Die seelischen Folgen der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs für Kinder sind im Verlaufe
der letzten 60 Jahre von den psychosozialen Professionen sehr unterschiedlich bewertet
und thematisiert worden. Während es kurz nach Kriegsende zu einem Hinschauen auf die
Not der Kinder kam, begann danach im Interesse einer Normalitätssehnsucht ein langer
Zeitraum des Beschweigens, gefolgt von Prozessen des Moralisierens. Erst in der Auseinandersetzung
mit dem eigenen Alter und den damit oft verbundenen Erfahrungen von sozialem Verlust
und Kontrollverlust, wird die eigene Geschichte mit verdrängtem Leid und Affekten
bei vielen Angehörigen dieser Generation allmählich biografisch und zeithistorisch
verortet und angeeignet. Am Beispiel von Erkenntnissen einer Studie zu Scheidungen
nach langjährigen Ehen werden mögliche Spuren solcher Kriegskindsozialisationen im
Beziehungsverhalten und in Beziehungsproblemen nachgezeichnet und zur Diskussion gestellt.
Kriegskindheit - zeithistorischer Kontext - Vaterabwesenheit - späte Scheidungen -
Geschlechtsspezifität - Spätfolgen von Kindheit