unserer Arbeit hat sicherlich
durch die inzwischen erfolgte Einbindung der neuropädiatrischen Abteilung der Universität
Heidelberg zusätzlich gewonnen.
In diesem Heft wird von Autoren, die tagtäglich im Rahmen dieser Kooperation ihren
praktischen Beitrag leisten, der State of the Art der modernen präoperativen Epilepsiediagnostik
dargestellt.